Sicherheitstraining für die Feuerwehr

Slalomfahrten mit dem Zwölf-Tonner

Sie müssen schnell sein und sicher ankommen: die Feuerwehrleute mit ihren zum Teil schweren Geräten und Fahrzeugen. Deswegen nahmen die Hagener Whren jetzt an einem Fahrsicherheitstraining in Garlstedt teil.
06.05.2021, 05:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Palme
Slalomfahrten mit dem Zwölf-Tonner

Regennase Fahrbahn, geringe Haftung, schlechte Sicht: Mit solchen schwierigen Situationen wurden die Feuerwehrfahrer in Garlstedt konfrontiert.

Andreas Palme

Garlstedt/Hagen. Die Kraftfahrer der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Hagen haben an einem Fahrsicherheitstraining mit allen Fahrzeugen der Wehr in der Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt teilgenommen. Dort konnten die Teilnehmer der Ortswehren aus Hagen, Uthlede, Bramstedt und Wittstedt neue Erkenntnisse im Umgang mit dem 1,5 Tonnen schweren Einsatzleitwagen, dem vier Tonnen schweren Löschgruppenfahrzeug und mit dem sogenannten Hilfeleistungslöschfahrzeug sammeln, das satte zwölf Tonnen Gewicht auf die Waage bringt. Geübt wurde ferner unter verschiedenen Einsatzbedingungen unter der Regie des Verkehrssicherheitszentrums Ammerland aus Friedrichsfehn.

Vor Ort schulte Trainer Frank Oetzmann die Brandschützer in dem eintägigen Seminar. Die Teilnehmer profitierten von den jahrelangen Erfahrungen des Trainers und nahmen viele Erkenntnisse für ihren Einsatzalltag mit. Der Vormittag bestand aus einem theoretischen Teil. Es ging um das Fahrzeugverhalten, um die auf ein Fahrzeug wirkenden Kräfte, um die Ermittlung des Brems- und Anhalteweges und vor allem auch um den „toten Winkel“. „Dieser ist aufgrund der Bauform des Lastkraftwagens wesentlich größer als bei einem Pkw“, betonte Oetzmann. Schließlich verkleinern einige Spiegel am Lkw das Bild des toten Winkels und sorgen so für einen Rundumblick.

Praxis am Nachmittag

Der Nachmittag vermittelte dann auf einer besonderen Trainingsfläche ganz praktische Erfahrungen im Umgang mit Kraftfahrzeugen unter nicht alltäglichen Bedingungen. Die Fahrzeugbeherrschung bei Kurvenfahrten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten forderte die Fahrer. „Hier wollen wir die Einflüsse auf den Fahrer unter Einwirkung der Fliehkräfte aufzeigen“, erklärt der Ausbilder. Ein speziell für diese Trainings gestalteter Bereich der Kaserne bot Möglichkeiten zur Simulation unterschiedlichster Situationen. Während die Trainingsteilnehmer auf einer großen Betonfläche testen konnten, wie groß die Haftwirkung von Reifen ist, wurden sie auf einer Gleitfläche nebenan mit der Wirkung von Haftungsverlust konfrontiert. Außerdem wurde das Ausweichen vor einem plötzlich auftretenden Hindernis auf glatter Fahrbahn geübt. Und vor einer plötzlich auftauchenden Wasserwand konnten die Fahrer reaktionsschnelles, richtiges Umgehen mit Bremse und Lenkrad üben. Das führte ab und an zu Überraschungs- und Schreckmomenten: wenn das Fahrzeug durch die Wasserwand brach oder sich mehrfach um die eigene Achse drehte.

Ziel: Größere Sicherheit um Umgang

Gerade die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr mit Wassertank und großer Beladung neigen in Grenzsituationen zu bisher für die Fahrer unbekanntem Verhalten. „Das Training soll hier eine größere Sicherheit im Umgang mit Einsatzfahrzeugen vermitteln“, erklärte Frank Oetzmann. In Garlstedt konnten die Wehrleute mit dem eigenen Fuhrpark trainieren. Das Fahren, Bremsen und Ausweichen bei verschiedensten Straßenbedingungen wurde entsprechend mit jedem Fahrzeug mehrfach probiert: die Vollbremsung auf regennasser Fahrbahn mit den schweren Boliden genauso wie das Fahren auf einer angenommen schneebedeckten Straße. Die Straßenverhältnisse wurden dabei mit besonderen Asphaltbelegen und einer Beregnungsanlage nachgestellt. Eine weitere Übung des Trainings war ein Slalom-Parcour. Dabei mussten die Fahrer die gigantischen Fahrzeuge durch einen ziemlich engen Rundkurs lenken. Die Geschwindigkeit wurde von Runde zu Runde gesteigert.

Viele Erfahrungen mitgenommen

Am Ende einer jeder Übung wurden die Erfahrungen dann in der Runde besprochen. Die Eindrücke waren breit gefächert, jeder der Teilnehmer nahm Erkenntnisse mit zurück in die Ortswehr. „Es ist wichtig für die Sicherheit unserer Einsatzkräfte, dass die Maschinisten einmal die Gelegenheit bekommen, das Einsatzfahrzeug unter besonderen Bedingungen zu fahren. Dies bringt ein sichereres Gefühl bei der nächsten Einsatzfahrt“, so Gemeindebrandmeister Marcus Sudmann, der die Veranstaltung im Laufe des Tages besuchte, um sich selbst einen Eindruck vor Ort zu verschaffen.

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