Informationen zur Freiwilligenarbeit So läuft's im Ehrenamt

Damit das Ehrenamt für alle Beteiligten zum Erfolg wird, sollte man sich zunächst allgemeine Fragen stellen, wie etwa, was und wo man etwas tun will oder wie viel Zeit man spenden kann und will.
14.01.2019, 17:09
Lesedauer: 4 Min
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Von Undine Mader

Landkreis Osterholz. Mehr als 40 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre engagieren sich ehrenamtlich. Durchschnittlich stellen sie pro Woche zwischen 1,8 und 2,3 Stunden ihrer Zeit in den Dienst der Allgemeinheit. Doch bevor es so weit ist, gilt es, einige Fragen zu stellen, beispielsweise wo genau und wofür man sich einsetzen will. Möglichkeiten gibt es viele. In Bremen pflegen Birgitt Pfeiffer und ihre Kollegen die Datenbank der Bremer Freiwilligen-Agentur. Der Fokus der Agentur liegt auf Bremen, ein paar wenige Ehrenamtsangebote im niedersächsischen Umland sind trotzdem dabei. Die wichtigsten Fragen und Antworten für potenzielle Ehrenamtliche:

Was tun vor dem Start ins Ehrenamt?

Als Erstes sollte man sich fragen: Was möchte ich gerne tun? Sollte es eher eine organisatorische Aufgabe sein, von denen es übrigens viele gibt im Ehrenamtsbereich, beispielsweise in Heimatvereinen oder im Kulturbereich. Oder möchte man lieber unmittelbar helfen? Ferner sollte sich der künftige Ehrenamtliche fragen: Mit welcher Zielgruppe will ich arbeiten? Kinder, Jugendliche, alte Menschen oder Menschen mit Behinderung? Die dritte Überlegung: In welchem Rahmen will man ehrenamtlich arbeiten. Soll der Einsatz in einer Einzelsituation erfolgen oder lieber im Team in einer Organisation?

Wie viel Zeit muss ich einplanen?

Die Formel ist einfach: Jede Person muss entscheiden, wie viel Zeit sie geben kann und will. Diese Frage sollte man bereits im Vorfeld des Ehrenamtes für sich klar definieren. Will man in einem Projekt mitarbeiten oder lieber dauerhaft und regelmäßig ehrenamtlich tätig sein? Soll es jede Woche passieren oder nur einen Tag im Monat?

Wie alt sollte man sein?

Zwischen 14 und 16 Jahren legen die meisten jungen Leute los. Beispielsweise können sie Kindergruppen in Sportvereinen betreuen oder mitbetreuen.

Wo finde ich mein Ehrenamt?

Neben Datenbanken im Internet eignen sich Zeitungen als Informationsquellen. Sinnvoll kann es sein, auch Kollegen, Freunde oder Bekannte zu fragen, welche Ehrenämter diese ausüben. Weitere Ehrenämter findet man, wenn man sich informiert, welche Vereine, Organisationen und Einrichtungen es vor Ort gibt und beispielsweise bei Grundschulen, Behinderteneinrichtungen oder Tafeln anfragt. Deren Internetseiten liefern teilweise auch Informationen, ob dort gerade Ehrenamtliche gesucht werden.

Bin ich während der Arbeit versichert?

Dafür sollte man bei der jeweiligen Organisation oder dem Verein, wo man tätig werden will, nachfragen. Im Normalfall sind Ehrenamtliche darüber versichert. In Niedersachsen gilt: Wenn sich ehrenamtlich Tätige privat gegen Unfälle und Haftpflichtverletzungen versichert haben, besteht meist kein Grund zur Sorge. Für Aktive, die aufgrund von öffentlichen Aufgaben ehrenamtlich arbeiten, besteht ausreichender Versicherungsschutz. Außerdem hat die niedersächsische Landesregierung Rahmenverträge abgeschlossen, durch die die in Niedersachsen in der Freizeit Tätigen bei ihrem bürgerschaftlichen Engagement gegen Unfälle versichert sind und auch einen subsidiären Haftpflichtversicherungsschutz genießen.

Was ist, wenn ich mich verletze?

Auch hier ist es wichtig, sich an den Ansprechpartner in der Organisation oder im Verein zu wenden. Besteht dort eine Unfallversicherung, greift diese. Wenn nicht, wird wiederum die Landesversicherung wirksam.

Erhalte ich Weiterbildungen?

Einige Vereine und Organisationen bieten ihren Freiwilligen Fortbildungen, Workshops oder Einführungsveranstaltungen an. Manche Tätigkeiten werden erst nach Fortbildungen möglich, wie im Hospizbereich. Teils werden diese Weiterbildungen von den Einrichtungen selbst organisiert. Feuerwehren und Rettungsdienste bieten auch zentrale Schulungen an. Es lohnt sich außerdem ein Blick auf teils kostenfreie, teils kostenpflichtige Kursusangebote der Freiwilligenakademie Niedersachsen.

Werde ich eingearbeitet?

Beim ersten Gespräch sollte man unbedingt schon erfragen, wie und von wem die Arbeit erklärt wird und was genau man machen soll. Außerdem sollte man sich einen Ansprechpartner für Fragen nennen lassen. In vielen Organisationen gibt es „Freiwilligen-Koordinatoren“. Bevor man sich fest für das Ehrenamt verpflichtet, ist es als Freiwilliger immer besser, erst einmal eine Runde zu schnuppern. Gerade, wenn man mit mehreren Menschen zusammenarbeitet, muss beispielsweise das Team passen, man muss das Gefühl haben, dass die Gruppe offen ist. Häufig erweist sich dieses Thema als zentrale Frage im Ehrenamt.

Bekomme ich Geld?

Nur neun Prozent aller Freiwilligen erhalten eine Aufwandsentschädigung. Kleine Beträge gibt es in einigen Bereichen, wie beispielsweise in Sportvereinen, wo Angebote durch Ehrenamtliche abgewickelt werden. In den klassischen Ehrenamtssegmenten Soziales und Kultur hingegen ist eine stundenweise Vergütung nicht üblich. Kleine Vereine, die rein ehrenamtlich arbeiten und von Mitgliedsbeiträgen leben, können sich das auch gar nicht leisten. Ob Fahrkosten und Material erstattet werden, kommt auf den jeweiligen Verein an.

Was bekomme ich denn dann?

Der Nutzen eines Ehrenamtes lässt sich nicht in Geld beziffern, und er ist nicht materieller Art. Er besteht eher in der Erfahrung von Sinn und Selbstwirksamkeit oder dem Gefühl, dass man etwas verändern kann. In Niedersachsen und Bremen gibt es außerdem die Ehrenamtskarte für Menschen, die seit mindestens drei Jahren eine freiwillige gemeinwohlorientierte Tätigkeit ohne Bezahlung von mindestens fünf Stunden in der Woche oder 250 Stunden im Jahr ausüben. Damit verbunden sind Vergünstigungen in öffentlichen Einrichtungen und bei verschiedenen Anbietern in den Bereichen in Sport, Kultur oder Freizeit.


Eine Checkliste für künftige Engagierte fasst die wichtigsten Aspekte rund um das Ehrenamt zusammen. Zu finden ist diese im Internet unter www.freiwilligen-agentur-bremen.de unter der Rubrik Engagementbörse. Im Landkreis Osterholz gibt es anders als im benachbarten Bremen keine zentrale Anlaufstelle für Menschen, die eine ehrenamtliche Aufgabe suchen. Die Kreisverwaltung verweist für Informationen zum Einsatz Ehrenamtlicher auf den Freiwilligen-Server Niedersachsen (www.freiwilligenserver.de), ein Angebot des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Eine vom Landkreis und Gemeinden vor einigen Jahren gemeinsam initiierte Online-Ehrenamtsbörse wurde "mangels Nutzung vor einiger Zeit eingestellt“, teilt Pressesprecherin Jana Lindemann mit. Der Ansprechpartner zum Thema Ehrenamt bei der Osterholzer Kreisverwaltung ist Malte Wintjen, Telefon: 04791/ 930 12 81.

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