Erich Franke ist der Küster der St.-Pankratius-Gemeinde Seit 33 Jahren der Kirche verbunden

Stuhr. Erich Franke sorgt in der Stuhrer Pankratius-Kirche dafür, dass im Taufbecken immer warmes Wasser ist. Doch er hat noch viel mehr Aufgaben rund um die Kirche zu erledigen - noch, denn im Oktober geht Franke in den Ruhestand - nach 33 Jahren.
03.03.2010, 05:31
Lesedauer: 3 Min
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Seit 33 Jahren der Kirche verbunden
Von Markus Tönnishoff

Stuhr. Wenn man schon Babys Wasser über den Kopf schüttet, sollte es wenigstens kein kaltes sein. Deshalb sorgt Erich Franke in der Stuhrer Pankratius-Kirche dafür, dass im Taufbecken immer warmes Wasser ist. 'Damit sich die Babys bei der Taufe nicht erschrecken', sagt der Küster und lacht. Doch er hat noch viel mehr Aufgaben rund um die Kirche zu erledigen - noch, denn im Oktober geht Franke in den Ruhestand - nach 33 Jahren.

Wenn Franke die Zeit Revue passieren lässt, kommt er zu einem einfachen Ergebnis: 'Ich habe hier gerne gearbeitet.' Außer einmal, im Winter 1986, da schmeckte ihm die Arbeit nicht. 'Es war damals sehr kalt, und wir mussten ein Grab ausheben. Wegen des Frostes war der Boden so tief gefroren, dass wir einen Presslufthammer einsetzen mussten. Da hab ich geflucht', verrät er. Nicht geflucht, aber dafür große Augen gemacht hatte er dafür vor etwa vier Jahren bei einer Trauung.

Normalerweise dauert eine Trauung rund eine halbe Stunde, doch ein deutsch-afrikanisches Paar stellte den Rekord von dreieinhalb Stunden auf. 'Mittels eines Dolmetschers wurde alles zweisprachig gemacht. Außerdem hatten die beiden noch eine Band mitgebracht.' Bevor eine Trauung stattfindet, ist es Frankes Aufgabe, die Kirche entsprechend mit Blumen zu schmücken. 'Manche Paare besprechen ihre Wünsche mit mir, andere nehmen es, wie es kommt'. Mittlerweile hat Franke einen Blick dafür entwickelt, ob ein Paar auch wirklich zusammenpasst und die Ehe hält. Seine Beobachtung behält er natürlich für sich. 'Doch oft kommt es so, wie ich gedacht habe.'

Er gibt grünes Licht

Auch bei der Begrüßung des Paares und der Gäste im Vorraum der Kirche ist er anwesend, denn sobald sich der Zug in Richtung Kirche in Gang setzt, drückt er auf einen Knopf. 'Dann leuchtet oben an der Orgel ein grünes Licht, und der Organist kann loslegen.' Derweil ist der Küster dann damit beschäftigt, den Gästen Gesangsbücher in die Hand zu drücken, etwas, was er übrigens auch bei jedem normalen Gottesdienst macht, denn auch da muss Franke vor Ort sein. Bereits am Sonnabendabend bestückt er die Wandtafeln mit den Nummern der Lieder, die am nächsten Tag erklingen sollen. Und im Winter dreht er auch gleich noch die Heizung etwas höher, damit die rund 80 Gläubigen, die sonntags kommen, nicht frieren müssen. Auch das Anschalten des Mikrofons gehört zu seinen Aufgaben, ebenso wie das Schmücken des Altars mit den Tüchern in den sogenannten liturgischen Farben. Diese sind eine Art optische Uhr im Kirchenjahr. 'Jetzt haben wir zum Beispiel die Farbe Lila', erklärt der 62-Jährige.

Auch bei Beerdigungen muss Franke dabei sein. Ähnlich wie bei den Trauungen verteilt er die Gesangsbücher und sorgt dafür, dass die Glocken läuten 'Ich finde es besonders traurig, wenn Kinder beerdigt werden.' Manchmal muss Franke auch mit einem Kontrastprogramm fertig werden: morgens eine Beerdigung, nachmittags eine Trauung - oder umgekehrt. Freud und Leid an einem Tag. 'Früher bin ich damit teilweise nicht so gut klargekommen, aber heute geht das.'

Angefangen hatte alles 1977. Franke war frischgebackener Gärtner und als solcher auch gelegentlich auf dem kirchlichen Friedhof tätig. Der damalige Küster wollte sich in den Ruhestand verabschieden. 'Der Organist fragte mich, ob ich die Stelle nicht haben möchte.' Nach einigem Nachdenken sagte er zu. Zunächst waren die Kirche und der Friedhof seine Arbeitsplätze. 'Doch im Jahr 1983 wurde das Gemeindehaus gebaut. Durch die Gruppen, die sich dort treffen, kam mehr Leben in die Gemeinde.' In seinem Ruhestand will sich Franke mehr um sein Hobby kümmern: Er pflanzt Tomaten und Salat an, und auch ein paar Hühner haben auf seinem Grundstück in Stuhrbaum ein Zuhause gefunden. 'Nebenbei verkaufe ich das Gemüse und die Eier. Das macht Spaß.' Will er im Ruhestand noch jeden Sonntag in die Kirche gehen? 'Ja, obwohl ich ja nicht mehr muss.'

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