Parteien SPD-Landeschef Duin gibt sein Amt auf

Achim. Der niedersächsische SPD-Vorsitzende Garrelt Duin zieht sich überraschend aus der Landespolitik zurück. Nach viel parteiinterner Kritik kündigte der 41-Jährige am Freitag an, er werde sein Amt aufgeben und beim Landesparteitag im Mai nicht wieder kandidieren. Der Ostfriese wurde als Herausforderer von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) für die nächste Landtagswahl 2013 gehandelt.
30.01.2010, 06:00
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Von Michael Ahlers

Achim. Da stand er nun im Raum 'Hamburg' eines Hotels im kleinen Achim und redete über seinen Rückzug. Er sei mit sich im Reinen, betonte der SPD-Landesvorsitzende Garrelt Duin, 'mein größter Fehler ist wohl gewesen, nicht für den Landtag kandidiert zu haben.' Zwei Türen weiter, im Doppelraum 'Hannover-Bremen', würde in 30 Minuten das Abtasten und das Belauern beginnen - eine Sitzung des SPD-Landesvorstands.

Eigentlich wollte der Landesvorstand bei seiner Klausurtagung vor allem über einen Fahrplan bis zur Kommunalwahl 2011, über die Neuorganisation der Partei und über Jobcenter sprechen. Seinen Plan, die vier SPD-Bezirke im Land zugunsten eines straffen Landesverbandes abzuschaffen, hatte Duin längst begraben müssen.

Schon am Morgen hatte Duin in einer Telefonkonferenz mit seinen SPD-Präsidiumsmitgliedern angekündigt, im Mai nicht wieder als Parteivorsitzender kandidieren zu wollen. 'Das hat mich überrascht', gab der Braunschweiger SPD-Bezirksvorsitzende Hubertus Heil bei seinem Eintreffen in Achim die Sprachregelung wieder. Duin wiederum erklärte, er werde zwar ab Montag seine Termine als Landesvorsitzender wieder wahrnehmen. 'Den Abend möchte ich aber anders verbringen als an der Hotelbar', sagte Duin. 'Er will sich nicht anhören, wie schade das alle finden und wie toll er doch war', so ein Mitglied des Vorstands. Auch Bezirkschef von Weser-Ems will er nun nicht mehr bleiben.

Nicht nur mit seiner Absage einer Kandidatur gegen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Landtagswahl 2008 hatte Duin, 2005 zum Parteichef gewählt, seine Landes-SPD bis ins Mark enttäuscht. 'Diese Entscheidung hat der niedersächsischen SPD geschadet', befand SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner vor zwei Jahren. Der lange Ostfriese Duin war wegen seines Bundestagsmandats oft fern der Heimat, selbst wichtige niedersächsische Parteifreunde hatten seine aktuelle Handy-Nummer nicht. 'Duin ist in Niedersachsen nie angekommen', gab ausgerechnet Niedersachsens CDU-Generalsekretär Ulf Thiele die Stimmung vieler Genossen wieder.

Seine einstige Vertraute Swantje Hartmann, SPD-Landtagsabgeordnete aus Delmenhorst, trieb Duin wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten aus ihren Partei- und Fraktionsämtern. Der Rosenkrieg des Duos machte zum Entsetzten der SPD ein Jahr Schlagzeilen. 'Wir sind alle bereit, geführt zu werden, aber wir wollen auch gut geführt werden', übte schließlich Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil bei einem SPD-Parteitag so deutlich Kritik an Duin, dass Delegierte im Vorraum die Currywurst kalt werden ließen und in den Saal eilten - es war wohl schon das Ende von Duins Hoffnung auf die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2013.

'Du hast in uns treue Bündnispartner, solange du vernünftige Sachen machst', war auch der frühere Duin-Unterstützer Sigmar Gabriel auf Distanz gegangen. 'Die Bezirksdebatte hat sehr geschadet', sagt der Wolfenbütteler SPD-Landtagsabgeordnete Marcus Bosse. 'Von Berlin aus ist es extrem schwierig, das Amt auszuüben', nannte Duin gestern als Hauptgrund für seinen Rückzug den Spagat zwischen Bundestagsarbeit und Landesvorsitz. Aus einem Brief an Parteifreunde zum Rückzug spricht aber auch Resignation. Die letzten zwei Jahre seien für die SPD durch 'unterschiedliche Herausforderungen' geprägt gewesen, schreibt Duin da. Er hat sie nicht schultern können.

Für 'Phase 1' des Nachfolgekampfes bringen sich mehr oder minder vorsichtig Genossen in Stellung. Hannovers SPD-Bezirkschef Stefan Schostok erinnerte im Hotelfoyer schon mal an seine grundsätzliche Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Auch Parteivize Olaf Lies, der aus Duins Bezirk Weser-Ems kommt, gilt als Anwärter auf Partei- oder auch Fraktionsvorsitz. Spätestens in 'Phase 2', wenn es um die Spitzenkandidatur 2013 geht, dürften dann auch Schwergewichte wie Heil, Thomas Oppermann oder Weil ins Rennen gehen - oder getrieben werden. Mitte Februar soll es beim Parteirat um die Personalien gehen. Den Noch-Vorsitzenden sah man in Hannover oft mit einem Rollkoffer zwischen Bahnhof und Parteizentrale pendeln, immer ankommend und schon wieder abreisend. Duin sah immer ein bisschen bedrückt aus.

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