Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden Borgfeld soll zum Klima-Vorbild werden

Borgfeld könnte beim Klimaschutz im Land vorn dabei sein. Das glaubt die SPD-Fraktion im Beirat und fordert gemeinsam mit der CDU, auf den öffentlichen Gebäuden schnell Fotovoltaikanlagen zu installieren.
14.04.2021, 07:00
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Borgfeld soll zum Klima-Vorbild werden
Von Antje Stürmann

Damit die Sonne in Bremen für röstende Toaster, helle Leuchten und warme Heizungen sorgen kann, sollen künftig auf noch mehr Dächern Fotovoltaikanlagen installiert werden. So sieht es das vor zwei Monaten von der Bremer Landesregierung beschlossene Klimapaket vor. Der Senat hat auch die Dächer öffentlicher Gebäude im Blick. Bei der Umsetzung dieses Plans soll der Ortsteil Borgfeld ganz vorn mit dabei sein; für die nächste Beiratssitzung hat die Fraktion der SPD deshalb einen Antrag verfasst, in dem sie auf die Tube drückt.

„Wir wollen, dass in Borgfeld möglichst schnell viele öffentliche Dächer mit PV-Anlagen ausgerüstet werden und sich die Stadt Bremen ambitionierte Ziele setzt“, sagt der SPD-Fraktionsführer im Borgfelder Beirat, Alexander Keil. Der Senat solle lieber heute als morgen ein „umfassendes Konzept“ vorlegen, um die Produktion von Solarstrom im Land deutlich zu steigern.

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Anlass für den Vorstoß der Borgfelder SPD ist das von der Bürgerschaft auf den Weg gebrachte Projekt „Solar-City Bremen“. Ziel sei die Nutzung erneuerbarer Energien. Auf lange Sicht solle Energie gespart werden, heißt es in einem Positionspapier der SPD Bremen-Stadt. Der Ortsverein Borgfeld-Lehesterdeich, dessen Vorsitzender Alexander Keil ist, macht jetzt auf Ortsebene Druck. „Die öffentliche Hand ist Vorbild“, so Keil. „Wenn wir auf öffentlichen Gebäude möglichst schnell Solaranlagen installieren, ziehen vielleicht private Hausbesitzer nach.“ Und davon, sagt er, gebe es besonders in Borgfeld einige.

Gemeinsam mit Konstantin Gaber, der unter anderem bei „Fridays für Future in Bremen“ aktiv ist, hat Keil den Antrag für den Borgfelder Beirat ausgearbeitet. „Wir erwarten, dass bis Mai 2023 zumindest alle öffentlichen Dächer ausgestattet sind, die sich in ihrem jetzigen baulichen Zustand dafür eignen“, fordert Keil. In Borgfeld könnte das zum Beispiel das Dach der Grundschule Am Borgfelder Saatland sein. Aber auch das Dach der Grundschule in der Ortsmitte fällt ihm dazu ein und das der Turnhalle Am Borgfelder Saatland. Konstantin Gaber zählt das Jugendfreizeitheim auf, das Gebäude der Feuerwehr „und natürlich das Ortsamt wäre eine Möglichkeit“, sagt er. Ob sich diese Gebäude für die Stromgewinnung eignen, müsste die für öffentliche Gebäude zuständige Immobilien Bremen prüfen. Fest steht für Gaber: In Borgfeld gebe es im Gegensatz zur City vor allem frei stehende Gebäude, auf die kein Schatten falle, und die sich deshalb besonders gut für Fotovoltaik eigneten.

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In ihrem Antrag fordern die Sozialdemokraten, dass die neuen Anlagen von öffentlichen Unternehmen betrieben und aus öffentlichen Töpfen finanziert werden sollten. So könne viel selbst produzierter Strom in städtischen Einrichtungen verbraucht werden und die Zinsen für die in Anspruch genommenen Kredite flößen in die öffentlichen Kassen. Beim Bau indes könne man Handwerker aus der Umgebung einbinden und so zu deren Fachkenntnis beitragen, so Keil. „Ich sehe da viel Potenzial.“ Konstantin Gaber glaubt: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zu investieren, denn die Einspeisevergütung für Solarstrom ist noch so hoch, dass sich der Bau einer Fotovoltaikanlage rentiert.“

In Bremen gibt es, so hat Keil recherchiert, insgesamt 1600 Gebäude in öffentlicher Hand. „Krankenhäuser, der Flughafen, die Universität und die Hallen der BLG nicht mitgerechnet.“ Die Nettokosten für eine größere Fotovoltaikanlage mit einer Höchstleistung von 15 bis 20 Kilowatt (kWp) veranschlagen Experten mit gut 1300 Euro pro kWp. Je größer die Anlage, desto geringer die Kosten.

Wie viele Quadratmeter öffentliche Dachfläche es in Borgfeld gibt und wie viele sich davon eignen, müsse im Einzelfall geprüft werden, so Dagmar Bleiker, Sprecherin des Finanzressorts. „Dies wird jetzt seitens Immobilien Bremen durchgeführt.“ Ergebnisse zu den Gebäuden in Borgfeld liegen laut Bleiker derzeit nicht vor.

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Für die Umsetzung des gesamten Klimapakets stehen Bremen laut Senatsbeschluss von Anfang Februar rund 30 Millionen Euro plus 24 zusätzliche Vollzeitstellen zur Verfügung. Laut Finanzressort sind für die Errichtung von PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden nochmals rund 1,7 Millionen Euro vorgesehen. Außerdem gebe es im laufenden Haushalt rund drei Millionen Euro für Investitionen an öffentlichen Gebäuden unter dem Aspekt Klimaschutz, von denen unter anderem PV-Anlagen finanziert werden.

Alexander Keil will Borgfeld zum Vorbild machen: „Wir sehen gute Chancen, dass Borgfeld zum Zuge kommen könnte.“ Der Grund für seinen Optimismus: „Wir sind einer der ersten Bremer Ortsteile, die einen Antrag stellen.“ Die Unterstützung der CDU hat sich die SPD laut Keil zusichern lassen.

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