Düstere Zukunftsprognose für Kirchengemeinde Sparzwang leitet Umdenken bei St. Marien ein

Osterholz-Scharmbeck. Die St. Marien Gemeinde in Osterholz ist nach eigenem Bekunden die am stärksten schrumpfende evangelische Kirchengemeinde im Kirchenkreis. Die Hauptursache für den Mitgliederrückgang ist im demografischen Wandel zu suchen.
21.02.2010, 17:00
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Sparzwang leitet Umdenken bei St. Marien ein
Von Brigitte Lange

Osterholz-Scharmbeck. Die St. Marien Gemeinde in Osterholz ist nach eigenem Bekunden die am stärksten schrumpfende evangelische Kirchengemeinde im Kirchenkreis. Von den 2103 Mitgliedern, die 2003 zur Osterholzer Kirchengemeinde zählten, werden 2014 voraussichtlich noch 1904 übrig sein. Laut Statistik wird diese Zahl bis 2025 auf 1760 Kirchenmitglieder geschrumpft sein. Die anderen Kirchengemeinden werde ein ähnliches Schicksal ereilen, teilte der Kirchenvorstand von St. Marien gestern bei der Gemeindeversammlung mit. Denn die Hauptursache für den Mitgliederrückgang ist im demografischen Wandel der Gesellschaft - der Änderung der Altersstruktur - zu suchen.

Mit den Mitgliedern bricht der Kirche auch das Geld weg. Die Höhe der Zuweisungen berechnet sich nach der Mitgliederzahl. Eine bundesweite Hochrechnung geht davon aus, dass den evangelischen Kirchengemeinden in 20 Jahren nur die Hälfte ihrer heutigen Einkünfte zur Verfügung stehen wird. Für die Osterholzer bedeutet dies, dass sie sparen müssen. Für die Teilnehmer der Versammlung nichts Neues. So hat Pastorin Anne Voß schon heute nur eine drei Viertelstelle. 'Aber praktisch umgesetzt haben wir die Einsparungen noch nicht', teilte Voß mit. 40 Arbeitsstunden würde sie bezahlt bekommen, erklärte Volker Müller, Vorsitzender der Kirchengemeinde St. Marien: 'Anne Voß macht aber wesentlich mehr.' Tatsächlich sei die Pastorin 2008 auf eine 48-Stunden-Woche gekommen. Auch die Diakonin hätte 2008 rund fünf Überstunden je Woche gehabt. 'Wir haben alle persönlich versucht, diese Kürzungen auszugleichen', bestätigte Voß. 'Aber das geht nicht auf Dauer.' So würden sie sich verheizen, erinnerte die

Pastorin an Ausfälle aufgrund von Krankheit bei den Helfern und Mitarbeitern. Deshalb habe sie darauf gedrängt, dass sich Vorstand und Kirchengemeinde zusammensetzen. 'Wir müssen etwas ändern', sagte Voß.

Bei einem Vortreffen haben sich die sechs Mitglieder des Kirchenvorstands und die Pastorin erstmals Gedanken dazu gemacht. Ihr Entscheidung: Das Pfarramt und andere hauptamtliche Kräfte müssen entlastet werden. Aufgaben, die nicht zwingend von Voß erledigt werden müssen, sollen auf andere Schultern verteilt werden. So müsse sich etwa der Frauengesprächskreis, der von Voß geleitet wird, selbst organisieren. Auch die Zahl der Sonntagsgottesdienste, die Voß hält, müsse auf zwei pro Monat reduziert werden. Sollte der Küster in den nächsten zwei Jahren in Rente gehen, stünden weitere Änderungen ins Haus. Er schließe nicht nur die Kirche auf und sorge für Blumen, er kümmere sich auch um die Häuser, sei für ihre Unterhaltung zuständig. 'Wenn wir dafür eine feste Gruppe fänden, wäre das schon was', sagte Vorstandsmitglied Sabine Backhaus. Dabei hoffen Kirchenvorstand und Pastorin, möglichst auch von denen Hilfe zu bekommen, die sich bisher noch nicht in der Gemeinde eingebracht haben.

Ganz allein werde St. Marien die Entwicklung nicht überleben, egal wie sehr sich die Mitglieder bemühten, gab einer der Teilnehmer zu bedenken. Nur indem sich die Kirchengemeinden in der Region gegenseitig helfen und unterstützen würden, könnten sie trotz Mitglieder- und Finanzschwund künftig bestehen.

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