Nahverkehr in Niedersachsen Schnell, bequem und umweltfreundlich

Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusman (CDU) will den Nahverkehr im Land voranbringen. Fünf Schnellbuslinien werden vom VBN aufgemöbelt.
16.01.2019, 22:21
Lesedauer: 3 Min
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Schnell, bequem und umweltfreundlich
Von Peter Mlodoch

Zügiger und bequemer per Bus durchs Bremer Umland: Mit Millionen- Hilfe aus Hannover möbelt der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) fünf Schnellbuslinien auf. Die Linien Bremen-Worpswede, Bassum-Sulingen, Sulingen-Diepholz, Sulingen-Nienburg sowie Oldenburg-Nordenham/Bremerhaven bekommen einen konsequenten Stundentakt, ein größeres Sitzplatzangebot, WLan-Internetanschluss und barrierefreie Zugänge. „Damit schließen wir Lücken im Netz des Schienen-Personennahverkehrs“, erklärte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) am Mittwoch in Hannover.

Die Aufwertung dieser „landesbedeutsamen Buslinien“ soll in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. Dies geht einher mit Betriebszeiten zwischen 6 und 23 Uhr an allen Wochentagen. Die Fahrzeuge werden in Echtzeitsysteme eingebunden, um Anschlüsse an den Bahnverkehr zu gewährleisten.

Das Land fördert die Verbindungen mit einem Zuschuss zu den Betriebskosten in Höhe von 98 Cent pro gefahrenen Kilometer. Die jährlichen Leistungen werden mit bis zu 530?000 Kilometern bei der Linie Sulingen-Diepholz abgegeben. Dort würde dies also knapp 520?000 Euro Landesmittel bedeuten. Insgesamt steckt Niedersachsen in diesem Jahr 96,6 Millionen Euro in den Nahverkehr – 21 Millionen Euro mehr als 2018.

Mangelnde Produktionskapazitäten für E-Busse

Das Geld fließt in den Neubau oder die Sanierung von 864 Bushaltestellen, so auch in Lilienthal, Ritterhude, Wehye, Delmenhorst, Verden, Kirchlinteln und Oyten. Zuschüsse gibt es auch für 237 neue ÖPNV-Fahrzeuge. So kann sich die Delbus in Delmenhorst acht neue Omnibusse im Wert von 1,8 Millionen Euro beschaffen. Das Land steuert hiervon 40 Prozent bei. Auch in Beverstedt, Zeven und Ottersberg bekommen die Flotten Zuwachs.

Angesichts von hohen Stickoxid-Werten und drohenden Diesel-Fahrverboten zeigen sich die betroffenen Städte Oldenburg mit 25 neuen Erdgas-Bussen und Hannover mit 29 neuen Elektro-Bussen besonders klimabewusst. Ab 2023 will der Verkehrsbetrieb Üstra in der gesamten City komplett mit Batterie-Fahrzeugen unterwegs sein. Insgesamt fällt die Quote der saubereren Alternativ-Antriebe jedoch mit 16 Prozent Elektro- und zehn Prozent Gas-Anteil mager aus. Drei Viertel der bezuschussten Neuanschaffungen sind also Diesel-Busse.

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Und Althusmann sieht derzeit nur wenig Möglichkeiten, mit Druck des Landes daran schnell etwas zu ändern. „Wir können den kommunalen Trägern nicht vorschreiben, welche Verkehrsmittel sie bestellen.“ Außerdem seien E-Busse angesichts mangelnder Produktionskapazitäten nur äußerst schwer und meist auch nur im Ausland zu beschaffen. Hinzu kämen fehlende Ladekapazitäten, meinte der Ressortchef. Gemeinsam mit der Landesnahverkehrsgesellschaft wolle man aber die Kommunen dazu bewegen, ihre Flotten nach und nach auf alternative Antriebe umzustellen.

Zum Förderprogramm gehören neben Park-and-Ride-Anlagen auch Schienenprojekte. So profitiert die Bahnstrecke der Eisenbahn- und Verkehrsbetriebe (EVB) in Bremervörde mit optimierten Gleisen im dortigen Bahnhof sowie mit der besseren Sicherung von zwei Bahnübergängen. Fast 3,5 Millionen Euro sind für diese Maßnahmen vorgesehen; das Land übernimmt davon den Löwenanteil. Hochbahnsteige und neue Gleise erhalten auch die Stadtbahnen in Hannover und Braunschweig. Die Zuschüsse betragen hier 30,5 Millionen und 5,2 Millionen Euro.

"Wir brauchen endlich einen Perspektivwechsel in der Verkehrspolitik"

Die jetzt bewilligten Fördermittel ermöglichen laut Minister Gesamt-Investitionen von rund 197 Millionen Euro. „Damit verbessern wir nachhaltig die Mobilität der Bürger im ganzen Land“, lobte Althusmann die vielen Vorhaben. „Damit werden zugleich auch Arbeitsplätze in Niedersachsen gesichert.“

Für die Grünen im Landtag reicht das bei weitem nicht aus. „Was bringt eine sanierte Bushaltestelle, wenn dort kein Bus mehr fährt?“, fragte Detlev Schulz-Hendel, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion. „Es bedarf erheblich mehr Kraftanstrengungen, um die Mobilität der Menschen sowohl in ländlichen Räumen als auch in den Städten im Sinne einer echten Mobilitätswende zu verbessern.“ Der Abgeordnete forderte von der SPD/CDU-Landesregierung mehr Tempo bei der Reaktivierung von Bahnstrecken und eine Vereinheitlichung der komplizierten Tarifsysteme, um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn zu bewegen. Niedersachsen gehöre bei der ÖPNV-Nutzung bundesweit zu den Schlusslichtern. „Wir brauchen endlich einen Perspektivwechsel in der Verkehrspolitik“, meinte Schulz-Hendel. „Wer diese aber nur durch die Windschutzscheibe seines Dienstwagens sieht, dem kann man vermutlich auch keine Weitsicht zutrauen.“

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