Fassmer-Werft rüstet Neubau "SK 32" für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit Motor aus Seenotkreuzer erhält sein Herz

Mitarbeiter der Fassmer-Werft haben dem Neubau "SK 32" gestern das "Herz" eingepflanzt. Eine gute halbe Stunde hat es gedauert, dann war die Operation abgeschlossen, und der acht Tonnen schwere Mittelmotor des dreiteiligen Antriebs unter den Augen zahlreicher Mitarbeiter durch die enge Luke im Deck an seinen zukünftigen Platz im Schiffsrumpf bugsiert.
04.11.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Mitarbeiter der Fassmer-Werft haben dem Neubau "SK 32" gestern das "Herz" eingepflanzt. Eine gute halbe Stunde hat es gedauert, dann war die Operation abgeschlossen, und der acht Tonnen schwere Mittelmotor des dreiteiligen Antriebs unter den Augen zahlreicher Mitarbeiter durch die enge Luke im Deck an seinen zukünftigen Platz im Schiffsrumpf bugsiert.

Von Barbara Wenke

Motzen. Die Arbeiten in Halle 1 der Fassmer-Werft gehen voran wie jeden Tag. Aus einer Ecke riecht es nach Schweißarbeiten. Funken malen kleine Sterne in die Luft. Von irgendwo ist ein Klopfen zu hören. Dennoch ist nicht alles wie sonst. Einige Mitarbeiter versammeln sich um den Rohbau "SK 32". Neben ihnen steht ein Schiffsmotor mit den Ausmaßen eines Kleinwagens. Gebanntes Warten. Gleich ist es soweit.

Während die Schiffsbauer und Motorenschlosser sowie Vertreter der Presse und des Fernsehens warten, unterhalten sich Fertigungsleiter Karl-Heinz Kienast und Teamleiter Frank Taborsky mit Holger Freese. Der Reedereiinspektor der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) lässt sich über die Fortschritte an der Inneneinrichtung des Neubaus informieren.

Millimeterarbeit

Dann ist es soweit. Kranführer Gerrit Hölscher nimmt die Schalthebel zur Hand. Die Hilfe seines Autokrans hatten die Verantwortlichen der Fassmer-Werft angefordert, da der unternehmenseigene Hallenkran nur 6,3 Tonnen in die Luft hieven kann. Der nun zu bewegende Motorblock bringt allerdings volle acht Tonnen auf die Waage. So ziehen Hallen- und Autokran gemeinsam an den Seilen, um das Monstrum siebeneinhalb Meter in die Höhe zu ziehen, anschließend waagerecht über die Reling und das Deck zu befördern und dann im Inneren des angehenden Seenotkreuzers verschwinden zu lassen. Der erste, nur halb so schwere Seitenmotor ist bereits an seinem Einsatzort stationiert.

Zentimeter für Zentimeter befördert Gerrit Hölscher seine wertvolle Last in die Höhe. Akustisch ständig verbunden mit Frank Taborsky. Über Walkie-Talkie teilt der Teamleiter dem Kranführer mit, wenn er die Richtung um eine Haaresbreite ändern muss. Dann steht das Herzstück der Operation bevor. Der Motorblock mit den Außmaßen eines Kleinwagens muss durch eine annähernd gleich große Luke in den Bauch des 36,5 Meter langen Seenotkreuzers manövriert werden.

Frank Taborsky und Kollege Frank Schmele legen zwischenzeitlich Hand und Fuß an. Vorsichtig ziehen sie an den Gurten, die die schwere Fracht halten, oder geben dem Monstrum einen leichten Tritt mit dem Fuß, um zu verhindern, dass es ans Deck stößt.

Die Arbeit mit zwei Kränen zahlt sich aus. Dank der doppelten Aufhängung kann die Fracht flexibler transportiert werden. Der Hallenkran gibt einige Zentimeter Seil nach, so dass die Last ein wenig in Richtung Fußboden kippt. Nur so passt der Motor durch das Loch im Deck.

Im Bauch des Rohbaus wartet schon Motorenschlosser Christian Hellrung, um die Hauptmaschine in Empfang zu nehmen. Vom oberen Deck des Neubaus schauen einige Werftarbeiter der Operation zu. Das Einsetzen des Motors sei ein großer Moment, konstatiert Fertigungsleiter Kienast. "Das ist das Herz der Schiffe." Und für die Werft ein Zahlungsziel. Wieder ist eine Etappe erreicht, zu der der Kunde einen Teil seiner Kosten begleichen wird.

Ersatz für "Wilhelm Kaisen"

Im Frühjahr oder Sommer 2012 will die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ihr neues Schiff taufen und es dann in Dienst stellen. Es soll auf der Station Sassnitz die 33 Jahre alte "Wilhelm Kaisen"ersetzen.

Mit bis zu 25 Knoten wird der 36,5 Meter lange Seenotkreuzer mit seiner elfköpfigen Stammbesatzung durch die Ostsee pflügen können, um Besatzungen, die auf ihren Routen zwischen Schweden, dem Baltikum und Norddeutschland in Not geratenen sind, zu helfen.

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