Im Gespräch mit Gabi Köster „Sonst hätte ich das nicht überlebt“

Zehn Jahre nach einem schweren Schlaganfall ist Gaby Köster zurück auf der Bühne. Im Interview erzählt sie, wie der Neustart gelang und warum sie auch als Kölnerin kein Fan des Karnevals ist.
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Struß

Frau Köster, wie geht es Ihnen?

Gabi Köster: Sehr gut, weil die Sonne scheint. Das macht mich immer froh, denn ich bin weder ein Herbst- noch ein Wintertyp.

Vor zehn Jahren erlitten Sie einen schweren Schlaganfall. Ist die lockere Frage „Wie geht´s?“ inzwischen wieder Normalität geworden?

Ja, das ist ein Stück weit wieder normal geworden. Aber gleichzeitig habe ich die Hoffnung, dass es mir irgendwann wieder super geht und ich viele Dinge wieder alleine machen kann. Es bringt überhaupt nichts, die Hoffnung aufzugeben, das ist ein Albtraum.

Welche Einschränkungen haben Sie noch?

Die linke Seite will nicht so recht. Ich kann nicht alleine gehen, da brauche ich entweder einen Stock oder den Arm von Jemandem. Mit nur einer beweglichen Hand bin ich auch im Alltag eingeschränkt.

Wie lange haben Sie nach dem Schicksalsschlag gebraucht, bis Sie wieder Scherze gemacht haben?

Ach, das begann eigentlich sofort, nachdem ich wieder reden konnte. Ich glaube, sonst hätte ich das auch nicht überlebt.

Hat Ihnen der berufliche Umgang mit dem Humor bei der Bewältigung geholfen?

Absolut! In diesem Bereich habe ich eine massive Anzahl an Genen. Ohne die wäre ich durchgedreht.

Den Schlaganfall und den Weg danach haben Sie öffentlich gemacht – im Stern-Magazin, aber auch in einem Buch. Ihr Leben wurde verfilmt. Haben Sie diesen Schritt zurück ins Rampenlicht je bereut?

Nee, das ist ja mein Beruf und ich musste irgendwie weiter machen. Mit 46 Jahren war ich zu dem Zeitpunkt zu jung für die Rente.

Dem öffentlichen Leben den Rücken zu kehren, war nie eine Alternative?

Was hätte ich denn machen sollen, etwa einhändig Fenster putzen?

Seit Januar stehen Sie nun wieder mit einem Soloprogramm auf der Bühne. Wie läuft das Comeback?

Ja, ich bin auf der Bühne, aber im Sitzen. Es läuft super, die Leute sind absolut lieb. Und ich bin natürlich sehr glücklich, dass sie mir die Treue halten, über all die Jahre – auch wenn es nicht die alte Form ist. Ich bin selber immer überrascht, wenn sie am Ende alle aufspringen und klatschen. Das ist echt der Hammer.

Was sagen Ihnen die alten Fans, die Sie schon in den 1990er Jahren bejubelt haben?

Nach den Auftritten kommt das eine oder andere Gespräch zustande. Sie bewundern immer, wie ich mich wieder hochgekämpft habe. Aber ich habe nicht gekämpft, das ist Quatsch.

War der Weg nach dem Schlaganfall nicht genau das, ein Kampf?

Das Wort hat für mich etwas kriegerisches, aber so war das nicht. Ich habe mich bemüht, in meinem Leben normal weiterzumachen. Das war mein Antrieb – und der starke Wille.

Was ist statt des verbissenen Kämpfens ihre Methode?

Ich glaube, es ist Trotz. Manchmal bin ich aber auch sehr wütend darüber, wie mein Zustand ist. Diese Wut treibt einen dann auch nach vorne.

Schlüpfen Sie während Ihres neuen Programms auch noch einmal in die Rolle der Rita Kruse, die sie in „Ritas Welt“ im Fernsehen so bekannt gemacht hat?

Nein. Nach meinen Informationen ist jede Folge bereits tausendfach wiederholt worden und das reicht auch. Es gibt zwar immer noch gute Quoten, wenn es wieder im Fernsehen gezeigt wird und es war auch wirklich eine schöne Zeit. Aber die ist eben vorbei.

Die Reaktionen der Fans ist die eine Sache, aber wie reagieren die Komiker-Kollegen auf Ihre Rückkehr ins Show-Geschäft?

Die freuen sich mit mir, dass es wieder funktioniert. Ich bin auch sehr happy, dass ich ein gutes Team um mich herum habe. Ich brauche ja immer Unterstützung, ein paar Leute, die mitreisen. Ich nenne mein Programm manchmal „zum Teil betreutes Auftreten“. Auch mit Mike Krüger habe ich zum Beispiel noch engen Kontakt. Der freut sich ein Loch in den Bauch, dass es wieder geht. Auch mit meinem Management ist die Arbeit mittlerweile freundschaftlich, weil die mich schon so lange durch die ganze Zeit begleiten.

Und wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Ich arbeite gerade mit Till Hoheneder an einem neuen Buch. Ich werde ja immer gefragt, wie ich das geschafft habe, mit der angeblichen Kämpferei. Das werde ich in einem Buch preisgeben. Es geht um Tipps, wie man sich aus Löchern wieder befreit.

In Delmenhorst werden Sie am 8. November auftreten. Da ist der 11.11. nicht mehr weit. Haben Sie schon Pläne für den Karnevalsauftakt?

Mit dem Karneval habe ich quasi gar nichts am Hut. Ich habe mit meinem Programm ja das ganze Jahr über Karneval. Ich verkleide mich auch gerne privat – ziemlich bunt, wie man weiß. Nur die Immis, die Lieben den Karneval ohne Ende.

Die Immis?

So nennen wir in Köln die Zugereisten.

Hier in der Region ist Ganderkesee eine Faschings-Hochburg. Würden Sie sich das Treiben dort mal anschauen?

Nein, ich glaube, das ist ähnlich wie hier in Köln. Das sind dann irgendwelche Sitzungen und es endet im Besäufnis. Das ist – bei aller Liebe – überhaupt nicht meine Baustelle. Bei meinen Auftritten gibt es auch ohne Alkohol was zu lachen.

Das Interview führte Björn Struß.

Info

Zur Person

Gaby Köster

geboren 1961 in Köln, ist Schauspielerin und Komikerin. Bekannt machte sie unter anderem die Fernsehshow „7 Tage, 7 Köpfe“, sowie die Comedyserie „Ritas Welt“. 2008 erlitt sie einen schweren Schlaganfall, 2011 machte sie den Schicksalsschlag öffentlich. Am 8. November ist sie mit ihrem Programm „Sitcom“ zu Gast in der Delmenhorster Divarena.

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