"Schatzmutter schießt scharf" sorgt für Diskussionsstoff

Ganderkesee. Klare Ansagen und Gespräche können dazu beitragen, dass es in einer Beziehung nicht zu Gewaltsituationen kommt. Darin waren sich die Zuhörerinnen einig, die am Mittwochabend zu einer Lesung mit Inge Merkentrup in die Ganderkeseer Gemeindebücherei gekommen waren. Aus Anlass des 100. Internationalen Frauentags präsentierte die Autorin aus Oldenburg Auszüge aus ihrem Buch "Schatzmutter schießt scharf" und sorgte mit ihrer Geschichte über das fiktive Paar Ilona und Tobias für eine angeregte Diskussion in der kleinen Runde.
11.03.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Antje Rickmeier

Ganderkesee. Klare Ansagen und Gespräche können dazu beitragen, dass es in einer Beziehung nicht zu Gewaltsituationen kommt. Darin waren sich die Zuhörerinnen einig, die am Mittwochabend zu einer Lesung mit Inge Merkentrup in die Ganderkeseer Gemeindebücherei gekommen waren. Aus Anlass des 100. Internationalen Frauentags präsentierte die Autorin aus Oldenburg Auszüge aus ihrem Buch "Schatzmutter schießt scharf" und sorgte mit ihrer Geschichte über das fiktive Paar Ilona und Tobias für eine angeregte Diskussion in der kleinen Runde.

"Irgendwie habe ich Mitleid mit Ilona, aber auch Wut auf sie, weil sie sich alles gefallen lässt", sagte eine Zuhörerin nach der Lesung. Denn die junge Frau in Inge Merkentrups Geschichte nimmt das Verhalten ihres Mannes hin, ohne sich zu wehren.

Das dominante Verhalten von Tobias entwickelt sich schleichend: Als beide gerade erst verheiratet sind, akzeptiert Ilona, dass er eine Nachttischlampe mit "klassischer Form" auswählt, obwohl sie lieber ein anderes Modell gekauft hätte. Später schweigt sie, als er immer häufiger vergisst, seine Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. Und auch, als sie sich in der Beziehung unwohl zu fühlen beginnt, spricht sie die Probleme aus Angst vor der Reaktion ihres Mannes nicht an. Schließlich schweigt sie sogar, als er sie aus Ärger über ihr spätes Heimkommen hart am Oberarm fasst, sodass sie zu Boden fällt und sich am Kopf verletzt. Inge Merkentrup liefert in ihrem 2009 entstandenen Buch auch eine mögliche Erklärung für Ilonas Passivität: Sie las Szenen vor, in denen sie mit ihrer dominanten und perfektionistischen Mutter zusammen ist.

Im Publikum, zu dem auch zwei Männer gehörten, gab es Verständnis für die Situation der jungen Frau. "Wenn ich noch Schmetterlinge im Bauch habe, ist es gar nicht so wichtig, ob es die eine oder die andere Lampe ist", kommentierte eine Zuhörerin die Eingangsszene. "Ich erkenne die Dominanz des Partners noch nicht." Doch es herrschte Einigkeit darüber, dass es wichtig sei, in Beziehungen miteinander zu reden. "Man muss klare Ansagen machen", hieß es. Das könne zwar wehtun, führe aber dazu, dass man sich besser verstehe. Auch der Partner habe eine Chance verdient, lautete eine andere Meinung. Wenn man jahrelang schweige, könne der Partner schließlich nichts machen.

Konzertgitarristin Barbara Niemann, die die Lesung musikalisch begleitete, hob hervor, dass das Reden von Angesicht zu Angesicht in Zeiten moderner Kommunikationsmittel wie Handy und Computer besonders wichtig sei. "Wenn das gesprochene Wort fehlt, laufen Dinge auf." Da es Frauen leichter falle, über sich selbst zu reden, sehe sie es als deren Aufgabe an, Männer zum Reden zu bewegen, meinte Inge Merkentrup.

Für ihr Buch griff die Autorin auf Beobachtungen sowie Gespräche zurück, die sie in den vergangenen Jahren mit Frauen geführt hat. "Jeder kann sich reindenken. Es ist ausgesprochen aus dem Leben gegriffen", sagte Brigitte Witte, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Ganderkesee. Sie wies darauf hin, dass die Regio-VHS Frauengesprächskreise anbietet, in denen Probleme geklärt werden könnten.

In Ganderkesee ist Brigitte Witte selbst Ansprechpartnerin für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind oder andere Probleme haben, bei denen sie Unterstützung brauchen. Die Gleichstellungsbeauftragte ist unter der Telefonnummer 04222/44423 zu erreichen und vermittelt Kontakte für Hilfsangebote. Hilfe gibt es auch beim Frauen- und Mädchentelefon "Aufwind" des Landkreises Oldenburg mit der Nummer 04408/8180.

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