Lilienthal testet neue Technik

Sensor schaltet Radweg-Beleuchtung ein

Lilienthal. Seit Anfang August kommt in Lilienthal ein neues Beleuchtungsmodell zum Einsatz. Die neuen Lampen brennen nicht mehr die ganze Nacht, sondern schalten sich nur ein, wenn das Licht gebraucht wird. Strom sparen sei dabei nur ein Aspekt.
26.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Siegfried Deismann
Sensor schaltet Radweg-Beleuchtung ein

Mario Kück, Netzmeister Strom bei den Stadtwerken Osterholz, hat die neuen Sensoren für die LED-Lampen am Jan-Reiners-We

Hasselberg

Lilienthal. Göttingen hat sie, Eberswalde ebenso und seit Anfang August auch Lilienthal - drei Orte, in denen ein neues, innovatives Beleuchtungsmodell zum Einsatz kommt. Die neuen Lampen brennen nicht mehr die ganze Nacht, sondern schalten sich nur noch ein, wenn das Licht gebraucht wird. Strom sparen sei dabei nur ein Aspekt, unterstrich Bürgermeister Willy Hollatz am Donnerstagvormittag bei der öffentlichen Vorstellung dieses Projekts. Ein anderer wichtiger Punkt sei das Sicherheitsbedürfnis der Bürger, dem mit dieser sensorgesteuerten LED-Technik ebenfalls hervorragend Rechnung getragen werde.

"Wir wollen nach vorne gehen und mit innovativer Technik das Klima schützen", sagt Bürgermeister Hollatz. Einer Untersuchung zur "Energiewende 2030" sei zu entnehmen, dass Straßenbeleuchtung mit einem Anteil von 25 Prozent nach Kläranlagen (31 Prozent) knapp vor den Schulen (24 Prozent) zweitgrößter Stromverbraucher der Kommunen im Landkreis Osterholz sei. Die Richtung ist für Hollatz klar: "Energie, die wir nicht verbrauchen, brauchen wir nicht zu produzieren."

Bei den bisher eingesetzten Quecksilber-Dampfleuchten handelt es sich um ein Auslaufmodell. Für sie gibt es aufgrund von gesetzlichen Vorschriften ab 2015 keine Ersatz-Leuchtmittel mehr. So war es auch deshalb ein günstiger Zeitpunkt, als vor einiger Zeit zwei Mitarbeiter der Gemeinde, Michael Beitz und Stephan Ide, auf die neue Technik aufmerksam wurden und sich daraufhin an die Stadtwerke Osterholz als Partner der Gemeinde bei der Betriebsführung der Straßenbeleuchtung wandten.

Dort fand man offenbar im Netzmeister Strom, Mario Kück, einen ebenso ortskundigen wie interessierten Ansprechpartner, der sich der Sache annahm. "Nach intensiver Prüfung war ich von diesem Projekt überzeugt. Zusätzlich bin ich begeistert, weil es diese Technik noch nicht so oft gibt." Die Aufstellung der Masten und die technischen Anschlüsse besorgten die Osterholzer Stadtwerke, die Programmierung der Kameras übernahm die Firma Philips, die die Sensoren entwickelt hat. Kück: "Wir werden jetzt speziell für diesen kleinen Abschnitt den genauen Stromverbrauch prüfen, und nach einem Jahr werden wir sehen, ob wir dies auch den Kommunen Grasberg und Osterholz-Scharmbeck empfehlen können, in denen wir ebenfalls im Auftrag der Kommunen die Straßenbeleuchtung betreiben." In Lilienthal betreuen die Stadtwerke Osterholz zurzeit 2525 Straßenleuchten, davon bisher 41 mit LED-Technik. Getestet worden war das Lichtmodell zuvor in Göttingen und in Eberswalde, Lilienthal gehört damit deutschlandweit

zu den Pionieren beim Einsatz dieser Technik, wie Bürgermeister Hollatz unterstrich, der zugleich andere Gemeinden einlud, sich über die Einsatz- und Einsparmöglichkeiten an der Wümme zu informieren.

Hollatz erläuterte das hohe Einsparpotenzial der seit Anfang August bei insgesamt 15 Straßenlaternen am Jan-Reiners-Weg zwischen Truperdeich und Ortsmitte eingesetzten Sensor-LED-Lampen. Verbrauchte jede der dort bisher installierten Quecksilber-Dampfleuchten 80 Watt in der Stunde, so ziehen die LED-Leuchten im Normalbetrieb gerade mal 27 Watt. Der Einspareffekt wird aber vor allem durch die neue Sensortechnik erzielt, bei der mit einer Art Kamera - die allerdings keine Bilder aufnimmt - Bewegungen erfasst und als Impuls an die Lampe weiter gegeben werden. Jeweils drei Leuchten kommunizieren untereinander, schalten sich also bei Bewegung entsprechend an, wodurch für Fußgänger und Radfahrer eine fortlaufende Strecke gleichmäßig aufgehellt wird. Bleibt die Bewegung aus, schalten sich die Lampen nach einer Minute wieder aus. Lediglich in Kreuzungsbereichen werden die Lampen in der Warteposition aus Sicherheitsgründen nur auf 40 Prozent heruntergeregelt. Katzen, Igel oder sich bewegende Äste würden vom Sensor übrigens nicht registriert. Steht die Lampe in Warteposition, verbraucht sie mit 2,7 Prozent nur noch ein Zehntel des Normalbetriebs, also nur noch ein Dreißigstel im Vergleich zu den bisherigen Dampflampen.

Dieser Streckenabschnitt am Jan-Reiners-Weg sei für das Projekt wie geschaffen, freute sich Bauamtsleiter Manfred Lütjen. Da gerade der Radweg erneuert worden sei, sei die Verbindung ideal gewesen. Nach dem neuen Beleuchtungskonzept der Gemeinde sollen in den nächsten drei bis vier Jahren weitere alte Leuchtkörper gegen die neuen LED-Lampen ausgetauscht werden, zunächst allerdings nur dort, wo entsprechende Baumaßnahmen der Gemeinde stattfinden. Insgesamt handele es sich um ein Investitionsvolumen von rund 250.000 Euro. Die Kosten für die Leuchtkörper könnten nach ersten Schätzungen in etwa vier Jahren refinanziert werden. Allerdings will die Gemeinde diese Maßnahme zeitlich strecken, auch um jeweils die neueste Technik einsetzen zu können, betonte Lütjen.

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