Krankenhäuser Bremervörde und Zeven

Schwierige Partnersuche für die Kliniken

Ein starker Partner für den Betrieb der Krankenhäuser Zeven und Bremervörde ist nicht in Sicht. Derzeit sichert der Landkreis Rotenburg mit Millionenbeträgen die Zahlungsfähigkeit.
18.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Ein starker Partner für den Betrieb der Krankenhäuser Zeven und Bremervörde ist nicht in Sicht. Derzeit sichert der Landkreis Rotenburg mit Millionenbeträgen die Zahlungsfähigkeit.

Der Landkreis Rotenburg findet keinen Partner für seine kränkelnden Krankenhäuser in Zeven und Bremervörde.

Die nehmen seit einiger Zeit deutlich weniger ein als ihr Betrieb kostet. Daher war im Frühjahr der Münchner Klinikkonzern Sana aus der Ostemed GmbH ausgestiegen, so dass seit dem 1. April der Landkreis wieder alleiniger Gesellschafter der Kliniken sowie der Alten- und Pflegeeinrichtungen in Bremervörde und Zeven ist.

Mit erheblichen finanziellen Folgen, denn nun ist der Landkreis alleine dafür verantwortlich, dass die Kliniken Löhne und Gehälter auszahlen und Material bezahlen können. Welchen Umfang diese Liquiditätssicherung haben wird, steht noch nicht fest. Kämmerer Axel Bolz hält auf Anfrage einen Betrag von zehn bis zwölf Millionen Euro für die Jahre 2014 und 2015 für realistisch. Noch würden die laufenden Zahlungen des Landkreises als Darlehen verbucht. Ob sie am Ende als Zuschuss voll zu Lasten des Steuerzahlers gehen, hänge davon ab, zu welchen Bedingungen ein neuer Partner in die Ostemed GmbH einsteigt.

Überhaupt einen Partner zu finden scheint derzeit äußerst schwierig. Das vom Kreistag beschlossene europaweite sogenannte „strukturierte Interessenbekundungs- und Bieterverfahren“ brachte bisher ein sehr ernüchterndes Ergebnis. Wie Landrat Hermann Luttmann in der jüngsten Kreistagssitzung mitteilte, seien 64 Klinik- und Alteneinrichtungsbetreiber im Umkreis bis zu 100 Kilometer angeschrieben und auf das Verfahren aufmerksam gemacht worden. Davon hätten 14 Interessenten ein Informationspaket abgerufen und letztlich acht eine Interessenbekundung abgegeben.

Auf die Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union und auf der EU-Internet-Plattform hätten sich lediglich drei Interessenten gemeldet, die alle aufgefordert wurden, konkrete Angebote mit einem Fach-, Personal- und gesellschaftsrechtlichen Konzept sowie den wirtschaftlichen Konditionen einzureichen.

Die Angebotsphase wurde Ende August abgeschlossen. Insgesamt wurden sechs Angebote eingereicht, die sich jeweils nur auf unterschiedliche Teilbereiche der Ostemed erstreckten, so Luttmann. Nach einer ersten Präsentation der Angebote habe sich noch erheblicher Klärungsbedarf ergeben, so dass jetzt weitere Sondierungsgespräche mit den Bietern geführt werden sollen.

Ganz schlecht sieht es offenbar für den Standort Zeven aus, der über 87 Betten verfügt. Das Bremervörder Krankenhaus hat etwa 100 Betten. „Gezeigt hat sich leider auch, dass aus Sicht der Interessenten ein wirtschaftlicher Betrieb des Martin-Luther-Krankenhauses in Zeven in der bisherigen Form langfristig für nicht möglich gehalten wird“, bedauert Luttmann. Er will die Problematik jetzt kurzfristig mit dem niedersächsischen Sozialministerium erörtern.

„Die zentrale Frage wird sein, wie sich das Land als Träger der Krankenhausplanung die zukünftige medizinische Versorgung im Landkreis Rotenburg, insbesondere in der Region Zeven, vorstellt“, so Luttmann. Würde die Zevener Klinik dichtgemacht, könnten 30 000 Menschen aus der Region nicht mehr binnen 30 Minuten ein Krankenhaus erreichen. Diese 30 Minuten hätten zwar keine gesetzliche Grundlage, seien aber eine in Niedersachsen übliche Größe. Alternativ zu einem Krankenhaus sei in Zeven auch ein MVZ denkbar, ein medizinisches Versorgungszentrum. Diese böten allerdings keine stationären Behandlungen. Anders als die Krankenkassen, die massiv auf den Abbau von Krankenhausbetten drängten, gebe es beim Landkreis Rotenburg den politischen Willen, die Kliniken zu erhalten. „Die Häuser werden für die Flächenabdeckung benötigt“, so Luttmann. Allerdings weiß auch der Landrat: „Wir haben schon jetzt Schwierigkeiten mit der Personalgewinnung, insbesondere, was Ärzte angeht.“ Das Problem hätten alle kleineren Kliniken.

Angesichts der aktuellen Finanzierungsprobleme sieht sich die Kreisverwaltung noch zu einer Klarstellung veranlasst: „Die Versorgung der Patienten an allen Standorten der Ostemed GmbH ist nach wie vor rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche mit den bekannten Leistungsangeboten vollumfänglich gewährleistet.“ Die Mitarbeiter seien über den aktuellen Stand informiert worden .

Wie berichtet, stehen im Haushalt 2014 zwei Millionen Euro für die Restrukturierung der beiden Krankenhäuser. Zudem drei Millionen Euro für den Ankauf des 49,9-prozentigen Sana-Anteils.

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