Mittelalter-Turnier Schwertkämpfer kommen nach Ganspe

Das Heimteam Ramstäk-Frisia bereitet ein mittelalterliches Schwertkampfturnier mit internationaler Besetzung vor. Ausgetragen wird es am Sonntag, 5. April, 10 bis 18 Uhr, auf dem Sportgelände in Ganspe.
07.03.2020, 11:07
Lesedauer: 3 Min
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Von GEORG JAUKEN

Warfleth. Wer beim Schwertkampf bestehen will, muss hart trainieren. Zwei- bis dreimal in der Woche Krafttraining gehören ebenso dazu wie das eigentliche Schwertkampf-Training. Beim TuS Warfleth trainiert die Schwertkampf-Abteilung freitagabends in der Bewegungshalle. Dort bereitet sich das Heimteam „Ramstäk-Frisia“ auch zurzeit auf ein mittelalterliches Schwertkampfturnier mit internationaler Besetzung vor. Ausgetragen wird es am Sonntag, 5. April, 10 bis 18 Uhr, auf dem Sportgelände in Ganspe.

Fünf Mannschaften haben sich bereits angemeldet, berichtet Schwertkämpfer Michael Tegge. Erwartet werden die Teams „Memento Mori“ aus Dänemark, „Legenda polnocy“ aus Polen und die „Lions Of Steel“ aus den Niederlanden. Hinzu kommen die „Schwert und Rossfechter“ aus Köln. Nach der Devise „Jeder gegen Jeden“ kämpfen sie mit dem Gastgeberteam „Ramstäk-Frisia“ vom TUS Warfleth um den Sieg. Der Startplatz für ein sechstes Team ist noch frei.

Gekämpft wird nach den internationalen Regeln der HMB (Historical Medieval Battle), die besonders gefährliche Techniken wie Würgen verbieten und die Zulassung von Waffen und Rüstungen festlegen. Bei den Gruppenkämpfen (Buhurt) in einer eigens für das Turnier aufgebauten Arena tritt jedes Team mit fünf Kämpfern an. Ziel ist es, den jeweiligen Gegner mit dem Schwert, mit Stangen oder auch nur mit robustem Körpereinsatz auf den Boden zu befördern. „Wer zu Boden geht, gilt als tot“, erklärt Tegge. Die Regel habe schon bei Ritterwettkämpfen im Mittelalter gegolten. In Ganspe können die Zuschauer nun erleben, wie es bei der modernen Version des Schwertkampfs zur Sache geht.

So viel steht fest: Der Kampf im Kettenhemd und unter stählernem Helm mit eng begrenztem Visier ist ein Hochleistungssport. Zusammen mit Brustpanzer, Armschoner und Beinschutz bringt die Ausrüstung schon mal 25 bis 40 Kilo auf die Waage. Darin zu kämpfen, sei sehr anstrengend, lautet Tegges Erfahrung. Doch das Zusehen werde sich auf alle Fälle lohnen. „Das ist Action pur. Es sieht sehr spektakulär aus und es scheppert ganz ordentlich.“ Das Verletzungsrisiko für die Kämpfer sei dennoch gering. „Das sieht gefährlicher aus, als es ist. Sie tun sich nicht wirklich was.“

Michael Tegge muss es wissen. Schon als Kind hat er gerne Ritter gespielt, so gerne, dass er gar nicht damit aufhören konnte. Mit 13 Jahren besaß er bereits ein echtes Schwert, einen Helm und einen Schild. Er lernte Fechten, fuhr in Trainingslager. Später verbrachte er den Urlaub mit Burgbelagerungen. Mit 40 organisierte er ein mittelalterliches Lager an der Ochtum mit Freizeitrittern aus dem In- und Ausland. In einer großen Inszenierung zum 775. Jahrestag wurde an die Schlacht bei Altenesch erinnert, bei der die Truppen des Bremer Erzbischofs die widerborstigen Stedinger Bauern unterwarfen. Elf Jahre ist das her. Heute ist Tegge der Schwertkampf-Trainer beim TuS Warfleth und es geht nicht mehr um Schaukämpfe, sondern um den sportlichen Wettkampf mit speziell ausgebildeten Schiedsrichtern als Wettkampfleiter. Seit 2017 ist Ramstäk-Frisia eingetragener Club in der internationalen HMB Buhurt-Liga.

Doch auch das Vergnügen soll am 5. April nicht zu kurz kommen. Eingerahmt wird das Turnier deshalb von einem kleinen mittelalterlichen Markt. Dort hält eine Taverne mittelalterliche Getränke wie Wasser, Säfte, Honigwein und Bier für die Besucher bereit. Nebenan gibt es Bratwurst aus dem Bräter. Wer mag, kann Handwerkern beim Herstellen von Töpferwaren und Ketten nach mittelalterlichen Vorbildern zusehen oder sich ein Tattoo stechen lassen – passend zum Anlass auf mittelalterliche Art ganz ohne elektrische Geräte. Dazu gibt es Infos für alle Fans von „Herr der Ringe“, „Game of Thrones“ oder einfach nur Kampfsport, die selbst nach einer Trainingsmöglichkeit suchen. All zu viele gibt es in Norddeutschland nicht. So zählt das Team Ramstäk-Frisia neben den Kämpfern aus Berne und Lemwerder auch „Ritter“ aus Ovelgönne, Oldenburg, Elsfleth, Bremen und selbst Münster in seinen Reihen.

Zu der Schwertkampfabteilung des TuS Warfleth gehört auch eine Trainingsgruppe für Kinder und Jugendliche. Deren Schwerter und Schilde sind dick gepolstert und alle Kämpfer tragen gepolsterte Helme. Was der Warflether Nachwuchs an Disziplin und Körperbeherrschung, Kondition, Kraft und Reaktionsfähigkeit gelernt hat, kann er am Sonnabend, 4. April, ab 11 Uhr bei den „3. Offenen Deutschen Meisterschaften im HMB Soft Schwertkampf“ in der Gansper Sporthalle unter Beweis stellen.

Das Talent, sich in Turnieren durchzusetzen, hat das Team bereits bewiesen. Im Dezember traten zwei Jugendliche des TuS Warfleth bei den Weltmeisterschaften in Lettlands Hauptstadt Riga an. Merle Bruns (13) aus Lemwerder gehörte zum deutschen HMB-Soft-Team, das mit einer Goldmedaille nach Hause kam.

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