Corona-Krise Soziale Netzwerke als Austauschort

Die örtlichen Facebookgruppen sind eine Art digitaler Marktplatz - und somit auch jetzt in der Krise gefragt. Die Beweggründe der Nutzer sind ganz unterschiedlich.
25.04.2020, 10:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Patricia Friedek

Lilienthal/Grasberg/Worpswede. Sie heißen „Lilienthal aktuell“, „Grasberger Infos“, „Infoportal Lilienthal Corona“ oder einfach „Worpswede“ – die Marktplätze dieser Zeit. Dort diskutiert man, tauscht sich aus, gibt sich gegenseitig Tipps. Der aktuellen Lage geschuldet dreht sich in den örtlichen Facebookgruppen erwartungsgemäß alles vor allem um ein Thema: das Coronavirus und seine Auswirkungen auf nahezu jeden Gesellschaftsbereich. Restaurants posten ihre Öffnungszeiten und ihre Lieferangebote, Ehrenamtliche bieten ihre Nachbarschaftshilfe an und Betriebe teilen ihre Angebote per Videobotschaft mit.

Andrea Vogelsang vom Sozialen Runden Tisch ist Administratorin im „Infoportal Lilienthal Corona“, einem Abzweig der Gruppe „Lilienthaler News“. Sie sagt: „Eigentlich haben wir das Portal eröffnet, weil wir die Corona-Themen aus der normalen Gruppe auslagern wollten. Das hat aber nicht so gut geklappt.“ Denn viele Nutzer hätten das gar nicht erst gewollt. Deshalb postet die zertifizierte Social-Media-Managerin jetzt in beiden Gruppen regelmäßig, wenn es Informationen zu den Auswirkungen des Coronavirus gibt. Die Aktivität in den Gruppen habe sich seit der Corona-Krise tatsächlich nicht erhöht. „Andere Themen, die jetzt durch die Situation wegfallen, werden durch die Corona-Themen ersetzt“, berichtet Vogelsang. Aber: „Ich bekomme jeden Tag etwa 30 bis 40 Privatnachrichten, in denen mich Nutzer und Nutzerinnen um Hilfe bitten.“

Größtenteils laufe es in den Gruppen sehr gesittet ab. „Es gibt aber auch immer mal Stänkerer, die partout provozieren“, erzählt Vogelsang. Dann habe sie verschiedene Wege, um zu intervenieren. „Manchmal antworte ich humorvoll, manchmal schicke ich auch eine Privatnachricht an die jeweilige Person. Im Zweifel kann man Personen auch auf “snooze„ stellen, das bedeutet, dass sie sich dann für eine bestimmte Zeit nicht mehr äußern können.“ Vogelsang selbst sehe das Netzwerk Facebook in der Krise deshalb eher zwiegespalten. „Das Medium ist ein tolles, um sich auszutauschen. Aber es bietet Leuten eben auch eine Bühne, um Verschwörungstheorien oder Falschinformationen zu verbreiten.“ Sie sieht ihre Aufgabe darin, lediglich vertrauenswürdige Informationen zu verbreiten und falsche Meldungen auszusortieren.

Neben den beiden Gruppen, die Andrea Vogelsang moderiert, gibt es noch zwei weitere Facebookgruppen für Lilienthal, „Lilienthaler Nachrichten und News“ und „Lilienthal aktuell.“ Vogelsang sieht keine Konkurrenz zwischen den Gruppen, sie begrüßt die Vielfalt. „Es gab den Vorwurf, dass wir Beiträge zensieren würden – dabei haben wir lediglich Beleidigungen gelöscht und möchten keine reine Werbeplattform sein“, betont Vogelsang. In der Zeit während der Corona-Schutzmaßnahmen hätten Einzelhändler dort ihre Sonderöffnungszeiten oder Lieferdienste bewerben können. „Jetzt, da die regulären Öffnungszeiten wieder gelten, möchten wir keine Beiträge mehr darüber.“

Christian Weiß ist Administrator der Gruppe „Lilienthal aktuell“ und hat in seiner Gruppe rund 1700 Mitglieder, ein Drittel davon sei erst im vergangenen Monat hinzugekommen. „Bei uns darf man auch Werbung machen“, sagt Weiß. In der Gruppe sei jeder selbst verantwortlich für das, was er verbreite. „Wir achten natürlich auch darauf, was geschrieben wird. Denunziation oder Beschimpfungen möchten wir nicht“, sagt er. Auch er sehe keine Konkurrenz in den Gruppen, denn: „Ich habe ja selbst nichts davon. Ich möchte einfach nur informieren und eine Plattform bieten.“ Selbst verbreite er nur Beiträge von verlässlichen Quellen, etwa vom Gesundheitsamt oder vom Bundestag.

„Grasberger Infos“ heißt die Facebookgruppe, in der Informationen für Grasberg ausgetauscht werden. So fragen dort Nutzer etwa: „Hallo, hat hier jemand zufällig etwas Gummilitze übrig?“ Oder fragen, wo man Masken bekommen könnte. Andere teilen mit, wann sie jetzt wieder öffnen. Ähnlich läuft es in der Gruppe „Worpswede“, in der all solche Informationen gesondert für Worpswede ausgetauscht werden. „Wir haben sehr viele Hilfsangebote oder Leute, die ihre selbstgenähten Mundschutze anbieten“, berichtet Tina Busch, die die Gruppe betreibt. Auch dort posten Restaurants und Lieferservices gerade verstärkt ihre Angebote. In der Gruppe herrsche stets ein höflicher und freundlicher Ton, sagt Busch, auch wenn manchmal diskutiert werde. Etwa 3600 Mitglieder hat die Gruppe.

Das soziale Netzwerk Instagram eignet sich laut Andrea Vogelsang nicht so gut für den Austausch von Informationen, weil es foto- und videobasiert ist. Trotzdem: Unter dem Hashtag #Lilienthal oder #Worpswede findet man auch dort den einen oder anderen Beitrag von Unternehmen oder dem Landkreis Osterholz zur aktuellen Lage.

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