Hausbesuch: Die 21-jährige Neele Kalka steht seit sieben Jahren im Damenteam des Beckedorfer TC

Sie besitzt ein Näschen für den weißen Sport

Beckedorf. An der Wand hängt eine Portraitzeichnung, eher eine Karikatur: das Gesicht einer jungen Frau mit einer übergroßen Hakennase. 'Das soll ich sein', lacht Neele Kalka über das Werk eines französischen Straßenmalers, dem die junge Beckedorferin im Urlaub in Paris über den Weg gelaufen ist.
21.10.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Beckedorf. An der Wand hängt eine Portraitzeichnung, eher eine Karikatur: das Gesicht einer jungen Frau mit einer übergroßen Hakennase. 'Das soll ich sein', lacht Neele Kalka über das Werk eines französischen Straßenmalers, dem die junge Beckedorferin im Urlaub in Paris über den Weg gelaufen ist.

Eine Ähnlichkeit, vor allem zwischen der realen und der künstlerischen Nase, ist nicht zu erkennen. Aber vielleicht ahnte der Portraitzeichner, dass Neele ein Näschen hat. Ein Näschen für das Tennisspiel.

Zum ersten Mal geschnuppert am weißen Sport hat sie im zarten Alter von sechs Jahren. Als ihre Eltern sie mit zum Beckedorfer Tennis-Club nahmen. Und seitdem hat die heute 21-Jährige Ballkontakt.

Zwischendurch, als Kind, auch mal auf dem Fußballplatz. Gleich in der Nähe, beim SV Grün-Weiß Beckedorf. Doch mit neun Jahren tauchte ein Problem auf: Neele entdeckte, wie so viele Mädchen in diesem Alter, ihre Vorliebe für Ballett. Erinnert sich die Beckedorferin: 'Beim Fußball habe ich mir blaue Flecken an den Beinen geholt. Das passte überhaupt nicht zum Ballett.'

Also wurden die Fußballstiefel an den Nagel gehängt. Und auch nicht wieder angezogen, weil Neele sich nach ihren Schnupperjahren im Bühnentanz ganz auf das 'Jeu de Paume' (Spiel mit der Handinnenfläche) konzentrierte, wie der Vorläufer des heutigen Tennisspiels in Frankreich bezeichnet wurde.

Damals, im 17. Jahrhundert, wähnten sich die Akteure des Brettspiels (ähnlich dem Squash) mit dem Allmächtigen im Bunde: Es fand zunächst nur in Klosterhöfen statt, bevor es seinen Siegeszug durch die gesellschaftlichen Klassen antrat und 1908 olympisch wurde.

In der Straße Am Teich, inmitten eines beschaulichen Neubaugebietes im Grünen, steht das Haus der Kalkas. Dort empfangen helle, Licht durchflutete Räume den Besucher, führt eine Holztreppe in Neeles Reich. Mit dem Portrait an der Wand und vielen Pokalen im Schrank - Belege sportlicher Erfolge. Errungen vor allem dort, wo der Blick aus dem Fenster in Richtung Landesgrenze fällt: Vor nunmehr 31 Jahren ist die rund 10000 Quadratmeter große Anlage des Beckedorfer Tennis-Clubs eingeweiht worden, vor sieben Jahren stand Neele Kalka zum ersten Mal im Aufgebot des Damenteams.

Zwei Jahre später starteten die Beckedorferinnen einen Siegeszug, der mit vielen Aufstiegsfeiern gekrönt wurde. Die Stationen: Kreisklasse, Kreisliga, Bezirksklasse, Bezirksliga. Und vor wenigen Wochen konnte der Abstieg mit einem Sieg über den alten Rivalen aus Schwanewede vermieden werden.

Neele Kalka war immer mit von der Partie. Zunächst als Jüngste im Alter von 14, ist sie mit 21 Jahren heute die Älteste im Team. Und immer noch opfert sie wöchentlich zehn Stunden ihrer Freizeit dem Tennissport. Der freilich auch abseits vom Court Überraschungen bereithält. 2008 zum Beispiel, als die Beckedorfer Damenmannschaft ins dänische Esbjerg reiste, wo die Bundesliga-Fußballer von Werder Bremen gerade ein Testspiel absolvierten.

Die ehemalige Fußballerin Neele Kalka ist natürlich Werderfan. Im Allgemeinen. Und besonders von Markus Rosenberg. Der Werder bekanntlich zwar verlassen, aber auch zur Genugtuung von Neele mit seinem Last-Minute-Tor gegen Sampdoria Genua den Weg in die Champions-League geebnet hat. Mit einem anderen Goalgetter ging die 21-jährige zusammen zur Schule. Ebenso wie Daniel Gaese, Torgarant beim Blumenthaler SV, baute sie ihr Abitur am Schulzentrum in der Eggestedter Straße. Und ebenso wie er hat sie die Leistungskurse Sport und Biologie belegt.

Ihre berufliche Ausrichtung lässt sich aus diesen Fächern nicht ableiten: Neele Kalka hat vor einem Jahr eine Ausbildung zur Industriekauffrau begonnen, macht sich täglich per Rad, Bus und Bahn auf den Weg in die Bremer City. Dort hält sie sich auch liebend gerne in ihrer Freizeit auf. Mit Freunden. Oder zum Shoppen. Vater Andreas Kalka verrät: 'Von Schuhen und Handtaschen kann sie gar nicht genug bekommen.'

Doch auch die Tochter des Hauses - der ältere Bruder hat es bereits verlassen und eine eigene Wohnung bezogen - lüftet ein Geheimnis. Ihr Vater habe zum Geburtstag mal einen Hund geschenkt bekommen, obwohl man nicht auf Haustiere stehe. Sie zeigt auf die Wand im Wohnzimmer. Da hängt er, farblich passend zum Interieur des Raumes und eher auch eine Karikatur: der gelbe Hund.

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