Rückblick auf 2020 Samtgemeinde-Archiv: Trotz Corona genug zu tun

Am 8. März 2020 war Tag des offenen Archivs. Acht Tage später musste das Archiv der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen coronabedingt schließen. Der Rückblick auf ein außergewöhnliches Jahr.
22.03.2021, 18:00
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Samtgemeinde-Archiv: Trotz Corona genug zu tun
Von Micha Bustian

2020 wird als das Corona-Jahr in die Annalen eingehen. Auch für das Archiv der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen war es ein außergewöhnliches Jahr. „Das erste Quartal zeichnete sich zunächst durch eine sehr gute Inanspruchnahme durch Besucher und die damit verbundene Beratung und Betreuung aus“, blickt Archivarin Elisabeth Meyer zurück. Es habe vielfältige schriftliche und telefonische Anfragen gegeben, die bearbeitet wurden.

So das Projekt „Stolpersteine“. Initiator dafür war die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Schule ohne Rassismus“ des Gymnasiums Bruchhausen-Vilsen unter der Leitung des Lehrers Tim Schöning. Die Schüler besuchten das Archiv für Recherchen, werteten zahlreiche Quellen aus den Beständen aus, aus denen eine umfangreiche Dokumentation zur Geschichte jüdischer Familien in Bruchhausen-Vilsen entstand. Diese wurde inzwischen auf der Website www.stolpersteinebrv.org veröffentlicht. Der Höhepunkt war allerdings die Verlegung der ersten Stolpersteine am 25. Juni vor großer Öffentlichkeit (wir berichteten).

Ein spezieller Tag war für Elisabeth Meyer der 8. März, der bundesweite Tag der Archive. Der findet alle zwei Jahre statt, Initiator ist der Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare. Daran beteiligen sich Archive in ganz Deutschland, um die Bedeutung archivischer Arbeit deutlich zu machen. Das Archiv der Samtgemeinde gab mit einem Tag der offenen Tür Einblicke in die Arbeit und die Nutzungsmöglichkeiten. Die Besucher erhielten auch Informationen über die Arbeitsabläufe bei der Archivierung. „Besonders gut angenommen wurden die Führungen durch das Magazin, dem Raum, der ansonsten für Besucher nicht zugänglich ist“, erinnert sich die Archivleiterin. „Hier wurde für jedermann anschaulich, welche Vielfalt an Archivalien im Archiv der Samtgemeinde aufbewahrt werden und wie das Archivgut sachgerecht und dauerhaft archiviert wird.“ Auch spannend: eine Auswahl besonderer Archivalien wie ein erst kürzlich dem Archiv übergebenes „Copierbuch“ der ehemals in Vilsen ansässigen Firma Gebrüder Wohlers aus dem Jahr 1896.

Viele Besucher nutzten darüber hinaus die Möglichkeit, in den bereitgelegten Foto-Ordnern zu stöbern und sich über die Recherchemöglichkeiten des neuen Archivprogramms „Arcinsys“ zu informieren. Ein weiterer Publikumsmagnet war laut Elisabeth Meyer die Vorführung eines digitalisierten Schmalfilms aus den 1980er-Jahren, der einen Streifzug durch Bruchhausen-Vilsen mit seinen vielen Ausflugsmöglichkeiten und touristischen Glanzlichtern zeigte.

Auch bei den Feierlichkeiten des 375. Geburtstages des Brokser Marktes war das Samtgemeinde-Archiv involviert. Es stellte eine Auswahl von Archivalien zur Verfügung, die, laut Elisabeth Meyer, „in diesem Zusammenhang interessant sind“. Beispiele: Original-Schriftstücke aus alten Akten, historische Fotos und eine Schallplatte aus dem Jahr 1959 mit der Tonaufnahme eines Interviews mit dem damaligen Gemeindedirektor August Appelhoff aus Anlass des Brokser Marktes. Darüber hinaus präsentierte das Archiv am 8. März eine Ausstellung von originalen historischen Tageszeitungen mit Artikeln zum Thema Brokser Markt. Etwa 200 Personen nutzten den Tag der Archive.

„Kurze Zeit später machten sich dann die Auswirkungen der Corona-Pandemie in der Samtgemeinde bemerkbar“, ärgert sich Elisabeth Meyer. Mit der Schließung des Rathauses für Besucher am 16. März schloss auch das Archiv seine Türen für die Öffentlichkeit. Anfragen konnten bis Ende April nur telefonisch, schriftlich oder per E-Mail beantwortet werden.

Doch zu tun gab und gibt es dennoch genug. So unterstützte das Archiv-Team die Wanderausstellung „Gaststätten im Landkreis Diepholz“. Dafür wurde mit dem Kreisheimatbund und dem Kreismuseum zusammengearbeitet. Eigentlich sollten die Ergebnisse dieser Arbeit bereits im Juni und Juli 2020 im Rathaus gezeigt werden. Die Pandemie machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Nun soll die Ausstellung vom 19. September bis zum 22. Oktober dort zu sehen sein. Bis dahin wird das Archiv die Präsentation um weitere Informationen zu Gaststätten in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen ergänzen.

Ärgerlich: Aufgrund der Corona-Situation und den damit verbundenen Einschränkungen war eine Zusammenarbeit mit Schulen nur im ersten Quartal 2020 möglich. Eine Schülerin der örtlichen Oberschule arbeitete in den Räumen neben dem Rathaus, Lange Straße 11, am Projekt "Berufsorientierung am Donnerstag“ mit, ein Schüler des Gymnasiums recherchierte in den Archivbeständen zum Thema „Brokser Markt“. Zudem unterstützten Elisabeth Meyer und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter die Recherchen für verschiedene Projekte wie die Wöpser Chronik, die Ende 2020 erschien, und das neue Projekt „Landwirtschaft“ des Kreisheimatbundes und des Kreismuseums.

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Zur Sache

Das Personalpuzzle

Zum Jahresende 2020 haben vier ehrenamtliche Mitarbeiter die Arbeit des Archivs unterstützt. Hermann Hamann nicht mehr, der beendete seine freiwillige Mitarbeit am 31. März, stürzte sich aber gleich in ein neues Projekt: einen Arbeitskreis zur Historie des Vilser Ortskerns.

Es dauerte ein bisschen, bis Ersatz gefunden war. Am 1. Oktober kam Annette Uhlhorn neu ins Team der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Gemeinsam mit Kerstin Mann beteiligt sie sich an der Neuordnung des Fotobestandes und der Verzeichnung des Plakat- und des Zeitungsbestandes sowie des Bücherbestandes im Programm „Arcinsys“. Karin Sommer kümmert sich weiterhin um das Ordnen der Zeitungsausschnittsammlung. Und der ehemalige Archivar Karl Sandvoß unterstützt beim Ordnen und Verzeichnen von Archivgut. „Für diese ehrenamtliche Mitarbeit bin ich sehr dankbar“, schwärmt Archivleiterin Elisabeth Meyer von ihrem Team.

Auch die Auszubildenden der Samtgemeindeverwaltung packen im Archiv mit an. So halfen Lisa-Marie zum Mallen und Marie Hohmann beim Tag des offenen Archivs. Elisa Polthier und Michael Polzin lernten diesen Bereich Anfang August kennen.

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