Freiflächen-Photovoltaikanlage in Bargten Solarkraftwerk geht Ende April ans Netz

Osterholz-Scharmbeck. Bei den Arbeiten für die Freiflächen-Photovoltaikanlage auf dem Gelände der früheren Raketenstation in Bargten ist der Endspurt eingeläutet worden. Ende April soll das Sonnenkraftwerk ans Netz gehen.
19.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode

Osterholz-Scharmbeck. Bei den Arbeiten für die Freiflächen-Photovoltaikanlage auf dem Gelände der früheren Raketenstation in Bargten ist der Endspurt eingeläutet worden. Ende April soll das Sonnenkraftwerk ans Netz gehen. Das berichtete Fred Tienken von der Betreibergesellschaft KTR Solar beim Besuch des SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Miersch. Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion zeigte sich angetan von dem Projekt. Es sei ein schönes Beispiel dafür, wie sich eine Brachfläche optimal nutzen lasse.

Miersch war auf Einladung des SPD-Ortsvereins nach Osterholz-Scharmbeck gekommen. Der 42-jährige Bundespolitiker aus Hannover ließ sich nicht nur aus erster Hand über die Bargtener Photovoltaik-Anlage informieren. Vor einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Restaurant Fidelio zum Thema Klimaschutz traf er Stadtwerke-Chef Christian Meyer-Hammerström und Landwirt Hermann Knoop, um mehr über deren Kooperation zu erfahren. Knoop beliefert das Blockheizkraftwerk am Allwetterbad mit Biogas, das er aus Mais und Gülle in einer Anlage unweit seines Hofes im Stadtteil Osterholz produziert. Auch über die "Energiewende 2030", die sich der Landkreis Osterholz auf die Fahnen geschrieben hat, wurde gesprochen. Mierschs' Fazit aus alledem: "Sie sind in ihrer Region schon wesentlich weiter als viele andere."

Miersch macht sich für einen Energiemix in Deutschland stark, setzt auf den Ausbau regenerativer Energien. Auf die großen Konzerne will er sich nicht verlassen. Er setzt auch auf die Energieerzeugung auf kommunaler Ebene. Solche Projekte müssten noch mehr Schule machen.

Ein solches Projekt ist die Photovoltaik-Anlage in Bargten. Laut Betreiber Fred Tienken werden von den Solarmodulen auf den Dächern der alten Bundeswehrgebäude und den Modulen an der Erde demnächst 2,4 Megawatt Strom produziert - gut 60 Prozent von dem, was ursprünglich geplant war. Durch Auflagen für den Naturschutz habe nicht mehr die gesamte Fläche der ehemaligen Raketenstation für den Aufbau der Solarmodule genutzt werden können. Tienken räumte ein, bei der Planung "so manche schlaflose Nacht" verbracht zu haben.

Tienken kritisierte den Energieversorger EWE, der sich wenig kooperativ gezeigt habe. Der Konzern habe mit Hinweis auf das Erneuerbare Energiegesetz die Auskunft darüber verweigert, wie viel Strom in die Leitung eingespeist werden kann, die direkt vor dem Gelände verläuft. Damit hing das ganze Projekt ziemlich in der Luft, wie Tienken deutlich machte. Am Ende der Hängepartie war klar: Der Strom kann wie geplant direkt vor der Haustür ins Netz eingespeist werden, teure Leitungen bis zur nächstmöglichen Anschlussstelle sind nicht nötig.

Tienken befürchtet, dass es durch die geplante Absenkung der Einspeisevergütung bei der Errichtung von Photovoltaik-Anlagen ab dem kommenden Jahr einen Einbruch in Deutschland geben wird, weil sich die Investitionen für mögliche Betreiber nicht mehr rechnen. Nach seinen Vorstellungen müsse die Einspeisevergütung noch differenzierter als bisher gewährt werden: In Regionen mit vielen Sonnenstunden seien geringere finanzielle Anreize nötig als in Gegenden mit wenig Sonnenschein.

Auch Biogas-Anlagenbetreiber Hermmann Knoop möchte wissen, wie es mit der Förderung von Biogas ab dem kommenden Jahr weitergeht. Matthias Miersch konnte dazu keine verbindliche Aussage machen - die große Debatte darüber werde erst beginnen, wenn im Frühjahr der Erfahrungsbericht zum Erneuerbare Energiengesetz vorliege. Der SPD-Politiker will an der gesetzlich geregelten Förderung erneuerbarer Energien festhalten, sieht aber auch Nachbesserungsbedarf. So hält er die festgelegten Stichtage für bedenklich, bis zu denen eine bestimmte Einspeisevergütung gewährt wird. Dies habe dazu geführt, dass die Investoren diesem Termin hinterherhecheln würden. Sobald er verstrichen sei, erlebe die Branche einen Einbruch. Bei den Biogasanlagen hält er es für angebracht, die Förderung von ineffizienten Anlagen zu streichen.

Die sogenannte "Vermaisung" ganzer Landstriche - also den großflächigen Anbau von Mais für die Biogasproduktion - sieht Miersch als Problem an. Auf dem Spiel stünde die Akzeptanz der erneuerbaren Energien. Die Menschen vor Ort müssten mitgenommen werden, klar sei aber auch, dass man mit dem St. Floriansprinzip nicht weiter komme: Energieerzeugung ja, aber nicht vor der eigenen Haustür. Auf Biogas verzichten will SPD-Mann Miersch nicht. "Wir brauchen Energieträger, die kontinuierlich zur Verfügung stehen. Biogas ist einer davon. Wir können uns nicht nur auf Windkraft und Sonnenenergie verlassen." Die Idee, CO2-Lagerstätten im Boden zu schaffen, bezeichnete Miersch als "Sackgasse". Die Erkundung dieser Möglichkeiten durch die Energiekonzerne höre sich für ihn so an wie "weiter so wie bisher". Letztlich bringe sie aber keine Lösung im Hinblick auf Klimaschutz und alternative Energieerzeugung.

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