Die K-Frage in der Union

Auch die Basis ist gespalten

Armin Laschet versus Markus Söder. Die Unionsspitze ringt um einen Kanzlerkandidaten. Was sagt die Basis? Wie denken CDU-Mitglieder über den Zwist in der Union? Die Wümme-Zeitung hat sich umgehört.
17.04.2021, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Petra Scheller
Auch die Basis ist gespalten

Markus Söder (links) oder Armin Laschet, wer soll Kanzlerkandidat der Union werden? Darüber diskutieren auch die Mitglieder der CDU aus den Räten in Lilienthal, Grasberg und Borgfeld. Eine einheitliche Meinung gibt es nicht.

MICHAEL KAPPELER/dpa

Borgfeld/Grasberg/Lilienthal. Armin Laschet oder Markus Söder? Wer soll Kanzlerkandidat der Christdemokraten werden? Während die Unionsspitzen in Berlin noch miteinander ringen, haben die CDU-Mitglieder an der Basis eine klare Meinung. Wir haben uns in Gemeinderäten, im Beirat und in den Rathäusern der Region umgehört.

„Den Zwist würde ich an dieser Stelle als gelebte Demokratie bezeichnen“, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grasberger Christdemokraten, Silke Paar. Demokratie könne nur stattfinden, „wenn sich mehrere Kandidaten zur Wahl stellen. Und das ist gut so!“ Dem stimmt Gemeinderatsmitglied Marcel Habeck aus Lilienthal voll und ganz zu. Entscheiden würde sich Silke Paar „eindeutig“ für Markus Söder. „Meiner Meinung nach stellt die CSU den besseren K-Kandidaten. Markus Söder ist in seinen Entscheidungen transparent, klar und entschlossen.“ Armin Laschet habe lange Zeit aufgrund seiner Diplomatie alle Vorteile auf seiner Seite gehabt und sei zurecht Parteivorsitzender. „Aber es müssen derzeit unpopuläre Entscheidungen aufgrund der Pandemie getroffen werden, und Markus Söder trifft diese“, erklärt Paar. Auch Habeck unterstreicht: „Söder ist mein Favorit.“

Silke Paar

Silke Paar

Foto: FR

Nach außen hin unglücklich sei der Zwist zwischen den beiden Kanzlerkandidaten, sagt hingegen Beiratsmitglied Helga Dwortzak aus Borgfeld. Die unklare Situation kurz vor der Bundestagswahl beschädige die Union. „Ich bin für Armin Laschet“, sagt die Bremerin. „Der ist kompromissbereiter.“

Helga Dwortzak

Helga Dwortzak

Foto: Christian Kosak

Der Zwist auf großer Bühne sei schädlich, meint auch Beiratsmitglied Jens Burghardt aus Borgfeld. Allerdings stellt sich Burghardt klar hinter Markus Söder. „Man muss der Realität mal ins Auge sehen. Umfragen sind wichtig. Söder ist da ganz klar vorne.“ In der Pandemie habe Laschet keinen klaren Kurs vertreten. „Söder schon, er hat sich klar positioniert und klar kommuniziert.“

Pascal Holz, CDU-Ratsmitglied in Lilienthal

Pascal Holz

Foto: Lutz Rode

Sehr schwer zwischen Söder und Laschet entscheiden kann sich Pascal Holz. „Wir können froh sein, dass wir zwei so gute Kandidaten haben“, sagt das Gemeinderatsmitglied aus Lilienthal. Laschet vertrete in vielen Fragen den Kurs der Kanzlerin Angela Merkel. „Söder hingegen ist auch offen für neue Wege, für Veränderungen - auch in der Wirtschaftspolitik. Deshalb bin ich letztendlich wohl für Söder“, sagt Holz.

Lilienthals Bürgermeister Kristian Tangermann (CDU) unterstreicht, dass er hier nicht als Gemeinde-Bürgermeister spricht, sondern als CDU-Kreisvorsitzender Osterholz. Als Bürgermeister habe er sich parteipolitisch neutral zu halten. „Ich bin der Auffassung, dass die beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU diese Frage gemäß der langjährigen und erfolgreichen Tradition der Union kurzfristig unter vier Augen klären müssen“, sagt Tangermann. Gerade in dieser Situation komme es darauf an, „Führung zu übernehmen und gleichzeitig die Menschen mitzunehmen.“

Marion Schorfmann

Marion Schorfmann

Foto: Hans-Henning Hasselberg

Grasbergs Bürgermeisterin Marion Schorfmann findet das Ringen um den richtigen Kanzler gut. „Ich kann mit beiden leben“, stellt sie klar. „Ich erwarte allerdings eine klar Ansprache, den Willen, etwas zu bewegen, jemanden, der die vorbildliche Linie der Kanzlerin fortführt und jemanden, der über Berlin und die Bundesrepublik hinausschaut und das große Ganze sieht.“ Schorfmann hofft, dass bei der Entscheidung auch die Basis befragt wird. So hatte es auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt jüngst gefordert. Auch Schorfmann hofft auf eine Wahl durch die Parteimitglieder, „zumindest die Landesverbände sollten mit einbezogen werden.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Rainer Sekunde ist froh über die Diskussion. „Allerdings hätte sie früher stattfinden müssen“, sagt der Lilienthaler CDU-Mann. „Ich bin auf Laschets Seite.“ Die Art und Weise, wie Markus Söder auftrete, sei ihm zu forsch. „Mit seiner Mappe, der ,klugen' Rhetorik und dem Bayern-Logo auf jeder FFP2-Maske - Söder steht für Bayern, nicht für die Bundesrepublik.“ Wenig Vertrauen zu Markus Söder hat auch die ehemalige Lilienthaler Bürgermeisterin Monica Röhr. „Söder hat nicht Wort gehalten. Er hat gesagt, er nimmt die Kandidatur zurück, wenn die CDU-Spitze das wünscht. Sie wünscht es!“

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Rainer Sekunde.

Foto: CARMEN JASPERSEN

Für den Borgfelder Fraktionsvorsitzenden Jörn Broeksmid ist die Sache „ein normaler demokratischer Wettstreit. Da wir alle am Schluss die beste Regierung haben wollen, beginnt dieser Wettstreit stets innerparteilich, dann folgt die Kandidatenkür und dann hat der Bürger die Wahl“, sagt der Christdemokrat aus Borgfeld. Demokratie sei ein Wettstreit um die besten Köpfe. „Wichtig sind frische Ideen und ein roter Faden zum Wohle des Landes und seiner Bürger.“ Dem schließt sich Wolfgang Klüver, Mitglied im Borgfelder Beirat, „voll und ganz“ an.

Anders sieht das die Lilienthalerin Tanja Ruczynski. "Es ist nie gut, wenn Machtkämpfe öffentlich ausgetragen werden", sagt das Gemeinderatsmitglied. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte." Sportlich sieht den Wettstreit hingegen Michael Frerks. Der zweite Bürgermeister Grasbergs findet die Pandemie-Politik der Regierung "desaströs - von der Impfstoffbeschaffung bis zur Verteilung ist das eine Katastrophe." Frerks fordert: "In dieser Zeit brauchen wir jemanden, der klar eine Richtung vorgibt. Das ist Söder - ein Macher, mit klaren Zielen." Gemeinderatsmitglied Joachim Bauer sieht das ähnlich. "Laschet fehlt es an Entscheidungsstärke", sagt der Grasberger. "Er kommt zu pastoral rüber." Allerdings glaubt Joachim Bauer nicht, dass Markus Söder im Norden Chancen habe. "Kann ein Bayer Kanzler werden?", fragt er.

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