Rosi Messer

Alles im Wandel

Ihre dritte Einzelausstellung verlief anders als gedacht: Rosi Messer aus Bassum hängte ihre Werke einen Tag vor dem Shutdown wegen Corona im Twistringer Rathaus auf. Da hängen sie noch bis Freitag.
12.08.2020, 17:30
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Alles im Wandel
Von Tobias Denne
Alles im Wandel

Für Rosi Messer aus Bassum wäre ein vollkommen realistischer Malstil nichts, sonst würden ihre Werke niemals fertig werden. Sagt sie.

Michael Braunschädel

Bassum/Twistringen. Rosi Messer steht vor einem ihrer Werke, die im Obergeschoss des Twistringer Rathauses hängen. Es zeigt einen etwas abstrakt gemalten Baum. Die Blätter sind in warmen Farben gehalten. Der Hintergrund verläuft von grün-blau zu gelb. „Eigentlich sollte es nach Gewitter aussehen“, erzählt die Bassumer Künstlerin. Der Baum habe im Prozess aber eine andere Wendung genommen. Das ist okay für Messer.

Denn zu 100 Prozent realistisch will sie sowieso nicht malen. „Ich würde nie ein Bild fertig bekommen“, gibt die gebürtige Hannoveranerin zu. Also versucht sie, ihre eigene Version von etwas herzustellen und zu kreieren. Als Inspiration dienen ihr dabei Fotos, Postkarten oder Zeitungsartikel – natürlich die Bilder zum Text davon. „Die Fotos dienen mir als Gedankenstütze“, sagt Messer. So könne es auch mal sein, dass neue Elemente auf ihren Ölgemälden dazu kommen oder anders präsentiert werden. „Alles ist Geschmackssache, der Geschmack ist nun mal immer verschieden“, weiß Messer.

Daher sei es natürlich auch kein Problem, wenn jemand mit ihrer Kunst nichts anfangen kann. Für die Ausstellung im Twistringer Rathaus hat Messer 20 ihrer Werke ausgewählt. Von Ölmalerei – mal sehr abstrakt, mal mehr Realismus – bis hin zu Fotografien. Eine gute Mischung also. Sie versuche, für alles offen zu sein. Manchmal fängt sie ein neues Werk einfach nur deshalb an, weil sie Farbkombinationen austesten will. Einfach probieren, sagt sie. Dann kann man schließlich auch sehen, ob Farben zueinander passen oder eben nicht. „Das ist wie in der Musik bei Klassik oder Rock“, findet Messer, die sich darüber freut, wenn ihre Kunst den Leuten gefällt.

Ärgerlich: Rosi Messer hatte gerade ihre Werke in Twistringen aufgehängt, als einen Tag später schon das Rathaus schließen musste. „Wir hatten gedacht, es wird schon gut gehen mit Corona“, erinnert sich die Bassumerin an den März. Für dreieinhalb Monate war das Rathaus in Twistringen allerdings geschlossen, die Bilder hingen zwar, aber niemand konnte sie sich anschauen. Das ist seit Juli nun wieder möglich, so können Besucher wieder die Bilder der Bassumerin bewundern. Noch bis Freitag hängen diese da. „Ich bin dankbar und froh, dass ich weiter ausstellen konnte“, sagt Messer. Denn eigentlich wäre ihre Ausstellung längst vorüber.

Es ist Messers dritte Einzelausstellung. Nachdem sie in Dauelsen vor zwei Jahren ihren „Auftakt“ hatte, folgte im vergangenen Jahr in der Bassumer Sparkasse die „Werk-Schau“. Dabei findet sie, dass ihre Kunst nicht perfekt ist. Geschmackssache eben. „Ich hatte in der Sparkasse ein Bild mit zwei Pinguinen und wurde gefragt, ob ich noch einen kleinen malen könnte“, erinnert sich die Künstlerin. Also legte sie noch mal den Pinsel an das Bild und erfüllte den Kundenwunsch. „Jeder hat gute Ideen“, ist sie überzeugt. Ihr gefiel das Bild mit drei Pinguinen übrigens auch.

Die Ölmalerei begleitet sie inzwischen 14 Jahre. Ihr Mann hatte ihr mal eine Staffelei mit Ölfarben geschenkt. „Ich musste mal anfangen, sonst wäre das nie etwas geworden“, erzählt Messer und lacht. Und das klappte wohl besser als gedacht, also ist sie dabei geblieben. Dass es erst vor zwei Jahren mit ihrer ersten Ausstellung etwas geworden ist, lag daran, dass Messer sich fragte, ob ihre Kunst gut genug ist. Ist sie. Ihre Fertigkeiten hat sie sich übrigens fast komplett selbst beigebracht. Sicher: Seminare oder Bücher zieht sie auch mal zur Rate, ebenso wie Youtube-Tutorials – also Anleitungen. „Da hole ich mir auch Inspiration“, berichtet sie.

Dass ihre Ausstellung nun eine andere Wendung genommen hat, ist zwar schade, aber nicht dramatisch. Dass die Besucher seit Juli wieder ihre Kunst anschauen konnten, freut natürlich Rosi Messer. „Die Leute brauchen etwas, worauf sie sich freuen“, findet sie. Das kann ein Buch sein oder ein Film – oder eben Kunst. Dabei muss es nicht einmal ihre eigene sein. „Es gibt so viele tolle Sachen von anderen Künstlern“, weiß das Mitglied vom Verein Kunst in der Provinz.

Die nächste Ausstellung hat sie übrigens auch schon auf dem Zettel. Nächstes Jahr soll es ins Kreismuseum gehen. Eigentlich hatte sie die für dieses Jahr geplant. „Ich habe statt 2020 in der Mail 2021 geschrieben“, gibt Messer zu und lacht. Das sei ihr aber zu spät aufgefallen, wäre aber kein Beinbruch gewesen. „Ich dachte mir, dass ich dieses Jahr nichts mache“, sagt sie. Dann wurde sie gefragt, ob sie in Twistringen ausstellen könnte.

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