Große Kunstschau Sandsteinskulpturen des Bildhauers Stefan Saxen

Worpswede. Auf den ersten Blick ist es ein merkwürdiger Kontrast: die Schönen der abendländischen Kulturgeschichte und die Box-Idole unserer Zeit. Doch der Begriff des Idols hilft dem Betrachter, die Werkgruppen von Stefan Saxen im Auge und im Kopf zusammenzubringen.
27.02.2010, 06:02
Lesedauer: 2 Min
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Von GUDRUN Scabell

Worpswede. Auf den ersten Blick ist es ein merkwürdiger Kontrast: die Schönen der abendländischen Kulturgeschichte und die Box-Idole unserer Zeit. Doch der Begriff des Idols hilft dem Betrachter, die Werkgruppen von Stefan Saxen im Auge und im Kopf zusammenzubringen, zumal beide aus Obernkirchener Sandstein gefertigt wurden. Dieser feinkörnige, kompakte Naturstein mit seinen samtenen Oberflächen schmeichelt den schönen Frauen und nimmt den harten Jungs das Martialische.

Die Skulpturen-Zitate des Bremer Bildhauers stellen bekannte Figuren aus der Mythologie, der Bibel und aus vergangenen Kulturepochen dar. So stehen dem Betrachter die schöne Galathée, die grausame Salome, die Madonna und der jugendliche Kopf der Simonetta Vespucci gegenüber. Sie alle kann man, mit Ausnahme von Salome, zu den Idolen rechnen, die durch die zeitgenössische Sleek - hier als Personifizierung des gleichnamigen Kunst - und Modemagazins - bereichert wird.

Wunschbilder und Projektionen

Es sind Wunschbilder und Projektionsflächen für immer währende Schönheit und ewige Jugend; in der Gestalt der Madonna beziehungsweise Maria ist es die Reinheit, die die christliche Ikonografie Jahrhunderte lang überliefert hat. Stefan Saxen jedoch bricht mit dieser Tradition, was schon im Titel 'Die Dame mit dem rosa Umhang' deutlich wird. Das Motiv der Schutzmantelmadonna benutzend, transponiert er die Heilige ins Profane, die, unter ihrem Mantel nackt, betende Gläubige birgt. Das ist die eine Provokation, die andere ist die Tatsache, dass nur ihr makelloser Körper die Anbetung auslöst.

Der gebürtige Schweizer Stefan Saxen wuchs in Trier auf und machte nach dem Abitur eine Steinmetzlehre, wo er das Handwerkliche und den Umgang mit dem Steinblock von der Pike auf erlernte. Danach erst ging er an die Hochschule für Künste in Bremen, um sich bei Waldemar Otto und Bernd Altenstein weiter ausbilden zu lassen. Seine Köpfe oder Halbfiguren arbeitet er Stück für Stück aus dem Block heraus und orientiert sich dabei formal an der abendländischen Kunstgeschichte. Selbst das Non-finito Michelangelos kann der Betrachter an einer Figur ent-decken. Oder der Bildhauer nutzt Vorlagen heutiger Medien, die er auf den Stein überträgt. Für die 'Sleek'-Skulptur beispielsweise war es ein Foto aus dem Magazin, das zeitgenössische, kreative Strömungen publiziert.

Die drei Reliefs zum Thema Box-Sport sind - im Gegensatz zum Block - aus Steinplatten gearbeitet. Seit seiner Kindheit fasziniert Stefan Saxen diese Sportart durch die Bewegungen, was wiederum durch seinen Vater, der Balletttänzer war, angeregt wurde. Nun bannt er diese Bewegungen im Steinbild, ergänzt durch narrative Elemente. Das Relief sei für ihn wie eine Sucht, beschreibt der Bildhauer den Arbeitsprozess; zu gerne spiele er mit den Ebenen, schaffe Spannungen und stelle Raumbezüge her. Und all das mit der Flex und dem Eisen, sich in die Tiefe der Steinplatte hinein arbeitend.

Die Präsentation der Köpfe auf Metallstelen betont deren fragmentarischen Charakter; sie erinnern an antike Grabungstücke, die einmal Teil eines Ganzen waren. Hier, wie bei anderen Skulpturen auch, kommt die Ausleuchtung als weich modellierendes Moment hinzu. Bei der 'Salome' scheint das Licht sogar eine inszenierende Funktion zu übernehmen. Diese erste Sonderausstellung im neuen, gläsernen Verbindungstrakt der Großen Kunstschau wird bis in den Juni hinein zusehen sein.

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