Protestschreiben gegen Fahrplanwechsel Samtgemeinde kämpft für ihre Pendler

Hambergen. Die Samtgemeinde Hambergen hat sich mit einem Schreiben an die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) gewandt. Damit will sie gegen den Fahrplanwechsel ab Dezember vorgehen, der die Gemeinde abhängen würde.
21.05.2010, 06:00
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Samtgemeinde kämpft für ihre Pendler
Von Brigitte Lange

Hambergen. In der Samtgemeinde Hambergen ist der Unmut groß: Pendler, die zurzeit um 5.22 Uhr in Lübberstedt beziehungsweise um 5.28 Uhr in Oldenbüttel in die Waggons der Deutschen Bahn AG Richtung Bremen einsteigen, werden ab Dezember das Nachsehen haben. Zwischen Bremerhaven und Bremen soll es für den dann eingesetzten Regional-Express nur noch einen Halt geben: Osterholz-Scharmbeck. Die Samtgemeinde Hambergen würde abgehängt.

Das will sich die Samtgemeinde nicht gefallen lassen. Mit einem Schreiben hat sich Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen nun an die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) gewandt. Die Gesellschaft ist der Auftraggeber; sie gibt der Deutschen Bahn AG und der Nordwestbahn, die ab Dezember ebenfalls mit ihren Zügen auf der Strecke unterwegs sein wird, die Zahl der Verbindungen vor. Entsprechend fordert Bernd Lütjen im Namen der Samtgemeinde von der LNVG, 'die von Ihnen beabsichtigte Streichung der Zugverbindung zum nächsten Fahrplanwechsel nicht umzusetzen'.

Im Ausschuss für Umwelt, Bau und Planung der Samtgemeinde informierte er die Politiker über diesen Schritt und erhielt Zustimmung über alle Fraktionsgrenzen hinweg. 'Die Streichung dieser Frühverbindung wäre für unsere Gemeinde eine deutliche Schwächung', sagte Lütjen. Die gute Bahnanbindung an Bremen und Bremerhaven war bislang immer ein Pfund, mit dem Hambergen beim Werben um Neubürger wuchern konnte. Bestes Beispiel dafür ist das ehemalige Kasernengelände in Axstedt: Für sieben Frauen und Männer gab unter anderem die Nähe des Geländes zum Bahnhof Lübberstedt 2007 den Ausschlag, eines der Kasernengebäude zu kaufen. Die Zugverbindung wog schwer bei ihrer Entscheidung, da viele von ihnen mit der Bahn zur Arbeit nach Bremen pendeln müssen.

Hambergen ist eine Pendlergemeinde

Entsprechend schreibt Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen in seinem Brief an die LNVG, dass Hambergen eine Pendlergemeinde sei: 'Viele Berufstätige (auch Auszubildende) finden ihren Arbeitsplatz in Bremen.' Die Zahl derer, die für die Fahrt zum Job die Bahn nutzen, ist innerhalb der Samtgemeinde groß. 'Die hohen Ein- und Ausstiegszahlen an den Bahnhöfen Oldenbüttel und Lübberstedt, im Vergleich zur Einwohnerdichte im näheren Umkreis belegen deutlich, dass die Einwohnerinnen und Einwohner der Samtgemeinde Hambergen auf ein entsprechendes Angebot angewiesen sind.' Und längst nicht jeder könne es sich leisten, von der Bahn aufs Auto umzusteigen. Hambergen ist keine reiche Kommune. Der Anteil an Hartz IV-Empfängern sei hoch. Auch viele Berufstätige gehören, laut Samtgemeinde, eher zu der einkommensschwachen Bevölkerung. Die Finanzierung und Unterhaltung eines Autos sei für sie kaum darstellbar - die Zugverbindung somit ein Muss.

All diese Gründe haben die Samtgemeinde in den vergangenen Jahren dazu bewogen, in die Bahnhöfe in Oldenbüttel und Lübberstedt zu investieren. 'Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht', sagte Bernd Lütjen in der Ausschusssitzung. Sie hätten viel Geld in die Hand genommen, hätten die Parkplätze neu angelegt, Fahrradstände sowie -boxen installiert, Fläche gekauft. Weitere Projekte sind geplant. 'Klar haben wir dafür auch Zuschüsse bekommen', räumte Friedhelm Lütjen, Allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, gegenüber der Redaktion ein: 'Aber wir waren auch immer mit einem Eigenanteil dabei.'

Dass sie nun durch solche Maßnahmen, wie die geplante Streichung der Frühzugverbindung für Oldenbüttel und Lübberstedt in ihren Bemühungen, die Samtgemeinde attraktiv und lebenswert für die Bevölkerung zu machen, konterkariert würden, sei nicht hinnehmbar, so Bernd Lütjen. Diese Pläne seien für Hambergen 'ein Schlag ins Gesicht'. 'Es gibt sogar Ministerien für die Stärkung des ländlichen Raums - das ist ein Witz', ereiferte sich Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen angesichts der Situation bei der Sitzung. Denn bislang sei der ländliche Raum, insbesondere die Samtgemeinde, immer hinten runter gefallen. 'Es verliert immer nur dieFläche', meinte auch Friedhelm Lütjen.

'Kreisstadt wird aufgewertet'

Scheinbar auch dieses mal: Nach Auskunft der Samtgemeindeverwaltung war nämlich von der LNVG ursprünglich geplant gewesen, die Frühverbindung zwischen Bremerhaven und Bremen komplett zu streichen. Kein Halt nirgendwo. Diese Pläne konnte sie nicht aufrecht erhalten. Der Gegenwind von Politik, Verwaltung und Interessenverbänden war offensichtlich zu stark. Nun soll es doch eine Frühverbindung geben. Ankunftszeit: 5.54 Uhr in Bremen. Allerdings wird keine Regio-Bahn von Station zu Station zockeln. Ein Regional-Express wird die Strecke in kürzester Zeit zurücklegen. Folglich hält er nur ein einziges Mal: in Osterholz-Scharmbeck. 'Die Kreisstadt wird durch die schnelle Verbindung natürlich aufgewertet', bemerken die Hamberger und erinnern die LNVG daran, dass die von ihnen eingesetzten Mittel Steuergelder seien. Und die müssten 'dafür eingesetzt werden, annähernd gleiche Lebensbedingungen zu schaffen'. Sollte die LVNG den Argumenten nicht folgen, müssen sich die Pendler in

Lübberstedt und Oldenbüttel bald im noch früheren Aufstehen üben und auf die von der Nordwestbahn geplante Verbindung um 4.45 beziehungsweise 4.51 Uhr (Ankunft 5.15 Uhr in Bremen) umsteigen. Sonst bleibt ihnen nur das Auto.

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