Arbeiten der Syker Vorgeest

In Teilen von Brinkum und Wulfhoop werden die Trinkwasserleitungen saniert

Die Syker Vorgeest investiert in die Sanierung ihres Trinkwassernetzes im Diepholzer Nordkreis. Aktuell sind die Leitungen an der Feldstraße in Brinkum und an der Wulfhooper Straße in Seckenhausen dran.
07.05.2021, 16:48
Lesedauer: 5 Min
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In Teilen von Brinkum und Wulfhoop werden die Trinkwasserleitungen saniert
Von Eike Wienbarg
In Teilen von Brinkum und Wulfhoop werden die Trinkwasserleitungen saniert

Matthias Taron (vorne) zeigt seinem Kollegen Steven Hecht, wo er graben soll.

Michael Galian

Stuhr/Landkreis Diepholz. Fast bis zu den Schultern verschwinden Matthias Taron und Marc Weiß im Bett der Feldstraße in Brinkum. Während die beiden Bauarbeiter der Firma Petershagen aus Delmenhorst und Leeste in der Baugrube stehen und schippen, sitzt ihr Kollege Steven Hecht in dem kleinen Mini-Bagger und unterstützt sie. Die Drei arbeiten im Auftrag der Wasserversorgung Syker Vorgeest an der Trinkwasserleitung unter der Feldstraße. Diese und auch die Hauptleitung an der Wulfhooper Straße in Seckenhausen werden aktuell saniert. Das geht auch immer wieder mit Straßensperrungen einher.

Seit dem Jahr 2017 habe sich die Syker Vorgeest ein Sanierungsprogramm auf die Fahnen geschrieben, berichtet Sascha Seekamp, Technischer Leiter des Wasserversorgers, über die aktuellen Bauvorhaben in der Gemeinde Stuhr. Er bezeichnet die Arbeiten als „Reha-Maßnahme“ für die Leitungen. „Wir wollen sukzessive das Netz erneuern und damit an die nächste Generation denken“, sagt Seekamp weiter. So saniere die Syker Vorgeest aktuell jährlich rund sieben Kilometer Leitungen. In den kommenden Jahren soll der Wert auf zwölf bis 15 Kilometer gesteigert werden, berichtet er aus den Planungen.

Die Erneuerung ist notwendig, da einige der Leitungen in die Jahre gekommen sind und somit das Risiko von Rohrbrüchen steigt, erklärt Seekamp. Ein gutes Beispiel sei dabei die Brinkumer Feldstraße. Die Leitungen dort sind aus den 1960er-Jahren und verursachten bereits Probleme, wie ein Rohrbruch im Bereich der Grundschule im Jahr 2018 zeigte (wir berichteten). „Das zeigt, dass es nötig ist“, sagt Seekamp mit Blick auf die aktuelle Sanierung.

Doch was genau passiert an der Feldstraße? Auf rund 1100 Metern werden die alten Faserzement-Leitungen durch Polyethylenrohre (PE-Leitungen) ausgetauscht. Bis zu den 1970er-Jahren sei der Faserzement der gängige Baustoff für die Leitungen gewesen, berichtet Seekamp. Danach wurden sie von PVC-Rohren abgelöst bis schließlich seit den 1990er-Jahren die PE-Leitungen ins Spiel kamen. „In der Regel sind die Leitungen auf 80 Jahre ausgelegt“, sagt Seekamp über die alten Rohre. Durch Witterungseinflüsse über die Jahre könne es aber zu Problemen kommen. „Der Boden ist wie ein Schwamm“, erklärt der Fachmann. Er saugt Feuchtigkeit auf, trocknet dann aber auch wieder aus. Damit seien die Trinkwasserleitungen immer wieder unterschiedlichen Druckverhältnissen ausgesetzt. „Die Leitungen werden dadurch spröde“, so Seekamp. Die neuen PE-Leitungen seien eben flexibler.

Baustelle Wulfhooper Staße

Die PE-Leitungen sind zwölf Meter lang und bleiben aus hygienischen Gründen bis zur Installation verschlossen.

Foto: TAMMO ERNST

Aufgrund ihres Alters standen die Leitungen in der Sanierungspriorität der Syker Vorgeest oben. Und so starteten die Arbeiten Ende März im Abschnitt zwischen der Straße Am Bahnhof und der Werrastraße vor der Brinkumer Grundschule. Im Bereich der Schule könne nur während der Ferien gearbeitet werden, berichtet Seekamp über den Arbeitsablauf. Deshalb fingen die Bauarbeiter dort an, absolvierten 50 Prozent des Bauabschnitts und wechselten nach den Osterferien an den Anfang der Feldstraße. Aktuell stehen die Arbeiten im Bauabschnitt zwei und drei zwischen der Wilhelm-Raabe-Straße und der Moselstraße an.

Insgesamt soll es zwischen sechs und neun solcher Bauabschnitte geben, berichtet Sascha Seekamp. Die Länge hänge jeweils von der Möglichkeit der Sperrung sowie von den Querstraßen ab. „Wir möchten es für die Anwohner möglichst so einrichten, dass sie ihre Grundstücke erreichen können“, sagt er. Allerdings sei dies nicht in allen Fällen möglich und einige Anwohner müssen für einen gewissen Zeitraum ihre Autos vor der Baustelle abstellen. Die Sperrungen werden dann mit der Gemeinde Stuhr koordiniert und abgestimmt, so Seekamp weiter.

Rund 1,2 Meter tief in der Feldstraße in Brinkum vergräbt Marc Weiß die neue Trinkwasserleitung.

Rund 1,2 Meter tief in der Feldstraße in Brinkum vergräbt Marc Weiß die neue Trinkwasserleitung.

Foto: Michael Galian

In den betroffenen Abschnitten wird ein Teil der Straße oder des Fußweges dann aufgerissen. Danach kommen die neuen Leitungen rund 1,2 Meter tief in die Erde. „Wir sind der tiefste Versorger“, sagt Seekamp mit Blick auf mögliche Konflikte mit anderen Leitungen für Strom oder Gas. Aufgrund des Schutzes vor Frost kommen die Wasserleitungen ganz nach unten. In den meisten Fällen bleiben die alten Leitungen im Boden, da der Aufwand, diese zu entfernen, zu groß wäre. Allerdings werden die alten Leitungen dokumentiert, damit alle Versorger wissen, wo diese liegen.

Die neuen Leitungen kommen in zwölf Meter langen Stücken in die Erde. Dort werden sie zusammengeschweißt. Damit alles hygienisch ist, bleiben sie bis zu diesem Zeitpunkt mit einem Presskolben verschlossen. Vor der Inbetriebnahme werden die Leitungen gespült und die Wasserqualität überprüft. „Trinkwasser ist das Lebensmittel Nummer eins“, weiß Seekamp über die besondere Verantwortung für die Reinheit des Wassers. Im Anschluss wird die Baugrube wieder verschlossen und die Oberfläche gepflastert oder asphaltiert. Insgesamt 300.000 Euro lässt sich die Syker Vorgeest laut Seekamp das Vorhaben kosten.

Neben der Hauptleitung müssen an der Feldstraße auch einige alte Hausanschlüsse ausgetauscht werden. Das betreffe in diesem Bereich rund 65 Haushalte, so Seekamp. Diese sollen dann nach und nach abgearbeitet werden. Wenn die neuen Leitungen angeschlossen sind, gebe es in der Regel „ein bis zwei Stunden“ kein Wasser. Im Falle eines neuen Hausanschlusses könne sich die Zeit auf „drei bis vier Stunden“ verlängern, sagt Seekamp. Das geschehe aber alles in Absprache mit den betroffenen Anwohnern. Im Zeitraum September/Oktober sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein, im Bereich der Schule soll Ende der Sommerferien weitergemacht werden, berichtet der Technische Leiter aus dem Zeitplan.

Baustelle Wulfhooper Staße

An der Wulfhooper Straße werden ebenfalls neue Leitungen verlegt.

Foto: TAMMO ERNST

Zu ähnlichen Arbeiten kommt es derzeit auch an der Wulfhooper Straße. Dort werden auf 1100 Metern PVC-Rohre ausgetauscht. „Einige Chargen halten nicht so lange“, sagt Seekamp über die dortige Lage. Außerdem habe die Trinkwasserleitung dort eine besondere Bedeutung. „Es ist die Hauptleitung für Stuhr. Sie ist ein Kernstück des Netzes“, erklärt er. Vor Ort soll in zwei bis drei Arbeitsbereichen saniert werden. Es werde auch nur teilweise gesperrt, da die ansässigen Industriebetriebe im Gebiet bis zur Straße An der Riede erreichbar sein müssen. „Auf der geraden Strecke geht es dann schnell“, sagt Seekamp über das Vorhaben, das ebenfalls rund 300.000 Euro kosten soll.

Im vergangenen Jahr wurden bereits zwei Kilometer der dortigen Leitung saniert, 2019 war das Stück zwischen Wulfhoop und Warwe an der Reihe, berichtet Seekamp. „Im August sollte das abgeschlossen sein“, sagt der Technische Leiter, der hofft, mit der ausgeweiteten Sanierung möglichen Rohrbrüchen vorzubeugen. „Wir wollen einfach, dass das Netz jung bleibt“, sagt Seekamp.

Info

Zur Sache

Gebiet der Syker Vorgeest

Die Wasserversorgung Syker Vorgeest ist der Versorger für Teile der Gemeinde Stuhr, die Gemeinde Weyhe, die Stadt Syke, die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen und Teile der Samtgemeinde Thedinghausen. Das Leitungsnetz erstreckt sich über eine Fläche von rund 500 Quadratkilometern. Nach eigenen Angaben liefert die Syker Vorgeest jährlich etwa fünf Millionen Kubikmeter Trinkwasser an mehr als 33.000 private und gewerbliche Kunden. Das Leitungsnetz ist rund 1200 Kilometer lang. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.syker-vorgeest.de.

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