Drei Schwaneweder stellen ihre außergewöhnlichen Weihnachtskrippen vor / Ausstellung bis Februar im Küsterhaus

Sie berichten bis ins neue Jahr vom Wunder im Stall

Sie stehen nicht nur über die Festtage in vielen Kirchen und Häusern: Weihnachtskrippen. Drei Schwaneweder stellen ihre Krippe vor, erzählen, warum sie ihnen ans Herz gewachsen ist und warum es Tradition ist, die Krippen bis zum 6. Januar an ihrem Stammplatz stehen zu lassen.
27.12.2012, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Gabriela Keller
Sie berichten bis ins neue Jahr vom Wunder im Stall

Die Schwanewederin Eva Maria L. (möchte ihren vollen Namen nicht öffentlich preisgeben), hält an der Tradition ihrer Kindheit fest: eine Krippe mit farbenfroh gekleideten Figuren füllt eine Nische der deckenhohen Bücherwand im großen Wohnzimmer ihres Bauernhauses.

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Sie stehen nicht nur über die Festtage in vielen Kirchen und Häusern: Weihnachtskrippen. Drei Schwaneweder stellen ihre Krippe vor, erzählen, warum sie ihnen ans Herz gewachsen ist und warum es Tradition ist, die Krippen bis zum 6. Januar an ihrem Stammplatz stehen zu lassen.

Schwanewede. Das Kind in der Krippe, mit Maria und Josef, angebetet von Hirten, Heiligen Drei Königen, Ochs’ und Esel–so steht es in der Weihnachtsgeschichte geschrieben. Seit Jahrhunderten machen sich die Menschen auch ein Bild dazu, mit der Weihnachtskrippe. Sie gehört zur Weihnachtszeit, zum Übergang ins neue Jahr und hat meist einen Stammplatz im Haus.

Mancher verbindet mit seiner Krippe auch ein ganz persönliches Erlebnis. So wie Karl Greving. Pünktlich am Heiligen Abend wandert im Hause des Pastors der St. Johannes-Gemeinde die Weihnachtskrippe vom Dachboden ins Wohnzimmer. Auf dem Fußboden zur Linken des Tannenbaums macht sie das Wunder der Heiligen Nacht anschaulich. Die Krippenfiguren aus Olivenholz stammen aus dem Heiligen Land. 1979 war Greving mit anderen jungen Vikaren nach Israel gereist. "Die Figuren erstanden meine Frau und ich damals auf einem Basar in der Altstadt von Jerusalem." Eine Herausforderung war der Transport der großen, bis zu 28 Zentimeter hohen und gewichtigen Stücke nach Deutschland, erinnert sich Greving. "Was im Gepäck entbehrlich war, flog raus, um Platz für die Figuren zu schaffen."

Anfangs ohne Dach über dem Kopf

Anfangs standen die Heilige Familie und ihr Gefolge auf dem Kamin, noch ohne Dach über dem Kopf. In den strohgedeckten Stall zogen sie erst ein paar Jahre später. "Den entdeckten wir auf einem Adventsbasar unserer Kirchengemeinde." Auf einer Fläche von 1,10 Meter mal 50 Zentimeter wird die Weihnachtsgeschichte mit allerlei liebevollen Details, die im Laufe der Jahre dazugekommen sind, in Szene gesetzt. Hinter Josef stapelt sich Holz, neben einem Hirten steht ein Körbchen mit Feuerholz, vor der Krippe eine Sackkarre.

Eicheln und Kastanien füllen die hinteren Ecken der Krippe. "Die sammelte unser Sohn Matthias als Kind." Ihm verdankt die Heilige Familie auch Licht und Wärme in der Herberge. "Mit sechs Jahren hat er die Krippe elektrifiziert", erzählt der Vater. Ein künstliches Feuer lodert zu Füßen des Neugeborenen. Der gelbe Leuchtstern unter dem Strohdach stammt aus der Partner-Kirchengemeinde in Oppach.

Zu den Figuren aus Jerusalem haben sich ein paar Neuzugänge vom Bremer Weihnachtsmarkt gesellt: ein Kamel, ein Hund und ein Hirte. Mit ihm gibt es in der Krippe jetzt eigentlich vier Hirten. "Doch einen haben wir auserkoren als Stellvertreter für einen jungen Menschen unserer Zeit", erzählt Greving. Ein Brückenschlag vom biblischen Geschehen zum Hier und Heute. So wie die Krippe für Greving "ein Zeichen dafür ist, dass Gott mir zum Anfassen nahe kommt. Durch das Kind in der Krippe wird Gott Mensch. Dieses Wunder macht die Darstellung erfahrbar."

In Grevings eigenem Elternhaus in Ostfriesland stand keine Krippe. "Ich komme aus einer reformierten Tradition. Krippen in den Häusern hätten gegen das Bilderverbot verstoßen." Den Brauch lernte er erst während seines Studiums in Süddeutschland kennen. Der Pastor sitzt oft lange vor seiner Krippe, versunken in die Betrachtung der Figuren. Die Versammlung um das Neugeborene ist für Greving ein Sinnbild: "Jeder steht als Individuum ganz persönlich vor Gott und ist gleichzeitig Teil der Christengemeinschaft." Die Herberge bleibt bis zum Ende der Weihnachtszeit am 6. Januar im Wohnzimmer stehen. Dann kommt sie zurück auf den Dachboden. Bis zum nächsten Fest.

Krippe im Renaissance-Stil

Rund 20 Krippen nennt Klaus Fitzner sein eigen, selbstgeschnitzte und gesammelte. Doch zu Weihnachten steht in seinem Hause nicht eine einzige. Die komplette Sammlung ist zurzeit im Küsterhaus in Schwanewede zu bewundern. Darunter auch seine neueste Errungenschaft: die originalgetreue Nachbildung einer neapolitanischen Weihnachts-Krippe im Renaissance-Stil. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt Fitzner über das Werk, das er in einem Prospekt für Sammler entdeckte. 16 von Hand bemalte und lebensecht wirkende Holzfiguren stellen das biblische Geschehen dar. Aufwendig gestaltete Stoffgewänder, filigrane Verzierungen und Details aus Blattgold tragen zum kostbaren Eindruck bei.

Die Szenerie zieht Fitzner, sonst eher ein Freund schlichter Krippen, in ihren Bann. "Das außergewöhnliche Ereignis, dass Gott sich in einem Kind klein macht, bringt diese Krippe in einer besonderen Weise zum Ausdruck", beschreibt er seine Faszination. Das vermisst der Pastor im Ruhestand bei vielen modernen Krippen. Jesu Geburt verkomme da oft zur anheimelnden Kuschelszene, die Bedeutung des Geschehens im Stall zu Bethlehem gehe verloren.

Fitzner ist nach eigenen Worten ein "Krippen-Narr". Der Samen wurde früh gelegt. Weihnachten 1945 bastelte der damals zehnjährige Flüchtlingsjunge im Erzgebirge seine erste Krippe. Eine Zigarrenkiste diente als Stall, eine Streichholz-Schachtel als Lager für das Jesus-Kind. "Für mich war es die schönste Weihnachtskrippe der Welt.", sagt der 76-Jährige.

Eine Sperrholz-Krippe aus Bethel wurde in den Kindertagen von Eva Maria L. zum Fest in ihrem Elternhaus in Bielefeld aufgestellt. . "Die Krippe gehörte zu Weihnachten immer dazu", erinnert sich die Schwanewederin, die ihren vollen Namen nicht gedruckt sehen möchte. An der Tradition ihrer Kindheit hält sie fest. Eine Krippe mit farbenfroh gekleideten Figuren füllt eine Nische der deckenhohen Bücherwand im großen Wohnzimmer ihres Bauernhauses. Seit rund fünf Jahrzehnten hat die Heilige Familie dort alle Jahre wieder zu Weihnachten ihren festen Platz.

Prächtige Gewänder zieren die Figuren. Maria hüllt sich in kostbaren silbergoldenen Brokat. Haupt und Schultern bedeckt ein königsblauer Umhang.Die Könige aus dem Morgenland tragen Samt und Seide. Perlen schimmern auf Umhängen und Turbanen. Jedes Kleidungsstück hat Eva Maria L. handgearbeitet. Als sie die Figuren einst im Nachlass ihrer Eltern fand, trugen sie kein einziges Tuch am Körper. "Das waren einfache Gipsfiguren, Dutzendkitsch aus einem Devotionalienladen in Süddeutschland." Die Grafikerin packte der gestalterische Ehrgeiz. An zwei Abenden im Jahre 1960 machte sie sich ans künstlerische Werk.

Mit Stoffresten aus der Flickenkiste und anderen Materialien wurde aus der Massenware ein Unikat. Josef trägt graues Haar und Bart aus aufgeribbelter Strumpfwolle. Echt ist der Blondschopf eines Hirten. "Mein damaliger Airedaleterrier musste dafür eine Locke opfern", erinnert sich Eva Maria L. mit einem Schmunzeln. Ein goldenes Brokatgewand mit blauem Samtumhang kleidet einen Weisen aus dem Morgenland. Aus einer weihnachtlichen Paketschnur entstand der prächtige Goldkragen eines anderen Königs. Sein wallender perlenbestickter Mantel aus rosa Brokat war mal ein Ballkleid. Das Christuskind liegt in Spitze gehüllt in der Krippe. Den grauen Hut eines Hirten fertigte Eva Maria L. aus dünnem Notizbuchleder. Aus dem gleichen Material sind auch Zaumzeug und Satteltasche für das Kamel gearbeitet. Die Satteldecke aus Brokat zieren bunte Perlen. "Eine Perlentasche, die ich als Kind heiß geliebt hatte, hielt dafür her", verrät die Schwanewederin.

"Die Figuren auszustaffieren war eine kindliche Spielerei, die mir viel Freude gemacht hat." Das zeigt sich an der Liebe zum Detail. Die graue Weste eines Hirten zieren winzige Perlenknöpfe. Einem anderen hat sie eine grüne Pudelmütze verpasst. Im Laufe der Zeit hat die Figurengruppe auch Zuwachs bekommen. Zu Ochs, Esel und Schafen gesellt sich heute allerlei Plastikgetier: Tiger, Leopard, Elefant und Orang Utan, kleine Hunde, Katzen und Vögel. Auch eine vertrocknete junge Eidechse aus dem heimischen Garten und eine echte Kaulquappe haben ihren Platz vor der Krippe gefunden.

Die verkündet schon in der Adventszeit zwischen den Büchern die frohe Botschaft. Bis zu Maria Lichtmess im Februar. Dann müssen Heilige Familie, Hirten, Könige und Tiere das Feld räumen.

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