Marco Nolte hat sich aus seinem Mazda MX5 ein Elektroauto gebaut / 288 Batterien stecken im Inneren des Wagens Seine beste Freundin ist die Steckdose

Der hohe Preis und die niedrige Leistung eines batteriebetriebenen Wagens schreckt viele Menschen ab. Einer gab jedoch nichts darauf: Marco Nolte bastelte aus seinem Mazda MX5 ein Elektroauto und erfüllte sich damit einen lang ersehnten Wunsch. Der Süstedter kommt eigentlich aus der Landwirtschaft, war aber schon immer elektrobegeistert. Beim TÜV-Besuch in Hannover allerdings waren die Mitarbeiter laut Nolte etwas überfordert mit dem Elektroauto der Marke Eigenbau.
16.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kaya Leimann

Der hohe Preis und die niedrige Leistung eines batteriebetriebenen Wagens schreckt viele Menschen ab. Einer gab jedoch nichts darauf: Marco Nolte bastelte aus seinem Mazda MX5 ein Elektroauto und erfüllte sich damit einen lang ersehnten Wunsch. Der Süstedter kommt eigentlich aus der Landwirtschaft, war aber schon immer elektrobegeistert. Beim TÜV-Besuch in Hannover allerdings waren die Mitarbeiter laut Nolte etwas überfordert mit dem Elektroauto der Marke Eigenbau.

Süstedt. Von Außen ist an dem Auto von Marco Nolte nichts Außergewöhnliches zu erkennen. Klappt der Student jedoch die Motorhaube auf, wird es deutlich: Das Gefährt des 26-Jährigen ist ein Elektroauto, anstatt des Motors befindet sich eine große Batterie im Inneren. Die Steckdose ist seit Mai die beste Freundin von Nolte. 100 Kilometer kann er mit seinem Wagen zurücklegen, dann muss er mit einem Kabel "auftanken".

"Während meines Zivildienstes hatte ich 2009 die Chance, ein Elektroauto zu fahren", erinnerte sich Nolte, der auf einem Hof in Süstedt lebt. "Bei einem Aktionstag gab es das Angebot, sich für eine Spende von zehn Euro hinter das Steuer zu setzen." Seit dem war der Student angefixt. Ständig auf der Suche nach einem Elektroauto stellte er fest, dass es nur sehr wenige von diesen Modellen in Deutschland gibt. Vergangenes Jahr legte er sich dann einen Mazda MX5 zu und beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. "Für Elektronik habe ich mich eigentlich schon immer begeistert. Früher war ich Teil des Modellflugvereins Schwarme und hatte da auch schon ein Modell mit Elektromotor", sagte Nolte.

Anderthalb Stunden Ladezeit

Nach seinem Zivildienst startete er eine Ausbildung als Elektroinstallateur und macht seit knapp einem Jahr seinen Master in Elektrotechnik an der Bremer Hochschule. "Mein Vorwissen war beim Umbauen selbstverständlich sehr nützlich. Mit dem Mazda habe ich mir nicht nur den Wunsch vom Elektroauto, sondern auch vom Cabrio erfüllt", so der Student. Wenn Nolte heute mit offenem Dach fährt, merkt er immer wieder, wie leise sein Auto ist. Und es stimmt. Das Starten des Motors ist nicht zu hören, der Wagen scheint von einer unbekannten Kraft angeschoben zu werden. Drückt Nolte jedoch auf das Gaspedal, dann schießt das Auto nach vorne und beschleunigt auf 100 Stundenkilometer. "Nachdem mich meine Freunde belächelt haben, war das ein Ziel von mir: Ich wollte zeigen, dass Elektroautos keine lahmen Kisten sind", erklärte Nolte. 288 Batterien stecken unter der Motorhaube, rechts neben dem Fahrersitz und im hinteren Teil des Wagens. Für den Umbau nahm Nolte vom Motor bis zur Spritzleitung alles raus. "Jetzt könnte der so im Wohnzimmer geparkt werden", scherzte er. Bis auf das Getriebeöl und die Scheibenwischanlage mache der Wagen keinen Dreck. Ist der Mazda entladen, benötige er an der Steckdose auf dem Hof der Familie Nolte etwa anderthalb Stunden, um wieder startbereit zu sein.

Bevor der 26-Jährige sein Auto fahren konnte, musste er für eine erste Inspektion zum TÜV. "Dafür fuhr ich ganz nach Hannover zur Hauptniederlassung. Nur dort darf ein Elektroauto abgenommen werden", so Nolte. Und trotzdem schienen die Mitarbeiter vor Ort etwas unsicher. "Es war das erste Elektroauto, das zur Inspektion vorbei kam. Um Zeit zusparen, habe ich aber einen ganzen Ordner mit meinen Arbeitsschritten angelegt und es wie eine Projektarbeit behandelt. In dem Ordner sind alle vorgegebenen Richtlinien abgearbeitet und aufgezeichnet", sagte der Student Nolte. Letztendlich waren lediglich die Scheinwerfer am Wagen nicht richtig eingestellt.

Was die Steuern anbelangt, ist jedoch nicht alles rund gelaufen. Normalerweise sind Elektroautos ab der Erstzulassung für zehn Jahre steuerbefreit. "Der Mazda wurde aber schon 1991 zugelassen. Und obwohl er erst jetzt offiziell ein Elektroauto ist, wird auf das erste Zulassungsdatum geschaut", so der Student. Jetzt bezahlt Nolte 26 Euro im Jahr, "das ist nicht viel, aber es geht mir um das Prinzip", sagte er.

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