"Wenn das Geld nicht reicht"/Heute: Förderverein Beckedorfer Schmiedemuseum Sie halten das Feuer am Lodern

Im Jahre 1812 ließ Wilhelm Jakob Wildhack in der Beckedorfer Waldschmiede zum ersten Mal den Hammer auf ein heißen Stück Eisen sausen. 200 Jahre später glühen in der Esse noch immer die Kohlen, hallen metallische Schläge durch die Werkstatt. Die Mitglieder des Fördervereins Beckedorfer Schmiedemuseum führen die Handwerkstradition des Schmiedebegründers fort. Mit einer Ausstellung und Vorführungen in der Schmiede halten sie die alte Kunst lebendig. Höhepunkt ist das alljährliche Schmiedefest am 1. Mai.
05.04.2012, 05:00
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Von Gabriela Keller

Im Jahre 1812 ließ Wilhelm Jakob Wildhack in der Beckedorfer Waldschmiede zum ersten Mal den Hammer auf ein heißen Stück Eisen sausen. 200 Jahre später glühen in der Esse noch immer die Kohlen, hallen metallische Schläge durch die Werkstatt. Die Mitglieder des Fördervereins Beckedorfer Schmiedemuseum führen die Handwerkstradition des Schmiedebegründers fort. Mit einer Ausstellung und Vorführungen in der Schmiede halten sie die alte Kunst lebendig. Höhepunkt ist das alljährliche Schmiedefest am 1. Mai.

Beckedorf. In diesen Tagen gibt es für die Mitglieder viel zu tun. Anlässlich des 200. Schmiedejubiläums steht eine Renovierung ins Haus, das Museum ist deshalb ab 6. April geschlossen. Ab Mitte des Monats wartet die nächste große Aufgabe: Die alte Ausstellung macht einer neuen Sonderschau Platz. Sie dokumentiert die Rolle der Beckedorfer Waldschmiede, der Chantelau-Schmiede in Rekum und der Fuhrhoff-Schmiede in St. Magnus für den Walfang im 19. Jahrhundert. Über ein halbes Jahr haben der Vereinsvorsitzende Norbert Krause und Gründungsmitglied Gerhard Schwarz Informationen gesammelt und Schaustücke zusammengetragen. Das Glanzlicht der Ausstellung stammt aus der eigenen Werkstatt: Nach alten Vorbildern haben Mitglieder Harpunen, Speckspaten und andere Werkzeuge geschmiedet.

Viele der Aufgaben des Fördervereins fließen in der neuen Ausstellung zusammen: "Wir betreiben Heimatforschung mit dem Schwerpunkt Schmiedekunst, halten alte Schmiedetechniken am Leben und geben sie weiter", sagt Norbert Krause. Auch das Sammeln und Restaurieren historischer Schmiedegeräte und Werkzeuge gehört dazu. Alles mit dem Ziel, Wildhacks alte Schmiede als Museum zu gestalten und zu erhalten.

Zehn Mitglieder sind laut Krause mit dem Hammer in der Schmiede aktiv. "Die meisten kommen aus dem metallverarbeitenden Bereich und sind im Rahmen ihrer Ausbildung mit dem Schmiedehandwerk in Berührung gekommen. Einer war sogar 33 Jahre bei der Bremer Woll-Kämmerei als Schmied tätig." Die Mitglieder geben ihre Kenntnisse auch weiter. "Berufsschüler lernen bei uns das alte Schmiedehandwerk kennen", erzählt der Vorsitzende. Immer freitags von 15 bis 18 Uhr kann jeder, ob groß oder klein, den Hammer schwingen. Dann steht die Museumstür Besuchern offen. Die Mitglieder des Fördervereins bieten Führungen an, erklären die Verwendung der alten Schmiedegeräte und erzählen Geschichten aus der alten Zeit, als Wilhelm Jacob Wildhack und seine Nachfahren an der Esse standen.

Schmiede drohte der Abriss

Vereinsgründung und Museumseröffnung gingen vor zwölf Jahren Hand in Hand. Am 12. April 1996 wurde der Förderverein ins Leben gerufen, am 1. Mai öffnete das Museum zum ersten Mal seine Pforten. Vorausgegangen waren 16 Jahre Planung. Den Anstoß gab 1980 der damalige Beckedorfer Ortsbürgermeister Heinz Eduard Wolnik. Er schlug die Einrichtung einer Heimatstube vor, um die Schmiedewerkstatt zu erhalten. Der Schmiede drohte damals der Abriss. "Für die Begradigung der Straße An der Waldschmiede sollte die Werkstatt weichen", erzählt Krause. Es kam anders. 1988 schloss die Gemeinde Schwanewede einen Nutzungsvertrag mit der Eigentümerin der Schmiede, Christine Wildhack, einer Nachfahrin des Schmiedegründers. Die alte Werkstatt, in der 1900 das Feuer erloschen war, sollte als Museum wiederhergestellt werden. Ein Gremium aus Ortsbürgermeister, Eigentümerin, Vertretern der im Ortsrat vertretenden Parteien und der Dorfgemeinschaft wurde als Hausverwalter eingesetzt.

Eine Aufgabe, die faktisch seit 1996 der Förderverein ausübt. Seit September 2011 ist er durch einen neuen Nutzungsvertrag mit der Gemeinde und der Eigentümerin auch rechtlich Herr im Haus. Der bis 2025 laufende Vertrag gewährleistet dem Verein laut Krause nicht nur ein eigenständiges Handeln. "Damit haben wir auch ein sicheres Fundament für unsere Tätigkeit", sagt der Vorsitzende. Die Gemeinde sei für die Instandhaltung der Schmiede-Immobilie zuständig und trage die Betriebskosten. Bei den anstehenden Sanierungs- und Renovierungsarbeiten wird unter anderem die Außenwand zur Straße stabilisiert. "Eine neue Heizung finanziert der Verein selbst", sagt Krause. Der Verein mit seinen 80 Mitgliedern trägt auch die Miet- und Instandhaltungskosten für das von ihm angemietete Schmiede-Nebengebäude mit Aufenthaltsraum, Lager und Werkstatt. 2011 war ein neues Dach fällig. "3100 Euro haben wir bezahlt, den übrigen Teil die Eigentümerin."

Aus der Vereinskasse müssen auch Werkzeug und rund 350 Kilo Kohle, die im Jahr verheizt werden, bezahlt werden. Finanziert werden die Ausgaben durch den Jahresbeitrag von acht Euro pro Mitglied, Spenden von Ausstellungsbesuchern und Einnahmen beim Schmiedefest, das Jahr für Jahr am 1. Mai viele Besucher lockt. Ein Beckedorfer Stahlbauer sponsert Material. Vor allem aber lebt der Verein vom Idealismus der Ehrenamtlichen, die in der Schmiede den Hammer schwingen und Besucher durch die Ausstellung führen.

Förderverein Beckedorfer Schmiedemuseum. Vorsitzender: Norbert Krause, Tel. 0421/627975. Konto 186502 bei der Kreissparkasse Osterholz, BLZ 29152300.

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