IGS Lilienthal feiert in der Außenstelle Grasberg ihre offizielle Eröffnung

Schulgründung mit „Pferdefuß“

Im Jahr 2007 sprachen der Landkreis und die Gemeinden erstmals über eine Integrierte Gesamtschule (IGS) an drei Standorten. Ein zähes Ringen um diese Schulform folgte und Worpswede blieb als Schulstandort auf der Strecke. In Grasberg feierten die Verantwortlichen nun offiziell die Eröffnung der IGS Lilienthal, Außenstelle Grasberg.
27.09.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Schulgründung mit „Pferdefuß“
Von Undine Zeidler
Schulgründung mit „Pferdefuß“

Dafür haben sie in der Pause geübt: Tänzerinnen aus der 5.1 begeistern mit Zumba.

Uz· Zeidler

Im Jahr 2007 sprachen der Landkreis und die Gemeinden erstmals über eine Integrierte Gesamtschule (IGS) an drei Standorten. Ein zähes Ringen um diese Schulform folgte und Worpswede blieb als Schulstandort auf der Strecke. In Grasberg feierten die Verantwortlichen nun offiziell die Eröffnung der IGS Lilienthal, Außenstelle Grasberg.

Grasberg. Seit knapp vier Wochen lernen sie miteinander. Jetzt rappen die Kinder auf der Bühne, tanzen Zumba, tragen ein Gedicht vor und singen in Zulu oder Englisch. Im Unterricht und in den Pausen haben sie dafür geübt, in ihrer neuen Schule, die ebenfalls erst seit knapp vier Wochen mit Leben gefüllt ist: die IGS Lilienthal, Außenstelle Grasberg. Zu deren offizieller Eröffnungsfeier mit Ansprachen und Grußworten zeigen die Mädchen und Jungen den Gästen aus Schulen, Politik und Behörden, warum und dass deren Ringen für diese Schule richtig war. So formulierte es gestern Landrat Jörg Mielke, und der Applaus aus dem Auditorium bestätigte ihn.

Zu diesem Nachmittag der Ansprachen hatte der Landkreis Osterholz als Schulträger eingeladen. Mielke nutzte seine Rede, um noch einmal die Chronologie der Integrierten Gesamtschule aufzuzeigen, von den ersten Gesprächen über eine neue Schulform im Dezember 2007 über die erste Befassung mit einer Integrierten Gesamtschule im Ostkreis im Kreistag im Mai 2008 und deren Start vor wenigen Wochen. "Es waren vier bewegte Jahre", sagte er. Der Wegfall der Orientierungsstufe und die damit verbundene sinkenden Schülerzahlen in den Haupt- und Realschulklassen nannte er als Ausgang aller Gedanken. "Wir mussten reagieren."

Anders als geplant

Von welchem Geist die folgende Zeit getragen war, formulierte die Schulleiterin der IGS, Carina Kögel-Renke mit dem Zitat des Architekten Frank Lloyd Wright: "Die Dinge erfüllen sich, an die man wirklich glaubt." Das brauchten die Verantwortlichen auf Kreis- und Gemeindeebene, denn was folgte, lief anders als geplant. Landrat Mielke skizzierte, wie 15 Vorlagen im Kreisausschuss später, nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Stade im Jahr 2010, nach diversen Veränderungen im niedersächsischen Schulgesetz, nach Elternbefragungen und nach einem Gegen- und Miteinander der Politiker aus der IGS mit drei Standorten die IGS Lilienthal mit Außenstelle Grasberg wurde.

Friedrich Schröder als dessen Stellvertreter entschuldigte den Worpsweder Bürgermeister Stefan Schwenke. "Es wird mir einfach zu schwer, wenn ich hier stehen soll", habe dieser gesagt und auch in Schröders Worten schwang Wehmut darüber mit, dass seine Gemeinde letztlich leer ausgeht bei der Neugestaltung der weiterführenden Schulen in den drei Gemeinden Lilienthal, Grasberg und Worpswede. Landrat Mielke hatte dies zuvor als den "Pferdefuß" der Schulgründung bezeichnet.

Zu viel Trauer ließ der pragmatische Worpsweder Schröder allerdings nicht zu. An die Schüler und Lehrer gewandt, betonte er: "Die IGS ist ein richtiger Weg." Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz bezeichnete sich anschließend gar als "überzeugten IGS-Menschen". Der Weg dahin sei steinig und schwer gewesen. Nicht jeden Umweg und jede Abzweigung hätte es gebraucht. Er bedauerte, dass die IGS ein Jahr zu spät gekommen sei. Das habe viele Eltern und Schüler desorientiert. Davon war in Grasberg nun nichts mehr zu spüren. Die Kinder präsentierten stolz ihr Programm.

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