Gemeinde steigt aus Förderung aus Schulsozialarbeit deutlich reduziert

Lilienthal. Seit zwölf Jahren hat die Ganztagsschule einen Sozialarbeiter. Das Land zahlt dafür im Zuge des Förderprogramms zur Stärkung der Hauptschule 26 000 Euro im Jahr.
19.09.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Michael Wilke

Seit zwölf Jahren hat die Ganztagsschule einen Sozialarbeiter. Das Land zahlt dafür im Zuge des Förderprogramms zur Stärkung der Hauptschule 26 000 Euro im Jahr. Die Gemeinde Lilienthal schießt knapp 23 000 Euro zu. Das reicht für eine Vollzeitstelle. Bald reicht das Geld nicht mehr. Die Gemeinde steigt aus. Die 23 000 Euro im Jahr sind eine freiwillige Leistung; die Gemeinde ist hoch verschuldet, und der Kreis fordert einen strikten Sparkurs.

„Das hat nichts mit Geringschätzung der Arbeit des Schulsozialarbeiters zu tun“, betonte Rüdiger Reinicke, Hauptabteilungsleiter im Rathaus, im Schulausschuss. „Auf Grund der Haushaltslage sind wir zur Reduzierung von freiwilligen Leistungen gezwungen. Der Landkreis erwartet da deutliche Signale.“ Fakt ist, dass die Gemeinde ihren Zuschuss zur Vollzeitstelle des Schulsozialarbeiters über Jahre hinweg nur durch Kassenkredite finanzieren konnte.

In einem halben Jahr endet der Arbeitsvertrag mit dem Schulsozialarbeiter, dem eine gute Arbeit bescheinigt wird. Danach soll eine Teilzeitstelle ausgeschrieben werden, befristet bis Ende 2014. So lange läuft die Landesförderung. Die 26000 Euro aus Hannover reichen für 21 bis 25 Wochenstunden; bisher sind es 39. Wenn die rot-grüne Landesregierung das Förderprogramm verlängert, will die Gemeinde den Vertrag mit dem Sozialarbeiter verlängern, wenn nicht, ist Ende 2014 Schluss.

Die Haupt- und Realschule ist ein Auslaufmodell; sie weicht der neuen Integrierten Gesamtschule (IGS). In vier Jahren verlassen die letzten Haupt- und Realschüler die Ganztagsschule. Ein Ende der Sozialarbeit im Winter 2014 wäre bitter für die Schule. Der Christdemokratin Tanja Ruczynski war nicht wohl bei der Sache. Sie hat selber einen Sohn in der Ganztagsschule und will verhindern, dass die Haupt- und Realschule als Auslaufmodell abgeschrieben wird. Der Trainingsraum sei schon geschlossen, weil viele Lehrer an andere Schulen abgeordnet worden seien, klagte Ruczynski. „Ich kenne unsere Haushaltslage, aber ich wünsche mir, dass das Angebot erhalten bleibt.“

In brenzlichen Situationen sei ein Schulsozialarbeiter Gold wert, betonte die Lehrervertreterin im Schulausschuss, Alexandra Maaß. „Eine ganz große Unterstützung“ sei das für die Schüler und für das Lehrerteam. „Da ist immer jemand ansprechbar, nicht nur in den Pausen. Er muss nicht aus dem Unterricht geholt werden.“ Alexandra Maaß arbeitet in der Grundschule Falkenberg. Früher habe sie an einem Schulzentrum mit Haupt- und Realschule unterrichtet, erklärte sie.

Der SPD-Ratsherr Werner Pfingsten hat früher 28 Jahre an einer großen Schule mit Sozialarbeiter gearbeitet. Schulsozialarbeiter seien Vertrauenspersonen für Schüler. Sie könnten Jugendliche auffangen, die mit dem System Schule nicht klar kämen. Am Ende der Debatte hoben die Mitglieder im Schulausschuss die Hände für die von der Verwaltung vorgeschlagene Lösung: Neuausschreibung einer Schulsozialarbeiterstelle in Teilzeit, befristet vom 15. März bis zum 31. Dezember 2014. Es gab keine Gegenstimme, doch die Seeberger CDU-Frau Tanja Ruczynski enthielt sich.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+