Serie Wanderlust

Vom Seepark in Bremerhaven bis zur Burg Bad Bederkesa

Im siebten Teil unserer Serie „Wanderlust“ geht es von Bremerhaven nach Bad Bederkesa. Abgesehen von einer denkwürdigen Busfahrt zum Schluss verlief die Tour wunderbar entspannend.
28.08.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Vom Seepark in Bremerhaven bis zur Burg Bad Bederkesa
Von Marc Hagedorn

Ganz zum Schluss wird es anstrengend und aufregend. 20 Kilometer haben wir in den Beinen, waren gut vier Stunden von Bremerhaven bis Bad Bederkesa unterwegs. Auf den letzten Kilometern hat es angefangen zu nieseln, und langsam, aber sicher kriecht die Feuchtigkeit in die Knochen. Jetzt wollen wir nur noch zurück zu unserem Auto. Das steht am Ausgangspunkt in Bremerhaven, auf dem Parkplatz des Ameos-Klinikums Seepark Geestland.

Ein Bus soll uns dorthin bringen, er fährt an diesem Tag alle zwei Stunden. Der Bus, in dem wir sitzen und der eigentlich abfahrbereit ist, fährt aber nicht los. Der Busfahrer und ein Fahrgast streiten sich. Der Junge will auf seinem Schülerticket reisen. Der Busfahrer hält es für ungültig und verlangt den vollen Fahrpreis. Ein Wort gibt das andere, und irgendwann will der Busfahrer die Polizei rufen. Wer recht hat? Der Fahrer oder der Schüler? Wir wissen es nicht, aber wir wollen nach Hause. Schließlich erbarmt sich ein Fahrgast. Er zahlt dem Jungen das Ticket, und endlich rollt der Bus. Wir sind zurück im Alltag.

In den Stunden zuvor waren Stress und Streit weit weg. Dass wir dieses Mal – anders als bei den meisten Touren sonst – zum Abschluss auf einen Bustransfer angewiesen sind, liegt daran, dass wir keinen Rundweg, sondern das Teilstück einer viel längeren Strecke gewandert sind. Der Abschnitt Bremerhaven-Bad Bederkesa ist Teil des Elbe-Weser-­Fernwanderweges. Er erstreckt sich über rund 110 Kilometer von Bremerhaven nach Wischhafen. Der Elbe-Weser-Weg wiederum ist Teil des Europäischen Fernwanderweges E 9, der von Portugal entlang der Küsten des At­lantiks, der Nordsee und der Ostsee bis nach Estland führt. Wer will, kann also ordentlich Kilometer machen, über 5000 insgesamt. Uns reichen aber 20 davon.

Es ist ein beschaulicher Abschnitt, den wir ausgewählt haben. Es sind nur wenige Menschen unterwegs, dafür gibt es viel Natur, viel plattes Land. Schön auch: Obwohl wir in einer Stadt starten, dauert es nur wenige Minuten, und wir sind im Grünen. Hier grasen Kühe auf saftigen Wiesen, Reiter mit Pferden kreuzen unseren Weg, und auf einem Hof trainiert ein Mädchen ein Pony.

Spektakuläre Sehenswürdigkeiten

Bis wir die A 27 gequert haben, sind wir viel auf Asphalt unterwegs, aber das ändert sich bald. Die nächsten zehn bis 15 Kilometer bis Bad Bederkesa eignen sich hervorragend zum Abschalten. Es gibt entlang der Strecke keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, nichts, das einen Abstecher oder Umweg notwendig machen würde. Aber das ist ja auch nicht schlimm, im Gegenteil. So bleibt die Essenz des Wanderns: nur der Weg, der Wanderer und seine Gedanken.

Es ist nicht immer ganz leicht, die Wegmarkierungen zu finden, es passiert schnell, dass man einen der gelben Wegpfeile übersieht oder ihn gar nicht erst findet. Deshalb empfiehlt sich ein Navi, ein Tracking-Gerät oder eine Wander-App fürs Handy. Auf diese Weise gelangt man allerdings verlässlich ans Ziel: Bad Bederkesa.

Wem die zurückgelegten 20 Kilometer noch nicht reichen, der kann in Bad Bederkesa ohne Probleme eine oder mehrere Schleifen dranhängen. Es gibt im Ort weitere Strecken, die sogenannten Beerster Wanderwege. Tafeln, unter anderem unweit der Moor-Therme aufgestellt, informieren über den Verlauf der diversen Rundwanderwege, die zwischen 1,7 und fünf Kilometer lang und farblich gekennzeichnet sind. Wer die nötige Kondition mitbringt, kann auch ganz klassisch einmal den Bederkesaer See umrunden. Für die sieben Kilometer sollte man aber gut eineinhalb Stunden einplanen, denn Aussichtstürme und Schutzhütten laden zum Verweilen ein.

Wir verzichten auf das mögliche Extra, uns reichen an diesem Tag die zurückgelegten 20 Kilometer – auch weil es jetzt immer stärker nieselt. Was wir noch machen, bevor es mit dem Bus zurück zum Startpunkt unserer Tour nach Bremerhaven geht: zum Aufwärmen einen Kaffee und eine heiße Schokolade trinken im Restaurant Café Dobbendeel. Das sollte man sich nicht entgehen lassen, erst recht nicht bei gutem Wetter.

Das Dobbendeel liegt direkt am See, auf den man von der Außenterrasse und dem Wintergarten aus einen tollen Blick hat. Strandbereich und Kinderspielplatz sind auf dieser maritimen Meile fast schon eine Selbstverständlichkeit. Und für einen Moment könnte man tatsächlich schwach werden: Nebenan auf dem Hadelner Kanal liegen mehrere Hausboote vor Anker. Man möchte glatt eines für eine Nacht mieten.

Ein Besuch im Burgmuseum

Der Star der Ausstellung ist angemessen in Szene gesetzt. Das Licht in der gläsernen Vitrine strahlt goldgelb, drei Treppenstufen sind angedeutet, und ganz oben auf dem Podest steht er: ein reich verzierter Prunksessel, gearbeitet aus einem einzigen Baumstamm, der „Thron“, wie sie ihn im Museum der Burg Bederkesa nennen. Archäologen haben ihn bei Ausgrabungen gefunden, jetzt ist er ein zentrales Stück in der opulenten Sammlung, die sich mit der Fallward, einem aufgeschütteten Siedlungshügel aus den ersten Jahrhunderten nach Christus, beschäftigt.

Der Thron ist eines von mehr als 10.000 Exponaten, der Themenkomplex „Gräberfelder an der Fallward“ ist eines von drei Forschungsprojekten. Die beiden anderen kümmern sich um Feddersen Wierde, einem Dorf aus dem ersten bis fünften Jahrhundert, sowie die Entwicklungsgeschichte der Siedlungskammer Flögeln. Die Forscher haben unterschiedlichste Stücke zusammengetragen: Möbel und Münzen, Keramiken und Bootsgräber, und, etwas schauerlich, den erstaunlich gut erhaltenen Sarg, in dem einst ein junges Mädchen begraben worden war.

Wer etwas über die Frühgeschichte im heutigen Landkreis Cuxhaven lernen möchte, ist in diesem Museum, 1982 in der damals restaurierten Burg eingerichtet, genau richtig. Es hat dienstags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 13 und 17 Uhr geöffnet. Sonnabends, sonntags und an Feiertagen ist ein Besuch zwischen 10 und 17 Uhr möglich.

Mit Bremer Hilfe und Pflege

An den Stellen, an denen ein Fernwanderweg Bremen nahe kommt, sind sie gefragt: die Wanderfreunde Bremen. Die Mitglieder des Vereins kümmern sich im Auftrag anderer Vereine oder Wanderverbände um die sogenannte Wegearbeit, also die Pflege und Ausschilderung der Strecken. Dies ist bei vier Fernwanderwegen der Fall: Für den Wanderverband Norddeutschland kümmern sich die Wanderfreunde um den Unterweserweg von Bremen nach Cuxhaven sowie um ein Teilstück des Elbe-Weser-Weges. Für den Wiehengebirgsverband schauen die Bremer auf einem Teilstück des Geestweges zwischen Bremen und Fahrenhorst nach dem Rechten, und beim Weserwanderweg schließlich sind sie auf Bitten von Porta Westfalica Mittelweser zuständig für ein rund 40 Kilometer langes Teilstück bis Verden.

Die Wanderfreunde Bremen haben zurzeit 313 Mitglieder. Hauptwandertage sind Mittwoch und Sonnabend. Unter der Woche sind die Strecken zwischen sieben und neun Kilometer lang, am Wochenende zwischen 17 und 22 Kilometer. Rund 25 ehrenamtliche Wanderleiter organisieren die Touren und begleiten sie. Dreimal im Jahr stellen die Wanderfreunde für vier Monate ein Programm zusammen. Das sind vornehmlich Tagestouren in Bremen und im Nordwesten.

Allerdings: Aufgrund von Corona dürfen aktuell nur Vereinsmitglieder an den Wanderungen teilnehmen. Gäste sind im Moment nicht zugelassen.

Wer, wie,wo, was, wann:

Parkplatz des Ameos-Klinikums Seepark Geestland; zurück mit dem Bus, Linie 525, von Bad Bederkesa ab Moor-Therme bis zur Haltestelle Debstedt, Seepark-Klinik; wochentags stündlich, sonnabends und sonntags zweistündlich

Streckenlänge: 20,2 Kilometer.

Dauer: 3.46 Stunde ohne Pause.

Wegbeschaffenheit: zunächst viel Asphalt, anschließend Wald-, Forst- und naturbelassene Wege.

Vorschläge für die kleine Pause:

Restaurant Waldwinkel, Debstedter Straße 46 in Schiffdorf; geöffnet dienstags bis freitags von 16.30 bis 22 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 22 Uhr.

Restaurant Cafè Dobbendeel, Dobbendeel 1, 27624 Geestland; geöffnet montags bis sonntags ab 11.30 Uhr mit Open-End.

Dazu gibt es im Ortszentrum Bad Bederkesa diverse Restaurants mit internationaler Küche.

Weiterführende Informationen im Netz:

www.wanderfreunde-bremen.de

www.wanderbares-deutschland.de

www.burg-bederkesa.de

www.handwerksmuseum-bederkesa.de

www.windmuehle-bederkesa.de

Aufgrund von Corona können sich bei den Öffnungszeiten kurzfristig Veränderungen ergeben.

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