Lemwerder Seltene Pilze auf dem Ritzenbütteler Sand

Sie heißen Blauer Rinden-Helmling, Punktiertsporiger Moos-Becherling oder Schilf-Schwindling und stehen mit einigen anderen auf der Roten Liste bedrohter Pilz-Arten. Entdeckt hat sie der Berner Pilzexperte Bernt Grauwinkel – und zwar auf dem Ritzenbütteler Sand.
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Von Iris Messerschmidt

Sie heißen Blauer Rinden-Helmling, Punktiertsporiger Moos-Becherling oder Schilf-Schwindling und stehen mit einigen anderen auf der Roten Liste bedrohter Pilz-Arten. Entdeckt hat sie der Berner Pilzexperte Bernt Grauwinkel – und zwar auf dem Ritzenbütteler Sand.

Pilzforschung, das ist seit mehr als vier Jahrzehnten Bernt Grauwinkels große Leidenschaft. Als er vor 20 Jahren nach Hiddigwarden zog, da konzentrierte er sich vor allen Dingen auf die Pilzarten, die sich auf dem Warflether Sand angesiedelt haben. Dass es auch auf dem Ritzenbütteler Sand Interessantes zu entdecken gibt, „das war mir schon seit drei Jahrzehnten klar“.

Intensiv beschäftigt hat sich der Berner aber erst seit zwei Jahren damit. Jetzt legte er dem Nabu Stedingen eine besondere Liste vor: Rund 50 Pilzarten hat er nach seinen Studien auf dem Ritzenbütteler Sand entdeckt, darunter einige, die in der Roten Liste Deutschland aufgeführt würden. Eine Art, der Tremella exique, ein Pilz der Gattung „Zitterling“, gilt sogar bundesweit als ausgestorben beziehungsweise verschollen.

„Wir besuchen jedes Jahr die Ostfriesischen Inseln. Auf dem Ritzenbütteler Sand gibt es ähnliche Verhältnisse“, erklärt der Pilzexperte sein Interesse. „Diese Arten sind auf den Nordseeinseln und dann erst wieder in der ungarischen Steppe zu finden“, berichtet der Berner, der schon früh Mitglied der heimischen Gesellschaft für Pilz- und Pflanzenkunde wurde. Als die Gesellschaft in den 1970er-Jahren aufgelöst wurde, haben sich die Pilzfreunde dem Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen angeschlossen. „Seitdem unternehmen die anderen Pilzfreunde und ich regelmäßig Exkursionen“, berichtet Grauwinkel.

Den Ritzenbütteler Sand hat der Pilzexperte in den vergangenen zwei Jahren als besonderes Biotop erlebt. „Die wirklich interessanten Ecken sind die, die die meisten Menschen als Ödland bezeichnen würden“, macht Grauwinkel deutlich. Nicht nur dort, wo fruchtbares Ackerland oder Böden angesiedelt seien, sucht er seine Pilze. Es seien auch die sandigen Böden, auf denen er fündig werde. „Das geht mir auch auf den Ostfriesischen Inseln so. Die meisten Menschen vermuten, dass da gar nichts wachsen kann. Doch dem ist nicht so.“

Bernt Grauwinkel weiß, wovon er spricht. Entdeckte er doch beispielsweise den auf der Roten Liste geführten Marasmius Limosus (Schilf-Schwindling) auf Schilfblattresten oder den als ausgestorben beziehungsweise verschollen geführten Tremella exiqua an Besenginster auf vorjährig abgestorbenen Zweigen. Ein Pilz, der laut Grauwinkel und weiterer Experten vermutlich auf milde Witterung angewiesen und bisher im Nordwestdeutschen Tiefland nicht beobachtet worden sei, ist in Grauwinkels Liste ebenfalls aufgeführt. Den Pseudombrophila bulbifera – ein selten nachgewiesener rundsporiger Dungbecherling – entdeckte Bernt Grauwinkel Anfang September auf Kaninchen-Kot. „Ich hoffe, mit dieser Liste einen kleinen Beitrag zum Erkennen der Schutzwürdigkeit des Ritzenbütteler Sandes, insbesondere der Trockenrasenflächen zwischen Leuchtturm und Hundeplatz sowie aller Feuchtstandorte und Auwaldreste zu leisten“, erklärt Grauwinkel. Seine Pilzforschung setzt er fort: „Ich habe auf dem Ritzenbütteler Sand bestimmt noch nicht alles entdeckt.“

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