Ehemals kleinste Schule Deutschlands: 1935 gingen ein Junge und ein Mädchen in Everinghausen zum Unterricht

Schule mit einer Lehrerin und zwei Kindern

Die kleinste Schule Deutschlands – die stand 1935 in Everinghausen in Sottrum. Damals gingen gerade einmal zwei Schüler dort zum Unterricht. Geschichtsfreund Hans-Richard Buthmann vom Heimatverein Sottrum hat alle Informationen zu der Schule gesammelt und archiviert.
03.06.2014, 00:00
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Schule mit einer Lehrerin und zwei Kindern
Von Esther Nöggerath

Die kleinste Schule Deutschlands – die stand 1935 in Everinghausen in Sottrum. Damals gingen gerade einmal zwei Schüler dort zum Unterricht. Geschichtsfreund Hans-Richard Buthmann vom Heimatverein Sottrum hat alle Informationen zu der Schule gesammelt und archiviert.

Der Schulalltag heutzutage ist oftmals laut, chaotisch und vor allem voll von Kindern. Klassen von 20 bis 30 Schülern sind in den meisten Schulen heutzutage absoluter Standard. Das sah 1935 in Everinghausen noch ganz anders aus: Gerade einmal zwei Kinder besuchten damals die Lehranstalt des Ortes. In der kleinsten Schule Deutschlands drückten Erna Blohm und Hermann Helms von 1934 bis zur Schließung 1937 nur zu zweit die Schulbank.

Hans-Richard Buthmann vom Heimatverein Sottrum hat alle Informationen zu der Mini-Schule gesammelt. Die beiden Schüler, ebenso wie Lehrerin Erna Löhden, die von 1935 bis 1937 dort unterrichtet hatte, sind inzwischen verstorben. Vor dem Tod der beiden Schüler hatte Buthmann aber noch Gelegenheit, mit ihnen zu sprechen und sie zu dem Unterricht zu befragen. Ordnerweise Informationen, Fotos und Zeugenberichte hat der Hobbyhistoriker über die Schule zusammengestellt – sie liegen auch als Kopien und mit Quellenhinweis im Staatsarchiv Stade aus.

„Vor 1909 fand der Unterricht noch in einer Scheune bei Bauer Stührmann, jetzt Röpke, statt.“ Damals bestand Everinghausen aus genau sieben Häusern. Es gab nur eine Straße, die in den Ort rein und auch wieder raus führte. Unterrichtet wurde zunächst von einem Bauern, ehe ab 1861 nur noch ausgebildete Lehrer angestellt werden durften. „In der Scheune gab es ein kleines Schulzimmer mit zwei Fenstern“, weiß Buthmann zu berichten. Dort sei es im Winter oft so kalt gewesen, dass die Kinder mit Handschuhen im Unterricht gesessen hätten und wegen der Fäustlinge nicht richtig mitschreiben konnten. Oft wurde die Schule wegen der Kälte auch ganz geschlossen. Buthmann vermutet, dass das mit einer der Gründe für den Neubau des Schulhauses 1909 war. Auf dem Grundstück stand vorher ein Armenhaus, das abgerissen wurde. In dem neuen Haus gab es neben einem Klassenzimmer noch einen kleinen Flur, einen Torfraum zum Heizen und drei Toiletten. Anfangs gingen im Durchschnitt noch rund zehn Schüler in Everinghausen zum Unterricht, viele der Bauern hatten Pflegekinder oder Hütejungen aus Bremen bei sich aufgenommen, die ebenfalls dort lernten.

Ab 1929 waren dann nur noch zwei Jungen in der Schule, ehe die Zahl zwischenzeitlich wieder anstieg und ab 1934 nur noch ein Junge und ein Mädchen im Unterricht saßen. „Wir haben unwahrscheinlich viel gelernt“, erzählte Erna Blohm gegenüber Hans-Richard Buthmann. Sie hätten viele Wanderungen unternommen und die ganze Pflanzenwelt in der Umgebung kennengelernt.

Im Mai 1936 wurde die Schule gleich eine ganze Woche geschlossen – beide Kinder waren an Masern erkrankt. Bei einem Besuch des Schulrates im Juni 1936 saß Hermann Helms alleine mit Lehrerin Erna Löhden im Klassenzimmer, da Erna Blohm erneut krank zu Hause geblieben war.

Ab dem 1. April 1937 wurde der Schulbetrieb in Everinghausen dann endgültig eingestellt und trotz mehrfacher Versuche der Bauern, die Schule im Dorf zu halten, wurde diese aufgehoben. Erna Blohm und Hermann Helms mussten von da an die Schule in Stuckenborstel besuchen. Lehrerin Erna Löhden ging nach Scheeßel und unterrichtete fortan dort.

Das ehemalige Schulgebäude existiert auch heute noch in Everinghausen. Es ist mittlerweile in Privatbesitz und wird als Ferienhaus genutzt.

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