Für den Klimaschutz

Schulleiterinnen begrüßen Protestaktion

Die Bewegung „Fridays For Future“ zieht Schülerinnen und Schüler auf die Straße um für den Klimaschutz zu kämpfen. Auch die Schüler der Integrierten Gesamtschule Lilienthal wollen sich dem Protest anschließen.
21.02.2019, 20:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Irene Niehaus

Noch hat die Bewegung „Fridays For Future“ (übersetzt „Freitage für die Zukunft“) die Region offenbar nur am Rande erreicht. Bei der Initiative handelt sich um eine internationale Aktion für den Klimaschutz. Schüler weltweit appellieren immer freitags an die Politik, die Klimakrise ernst zu nehmen. Den Anfang hat die Teenagerin Greta Thunberg gemacht. Die 16-Jährige streikt seit etwa einem halben Jahr jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm. Regelmäßig folgen der Schwedin Tausende Schüler – und schwänzen den Unterricht.

Dass sich Schüler für mehr Klimaschutz starkmachen, sieht Karina Kögel-Renken, Leiterin der Integrierten Gesamtschule Lilienthal (IGS), positiv. „Es ist eine sehr ehrenwerte Sache, wenn sie sich für die Umwelt und eine lebenswerte Zukunft einsetzen, das Engagement begrüße ich uneingeschränkt.“ Es sei wünschenswert, wenn Jugendliche am politischen Leben Anteil nähmen. Allerdings kenne sie niemanden an ihrer Schule, der an einer dieser Freitagsdemonstrationen teilgenommen habe.

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Tatsächlich sind IGS-Schüler bisher offenbar nur vereinzelt auf die Straße gegangen, bestätigt Schülersprecher Joschua Helvogt. Er selbst hat noch nicht bei den wöchentlichen Protesten mitgemacht. Das Thema beschäftigt ihn aber. Auch er will ein Zeichen setzen. Im Alltag legt er Wert auf Nachhaltigkeit und ernährt sich vegetarisch. Nun hat er vor, gemeinsam mit dem Kreisschülerrat, dem der 17-Jährige angehört, zur Teilnahme an dem Mega-Klimastreik am 15. März aufzurufen. „Solche Aktionen sind ein Weckruf“, ist sich Helvogt sicher.

Krankschreibung soll Protest ermöglichen

Ob Schüler der IGS-Oberstufe Mitte März tatsächlich mitmachen würden, sei jedoch ungewiss, weil sie in der Zeit ein Praktikum absolvieren. „Wir machen das dann wohl an einem anderen Freitag“, so Joschua Helvogt. Er spricht sich dafür aus, dass sich jene, die protestieren wollten, mit einer Krankschreibung durch die Eltern behelfen sollten. „Da können die Schulen nicht viel machen.“ Die schwedische Schülerin sei gerade deshalb so populär geworden, weil sie die Schule geschwänzt habe. „Hätte sie es nicht getan, hätte es auch nicht funktioniert. Nur so hat es zu dieser Diskussion geführt.“

Auf die Straße gehen und dem Unterricht fernbleiben, damit hat Schulleiterin Karina Kögel-Renken ihre Probleme. „Auch wenn ich die Sache gut finde, bin ich nicht ganz damit einverstanden, wenn die Schüler in der Schulzeit protestieren. Ich kann ihnen dafür nicht freigeben“, sagt sie. Statt in der Unterrichtszeit könnten die Schüler beispielsweise den Ferien-Freitag zum Demonstrieren nutzen, schlägt die Leiterin der IGS vor.

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Für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren gilt die Schulpflicht. Wer fernbleibt, braucht einen triftigen Grund und eine Entschuldigung der Eltern. Unentschuldigte Fehlstunden werden an der IGS Lilienthal dokumentiert. Aber wie restriktiv sie tatsächlich mit den "Fridays For Future“ umgehen würde, darüber schweigt sich Karina Kögel-Renken aus.

Schulleiterin mit geteilter Meinung

Auch in Sandra Pohls Brust wohnen zwei Seelen. Als Mensch sympathisiert die Leiterin der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Tarmstedt mit der Bewegung, als Schulleiterin ist sie in einer anderen Funktion. „Ich finde es grundsätzlich toll, dass sich Schüler mit Blick auf die Zukunft und die Entwicklung unseres Landes engagieren“, sagt sie. Auf der anderen Seite habe sie als Schulleiterin keine Handhabe, eine Unterrichtsbefreiung auszusprechen. „Das darf ich nicht. Es gibt klare Vorgaben.“ Auch an ihrer Schule spielt die Klimaschutz-Bewegung offenbar noch keine Rolle, zumindest hätten weder Schüler noch Kollegen das Thema an sie herangetragen, so Pohl.

IGS-Lehrerin Karina Kögel-Renken plant, die Protest-Bewegung in ihrem Unterricht zu behandeln. Die möchte sie zum Anlass nehmen, in der Religionsstunde über den Erhalt der Schöpfung, wie sie sagt, mit den Schülern zu sprechen.

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Während in Nordrhein-Westfalen die Landesregierung auf Unterricht pocht statt Proteste während der Schulzeit zuzulassen, überlässt die niedersächsische Landesregierung die Entscheidung, was mit fehlenden Schülern passiere, den Lehrern und Schulleitern vor Ort, hieß es nach Angaben der NDR aus dem Kultusministerium. Das betonte allerdings zugleich, es könne und wolle nicht zum Schulschwänzen aufrufen.

Der Bremer Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Grüne Jugend Niedersachsen solidarisieren sich mit der Klimaschutz-Bewegung der Schüler.

Info

Zur Sache

Fridays For Future

Die Idee der Bewegung Fridays For Future (Freitage für die Zukunft) geht zurück auf die schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Die damals 15-Jährige blieb nach der Hitzewelle des vergangenen Sommers im neuen Schuljahr stets freitags dem Unterricht fern und demonstrierte stattdessen vor dem Reichstag in Stockholm, um auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen.

Schnell schlossen sich ihr weitere Jugendliche an, und die Idee der Freitagsdemos schwappte von Schweden auf weitere europäische und außereuropäische Länder über. Allein in Deutschland nahmen am vergangenen Freitag über 26 000 Schüler an mehr als 35 Orten teil. Thunberg trat unterdessen bei der UN-Klimakonferenz in Katowice und beim Weltwirtschaftsforum in Davos in diesem Jahr auf.

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