Das Interview

Planungen mit dem Erbhof „relativ weit“

Johannes Mnich ist trotz seines Wegzugs weiterhin künstlerischer Leiter der Schlosskonzerte Etelsen. Im Interview spricht er über die Kulturarbeit in Corona-Zeiten und die Zukunft der Konzertreihe.
11.11.2020, 15:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Planungen mit dem Erbhof „relativ weit“
Von Marius Merle
Planungen mit dem Erbhof „relativ weit“

Johannes Mnich ist seit 2012 künstlerischer Leiter der Schlosskonzerte, die voraussichtlich bald nicht mehr in Etelsen, sondern in Thedinghausen stattfinden werden.

Rolf R.v.Collenberg

Herr Mnich, die verschärften Corona-Verbote für den November gelten natürlich auch für die Tauberphilharmonie. Wie ist die Stimmung bei Ihnen und ihren Mitarbeitern?

Johannes Mnich: Wir sind natürlich sehr enttäuscht und traurig, dass die Entscheidung so gefallen ist und dass die Kultur über einen Kamm geschoren wurde – trotz funktionierender Hygienekonzepte und wissenschaftlich bewiesener Nichtteilnahme am Infektionsgeschehen. Aber wir haben, wie alle anderen auch, für den November natürlich alle Veranstaltungen abgesagt. Hinzu kommt die Ungewissheit, wie es danach weitergeht.

Was für Reaktionen gibt es von den potenziellen Besuchern?

Ich denke, Kultur spielt gerade in diesen Zeiten eine wichtige Rolle fürs gesellschaftliche Leben. Das Publikum war zuletzt sehr dankbar, als wir wieder ein Programm hatten. Alle trifft es durch den Lockdown nun also sehr hart. Im September und Oktober hatten wir schon wieder mehrere ausverkaufte Veranstaltungen.

Was bedeutet ausverkauft in Corona-Zeiten bei Ihnen in der Philharmonie?

Wir haben nur noch den großen Konzertsaal bespielt. Dort würden eigentlich 630 Leute reinpassen, mit den geltenden Abstandsregeln waren es 226. Also nur rund ein Drittel.

Eine vergleichbare Reduzierung der Platzanzahl war im Schloss Etelsen wahrscheinlich einfach nicht umzusetzen? Denn in diesem Jahr mussten alle dortigen Sommerkonzerte abgesagt werden.

Der Saal in Etelsen ist sehr klein, da passen vollbestuhlt nur 100 Leute rein. Ich weiß gar nicht, ob es der Landkreis mal ausgerechnet hat, wie viele es unter Einhaltung der Corona-Regeln gewesen wären, aber ich vermute mal keine 20. Deshalb haben wir die Reihe schon relativ früh für dieses Jahr komplett abgesagt.

Wie sehr haben Sie es bedauert, dass dieses Format nicht möglich war?

Es ist unendlich schade. Ich habe seit zwei, drei Jahren in Etelsen die Lage, dass die Konzerte eigentlich alle voll sind und ich merke, dass es ein großes Bedürfnis gibt, diese Konzerte zu genießen. Die Nachricht, dass es diese schöne kleine Konzertreihe gibt, verbreitet sich immer weiter. Besucher kommen inzwischen auch aus Oldenburg oder Bremen.

Was zeichnet denn das Schloss Etelsen als Konzertkulisse aus?

Da kommt vieles zusammen: zum einen die Lage und das Ambiente mit dem schönen Schloss, dem Park und dem Saal, der auch akustisch wirklich ganz toll ist, was mir auch die Künstler immer wieder bestätigen. Zudem gibt es einen sehr guten Flügel, sodass die Rahmenbedingungen für Konzerte sehr gut geeignet sind. Außerdem entstehen durch die fast intime Nähe zwischen Künstler und Publikum sehr besondere Momente.

Momente, die es in dieser Form vielleicht nie wieder geben wird. Denn das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft hat als Pächter zum Jahresende gekündigt. Wie das Schloss danach genutzt werden soll, ist bisher weiter unklar. Wie wirkt sich das auf die Schlosskonzerte-Reihe und dessen Planung aus?

Zunächst einmal ist der Rückzug des Pächters natürlich sehr schade, weil es ein Glücksfall war, dass er unter der Woche dort seine Seminare hatte und das Gebäude damit in Betrieb war und wir am Wochenende noch ganz gut in den Plan reingepasst haben. Einen neuen Pächter gibt es meines Wissens noch nicht. Und damit ist die Perspektive für Etelsen jetzt erst einmal sehr schlecht. Denn wenn es keinen laufenden Betrieb gibt, dann wäre der Aufwand zu groß. Nur für die Konzerte hin und wieder den Betrieb hochfahren, das ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Deshalb gibt es nun Überlegungen in die Nachbarkommune zu wechseln. Denn auch in Thedinghausen gibt es ja ein Schloss. Wie weit fortgeschritten sind denn die Planungen für einen Wechsel mit der Konzertreihe in den Erbhof?

Die sind tatsächlich relativ weit und das freut mich ungemein. Der Saal und das ganze Gelände sind wunderschön, ein ganz umtriebiger Förderverein sorgt bereits dafür, dass dort Veranstaltungen stattfinden. Ich hatte selber schon das Vergnügen, dort auftreten zu können. Der Saal ist von der Größe her mit dem in Etelsen vergleichbar. Die Idee, mit den Schlosskonzerten nach Thedinghausen umzuziehen, ist dort zum Glück auf viel Interesse gestoßen. Wir sind inzwischen soweit, dass wir Termine festgelegt haben für den Sommer 2021 – in der Hoffnung, dass die Situation dann Konzerte wieder zulässt.

Sind die Musiker auch schon gebucht?

Meine Hoffnung ist, und das sieht bisher auch gut aus, dass ich die Künstler, die ich für dieses Jahr gewinnen konnte, aufs nächste Jahr schiebe. Die Art der Konzerte, dass ich bewusst auf hervorragende Nachwuchsleute setze, das kam bisher sehr gut an. Und diesen Weg will ich auch weiterhin beschreiten.

Das Interview führte Marius Merle.

Info

Zur Person

Johannes Mnich (35)

lebt in Weikersheim (Baden-Württemberg) und arbeitet dort als Intendant bei der Tauberphilharmonie. Aufgewachsen ist Mnich in Achim, und mit seiner früheren Heimat ist er noch immer eng verbunden. Der studierte Pianist und Kulturmanager ist seit 2012 künstlerischer Leiter der Sommerkonzerte in Etelsen und widmet sich dieser Aufgabe auch nach seinem Umzug weiterhin.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+