Photovoltaik

Ritterhuder wirbt weltweit für Energiewende

Ritterhude. Eben noch in Norwegen, kurz darauf in China und stets die Sonne als Botschaft im Gepäck: Holger Laudeley ist ein Weltreisender in Sachen Photovoltaik. Der 47-jährige Ritterhuder Unternehmer versteht sich als Wegbereiter einer Energiewende.
10.01.2011, 05:00
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Von Klaus Grunewald
Ritterhuder wirbt weltweit für Energiewende

Auf seiner achttägigen Chinareise machte Horst Laudeley auch Station in Shanghai, dem "Tor zur Welt“ im Mündungsge

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Ritterhude. Eben noch in Norwegen, kurz darauf in China und stets die Sonne als Botschaft im Gepäck: Holger Laudeley ist ein Weltreisender in Sachen Photovoltaik. Der 47-jährige Ritterhuder Unternehmer versteht sich als Wegbereiter einer Energiewende, zu der die Menschheit nach seiner festen Überzeugung keine Alternative hat - will sie auf diesem Erdball überleben.

Im Reich der Mitte, aus dem er vor Kurzem zurückgekehrt ist, hat der Ritterhuder offene Türen eingerannt. Geschäftstüchtig, wie die Chinesen nun einmal seien, decken sie zwar den weltweiten Bedarf an Photovoltaik-Modulen zu 90 Prozent ab. Sie sind aber noch Entwicklungsland, was die Umstellung auf regenerative Energien vor der eigenen Haustür anbelangt. Vor allem die riesigen Entfernungen bereiten Probleme. Doch Laudeley ist sich nach der achttägigen Visite und 7000 Reisekilometern entlang der Küste sicher: "Die schaffen das im Eiltempo." Dafür hat er ein Beispiel parat: In der Hafenstadt Shanghai mit seinen 13 Millionen Einwohnern wurden innerhalb von 120 Tagen sämtliche Motorroller auf Elektrobetrieb umgestellt.

Energiewende in eigener Firma

Laudeley befasst sich seit 22 Jahren mit der Solartechnik, hat die Energiewende in seiner Ritterhuder Firma in der Herrenhausenstraße mit Hilfe der Sonnenzellen längst vollzogen - und macht satte Gewinne durch die Einspeisung des überschüssigen Stroms ins Stadtwerkenetz. Und er nutzt jede Gelegenheit, Werbung für die Sonnenenergie zu machen. Auch auf kommunalpolitischer Ebene. Den Ratsmitgliedern hat er wiederholt vorgerechnet, dass sich solare Selbstversorgung mittels Kollektoren auf Dächern von Turnhallen, Schulen, Kindertagesstätten oder Dorfgemeinschaftshäusern bezahlt macht. "Wie bei einem Bäcker, bei dem Sie Geld dafür erhalten, dass Sie dort ein Brötchen essen", sagt er.

Ein Bild, das Laudeley vor Kurzem auch in der südnorwegischen Küstenkommune Risör malte. Dorthin hatte ihn der Ritterhuder Vize-Bürgermeister und FDP-Fraktionsvorsitzende Waldemar Orthmann gelotst, der familiäre Wurzeln in dem skandinavischen Land besitzt. Orthmann hatte einen Hilferuf von Helga Arntzen erhalten, die sich in Norwegen seit vier Jahrzehnten für Frieden, Menschenrechte und multikulturelles Verständnis engagiert. Dafür wurde sie vom norwegischen Königshaus mit der "King's Medal" in Gold gewürdigt. Die gebürtige Heidelbergerin will das Dach ihres Friedenshauses in Risör mit Solarmodulen bestücken. Es wäre das erste in Norwegen überhaupt, und Holger Laudeley wäre der Wegbereiter. Sein Plädoyer für die Sonnenenergie in einem Land, das Billigstrom per Wasserkraft produziert, hat Experten und Politiker jedenfalls überzeugt.

In China musste der Ritterhuder Überzeugungsarbeit ganz anderer Art leisten. Bislang waren die Zwischenhändler in Deutschland und Europa Ansprechpartner für Laudeley, wenn er Module aus China benötigte. Rund 25000 Stück pro Jahr, die per Schiff kommen und in Hamburg oder Rotterdam gelöscht werden. Doch in jüngster Zeit häuften sich die Probleme mit den Agenten. Die Ware kam gar nicht oder zu spät, obwohl sie bereits bezahlt war. Deshalb nahm der Ritterhuder das Heft selbst in die Hand und besuchte seine Lieferfirmen in der Volksrepublik.

Die hatten nicht nur ein offenes Ohr für die Wünsche ihres Kunden aus Deutschland, sondern zeigten ihm auch Land und Leute. Beeindruckend, so Laudeley, seien die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Chinesen, ihre Kenntnisse der deutschen Geschichte und Literatur, aber auch ihr Selbstbewusstsein. Laudeley: "China will die größte Wirtschaftsmacht der Welt werden", sagt Laudeley. Und natürlich die Sonnenenergie nutzen, wie der Ritterhuder in Gesprächen erfuhr.

So entstehe in der Mongolei zurzeit ein riesiges Photovoltaik-Kraftwerk, es soll die energetische Wende im Riesenreich mit seinen 1,3 Milliarden Menschen und mit den Überwachungskameras an jeder Straßenecke im Eiltempo vorantreiben. Klar, dass der Ritterhuder mit seinem Know-how ein begehrter Gesprächspartner war und auf seiner 7000 Kilometer langen Reise durch die Küstenstädte immer wieder in die Kamera lächeln musste.

"Kontrolle und Sicherheit werden groß geschrieben, Diebstähle oder Überfälle finden in den Millionenstädten so gut wie nicht statt", meint Laudeley. Er warnt aber davor, sich in China hinters Lenkrad eines Autos zu setzen. "Straßenverkehr ist Chaos pur. Jeder fährt nach eigenen Regeln, trotzdem sind schwere Unfälle selten." Darüber wundert sich der 47-jährige Solaraxperte aus der Hammegemeinde noch immer.

In China nutzte er auch die Gelegenheit, einmal in einer Rikscha durch enge Geschäftsgassen und Wohnviertel zu kutschieren. Von Menschen wird die Rikscha freilich schon lange nicht mehr gezogen. "Auch diese Tradition ist vom Fortschritt überholt worden. Die Dinger fahren alle mit Batterie getriebenen Motoren", sagt Laudeley.

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