Theaterprojekt in Lüssum Schüler entdecken neue Seiten an sich

Die Hauptperson, das Jesuskind, kommt in der Weihnachtsgeschichte der Oberschule an der Lehmhorster Straße nicht vor. In dem Theaterstück des achten Jahrgangs wird anders an das Thema herangegangen.
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Von Jörn Hildebrandt

Lüssum-Bockhorn. Gott kommt darin vor, in weißem Gewand und mit Rauschebart. Doch das Jesuskind fehlt. Kann eine solche Weihnachtsgeschichte funktionieren? „Dafür wird in dem Theaterstück ein Blick auf die Stärken und Schwächen der Menschen geworfen. Es wird eben ein wenig anders erzählt“, sagt Schauspielerin Franziska Mencz. Sie leitet an der Oberschule Lehmhorster Straße mit Theaterpädagogin Eleonora Stark eine Woche lang das Theaterstück „Und siehe: Es geschah … nichts“ von Markus Mohr. Der gesamte achte Jahrgang ist daran beteiligt, die Schüler teilen sich in verschiedene Arbeitsgruppen auf.

„Die Theatergruppe aus zwölf bis 15 Leuten bildet das Kernstück“, sagt Franziska Mencz, „nicht alle wollen die Anstrengung auf sich nehmen, Texte zu lernen und jeden Tag intensiv zu proben“. Wer nicht auf die Bühne will, kann sich der Tanzchoreografie zuordnen, sich um das Bühnenbild oder die Licht- und Tontechnik kümmern oder auch Werbe- und Dokumentationsmaterial erarbeiten. Auf diese Weise sind alle Schüler schauspielernd, tanzend, gestaltend oder schreibend in das einwöchige Projekt eingebunden. Am Ende steht eine zweimalige Aufführung: Mittags für den siebten Jahrgang und abends für Eltern, Familie und Gäste.

„Das Theaterspielen ist für viele eine besondere Herausforderung“, sagt Franziska Mencz, „denn manche Schüler müssen eine Angstschwelle überwinden und sich vor anderen zeigen – das erfordert Mut“. Aber die Tatsache, dass alle zu den Proben pünktlich erschienen sind, zeige, dass ihnen die Sache am Herzen liege und Spaß mache. „Der Lerneffekt beim Theaterspielen ist ein ganz anderer als im normalen Unterricht“, sagt die Schauspielerin, „denn die Schüler müssen sich auf etwas Fremdes einlassen, auf Texte, die jemand anders geschrieben hat und nicht sie selbst“.

Manche entdeckten auch ganz neue Seiten an sich, indem sie erstmals aus sich herausgingen. „Ein Teilnehmer sagte, dass er nie gedacht habe, dass er so laut werden könne“, berichtet Franziska Mencz. Und auch Außenseiter in der Klasse seien durch Theaterprojekte oft auf neue Art in das Team eingebunden.

Eine weitere Arbeitsgruppe unter Anleitung von Eleonora Stark übt sich im Tanz und macht die Kulisse: Auf großen Papierbahnen werden der Weg nach Jerusalem und schließlich die Stadt selbst gemalt, die über einen großen Torbogen betreten wird. Wer sich um Licht und Ton kümmert, muss zum Beispiel passende Waldgeräusche aus einer Datenbank aussuchen. Und die Kostümgruppe fertigt die Umhänge und Masken, denn auch der Esel mit langen Ohren und der Ochse dürfen im Stall von Bethlehem nicht fehlen.

Beitrag zur Inklusion

Die Vielzahl der Arbeitsgruppen ist damit noch nicht aufgezählt: Schließlich müssen sich einige Schüler während der Projektwoche in einer Kochgruppe auch um die Versorgung mit Speisen und Getränken kümmern. Und zwei sind auserwählt, am Freitag, dem Tag der Aufführung, die Moderation zu übernehmen. Deshalb heißt die Theaterwoche auch „MuKuHoKo“, was für Musik, Kunst, Hören und Kochen steht.

„Die Theaterwoche wird aus Win-Mitteln finanziert und kommt so gut an, dass wir sie seit etwa zehn Jahren machen“, sagt Birgit Umland, die an der Oberschule als Sozialpädagogin arbeitet. „Sie ist auch deshalb so erfolgreich, weil Schüler mit Förderbedarf ganz andere Seiten von sich selber zeigen können und das Projekt damit einen wichtigen Beitrag zur Inklusion leistet.“

Nicht unerheblich für den Erfolg des Theaterprojekts sei auch das Engagement von Schauspielerin Franziska Mencz, die es schaffe, das Selbstvertrauen der Schüler zu stärken und viel aus den Kindern herauszuholen, sagt Birgit Umland. „Und weil alle Kinder an einem Strang ziehen, zeigen sich Ergebnisse auf einer ganz anderen Lernebene als sonst im Schulunterricht. Jeder Schüler hat am Gesamtprojekt seinen Anteil.“

Da die Theaterwoche in diesem Jahr nah an Weihnachten liegt, hat Franziska Mencz die Geschichte von Maria und Josef gewählt, die für die Geburt ihres Sohnes in Bethlehem eine Herberge suchen – nur kommt die Figur, die den Dreh- und Angelpunkt des gesamten Christentums bildet, darin gar nicht vor.

Am Freitag, 7. Dezember, findet ab 18 Uhr in der Aula der Schule Lehmhorster Straße eine Aufführung statt, zu der auch Gästen willkommen sind.

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Am Freitag, 7. Dezember, findet in der Aula der Schule Lehmhorster Straße eine Aufführung statt, zu der auch Gästen willkommen sind. Beginn ist um 18 uhr.

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