Auszeichnung mit Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" Schulzentrum setzt Zeichen gegen Neo-Nazis

Dörverden. Das Dörverdener Schulzentrum ist als 100. Schule in Niedersachsen mit dem Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet worden. Zur Titelverleihung ist auch Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann angereist.
26.02.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Fabian Lenk

Dörverden. Zehn Schüler standen vor den dicht besetzten Stuhlreihen in der Mensa des Schulzentrums und begrüßten das Publikum - in zehn verschiedenen Sprachen. Symbolträchtiger Auftakt zur Titelverleihung 'Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage', zu der auch Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann angereist war. Schließlich ist die Dörverdener Schule die 100. in Niedersachsen, die diesen Titel erhielt.

Schulleiter Heinz-Hermann Sündermann steuerte noch eine elfte Sprache bei, zumindest einen Dialekt, denn er begrüßte das Auditorium auf Platt. Hinter dem Rednerpult ragte ein großes quadratisches Gemälde auf - bestehend aus Hunderten von Handabdrücken, gezeichnet in den Farben der Nation, der der jeweilige Schüler angehört.

'Wir haben hier viele Nationen', betonte der Schulleiter. 'Das ist unser Schule, das sind wir! Wir lernen miteinander, aber wir lernen auch voneinander.' Der Mensch und die Menschenwürde ständen im Mittelpunkt von diversen Projekten und des Politikunterrichts. Das habe dazu beigetragen, dass die Schule stark sei gegen Rechtsextremismus.

Ab in die braune Tonne

'Dennoch müssen wir Acht geben auf solche Menschen, die versuchen, uns zu beeinflussen, die Menschenwürde nicht zu beachten.' Als Beispiel nannte der Schulleiter die Versuche aus dem Dunstkreis des rechtsextremen Heisenhofs, an der Schule CDs und Zeitschriften mit fremdenfeindlichem Inhalt zu verteilen. 'Die wanderten gleich in die braune Tonne!', rief Sündermann unter dem Beifall der Anwesenden. Gerade wegen der Nähe zum Heisenhof sei es wichtig, dass das Dörverdener Schulzentrum sich klar gegen rechte Umtriebe positioniere.

Dann ergriffen drei Schüler - Jaqueline, Gürsel und Maike - das Wort. Sie sprachen stellvertretend für die Gruppe, die das Projekt 'Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage' initiiert hat. Maike erinnerte an die Verunsicherung und Angst, als der Heisenhof 2003 von der inzwischen verstorbenen rechten Galionsfigur Jürgen Rieger gekauft wurde. 'Begegnet man jetzt ständig Rechtsextremen im Dorf?', fragte sich Maike damals. Die Schüler hätten aber schnell Flagge gezeigt gegen die rechten Umtriebe. Gürsel: 'Ich bin schon als Sechstklässler beim Sonntagsspaziergang zum Heisenhof dabei gewesen und ich bin heute noch stolz darauf.'

Im Wahlpflichtkursus des 9. Jahrgangs seien Möglichkeiten besprochen worden, wie Schüler dem Rechtsextremismus begegnen könnten, berichtete Jaqueline: 'Da haben wir gelernt, dass man sich sofort gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus einsetzen muss. Schweigt man, dann stärkt man die Täter. Es gibt keine unschuldigen Beobachter.'

Zur Auflockerung hätte es dann eigentlich ein Klavierstück geben sollen, doch der Pianist - ein Schüler - lag mit Fieber im Bett. Kurzerhand schmetterten der Schulleiter und die Ministerin gemeinsam und überwiegend textsicher das Niedersachsenlied.

Sie sei sehr gerne hier, erklärte Heister- Neumann, als der Beifall verklungen war. 'Dies ist nicht nur von außen eine sehr schöne Schule, sondern auch von innen.' Sagte es und deutete auf ein rotes Schild neben ihr an der Wand. Schüler hatten sich dort verewigt mit dem Satz: 'Uns kann man nicht beschreiben, uns muss man erlebt haben.' Sie habe die Schule erlebt und sei begeistert von dem demokratischen Engagement vor Ort, sagte die Ministerin, bevor sie den Schülern das Schild gab, das umgehend und unübersehbar montiert werden wird: 'Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage'.

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