Spenden für Namibia

Für eine warme Mahlzeit

Werner Pußack sammelt auf den Wochenmärkten in Bassum und Brinkum Spenden für Menschen in Namibia. Dafür hat er ein Sparschwein am Stand seiner Schwägerin aufgestellt.
06.09.2020, 16:27
Lesedauer: 3 Min
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Für eine warme Mahlzeit
Von Tobias Denne
Für eine warme Mahlzeit

Wegen des Coronavirus müssen sich die Menschen vor der Suppenküche die Hände gewaschen.

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Die Liebe zu Namibia, die kam bei Werner Pußack und seiner Frau auf der Hochzeitsreise. „Wir haben das Land kennen und lieben gelernt“, erinnert sich der Bassumer an die fünfwöchige Reise. Sechs Jahre ist das nun her. Eigentlich reist Pußack jedes Jahr zwei bis drei Mal in das afrikanische Land. „Jetzt waren wir noch kein einziges Mal dort“, sagt er traurig. Wenn er über Namibia, das Land mit seinen mehr als zwei Millionen Einwohnern, spricht, dann wirkt Pußack sehnsüchtig. „Die Menschen dort sind enorm freundlich und herzlich“, schätzt er die Bewohner. Auch das Land selbst, mit seiner Weite und seiner Ruhe, hat es dem Pensionär angetan. „Man kann mal 100 Kilometer mit dem Auto fahren und sieht niemanden“, erzählt er. Einmal habe ein Elefant die Straße blockiert, auf der er gefahren ist. „Wir haben dann eine Viertelstunde gewartet“, sagt er und schmunzelt.

Dabei organisiert Werner Pußack die Reisen nicht ausschließlich zum Spaß, sondern auch, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. Und da helfen nun auch die Besucher des Bassumer und des Brinkumer Wochenmarktes – und „Hildegard“. Hildegard steht auf der Theke von Monika Pußack, seiner Schwägerin, und „ist schon wieder voll“, wie sie sagt. Hildegard ist ein kleines Sparschwein, das Monika Pußack, die mit den Waren der Landschlachterei Pußack aus Groß Hollwedel auf den Wochenmärkten unterwegs ist, vor einigen Monaten aufgestellt hat. „Ich brauche mittlerweile gar nichts mehr sagen“, freut sie sich. Die Kunden wüssten schon, wofür Hildegard da ist. Jeder Cent, jeder Euro, den die Kunden beim Sparschwein einwerfen, kommt den Menschen in Namibia zugute. „Die Leute freuen sich, dass die Spenden eins zu eins vor Ort ankommen“, sagt Monika Pußack.

Gerade in dieser Zeit, in der weltweit das Coronavirus grassiert, trifft es die Menschen in Namibia besonders hart. Eltern verlieren ihre Jobs, haben teilweise nichts mehr zu essen. „Die wirklich Bedürftigen haben einmal vom Staat 40 Euro bekommen“, erzählt Werner Pußack. Aber mit dieser Einmalhilfe kommt man auch in Namibia nicht weit. Kein Wunder also, dass das Elend in dem Staat an der afrikanischen Westküste mit jedem Tag zunimmt. Um wenigstens das Leid ein wenig zu lindern, gibt es in Okahandja eine Suppenküche. Eltern schicken teilweise ihre kleinen Kinder alleine los, damit sie sich dort anstellen können und etwas zu essen bekommen. Stephan Hock ist mit seiner Familie vor 14 Jahren aus Gießen ausgewandert. „Der managt das, eigentlich wollten sie auch noch eine Kita ausbauen“, erzählt Pußack.

Werner Pußack vom Reisebüro Pußack wirbt für die Spendenaktion auf den Wochenmärkten in Bassum und Brinkum - am Wochenende war er wieder in Brinkum vor Ort.

Werner Pußack vom Reisebüro Pußack wirbt für die Spendenaktion auf den Wochenmärkten in Bassum und Brinkum - am Wochenende war er wieder in Brinkum vor Ort.

Foto: Vasil Dinev

Mit „sie“ meint der ehemalige Polizist die Ehrenamtlichen, die sich um die Menschen vor Ort mit warmen Mahlzeiten kümmern. „Die Familien haben einfach nichts mehr“, sagt Pußack. Das liegt auch daran, dass der Tourismus aufgrund des Coronavirus zum Erliegen gekommen ist. „Den Leuten geht es schlecht“, weiß der Bassumer über die Situation vor Ort. Viele haben in der Vergangenheit ihre Lodges vermietet und Safari-Touren angeboten. „Die Wilderei nimmt zu“, erzählt Pußack. Die Menschen stehen vor der Wahl, kein Essen zu haben oder wenigstens das Fleisch der Antilope zu essen.

Pußack vom gleichnamigen Reisebüro in Bassum hofft, im Winter wieder nach Namibia fliegen zu können, um auch Sachspenden vorbeizubringen. „Es herrscht immer noch eine Reisesperre“, berichtet er. Seit drei Jahren, als die jüngste Tochter das Reisebüro übernommen hat, werden geführte Touren durch Namibia und Südafrika angeboten.

Eine Kundin von Monika Pußack holt sich gerade ein wenig Fleisch auf dem Bassumer Wochenmarkt und gesellt sich zu Werner Pußack. Sie schwärmt von Namibia, hat vor Jahren eine Patenschaft für ein Kind übernommen und will endlich wieder dorthin reisen. Vielleicht mit dem Flieger im November. Pußack freut sich, dass seine Begeisterung für das Land auch auf andere überspringt. „Wir müssen den Tourismus wieder in Gang bringen, denn die Menschen in Namibia sind wirklich pleite“, weiß er. Daher hofft er, dass die Spenden wenigstens ein wenig die Not lindern. Denn die Menschen in Namibia seien zwar bedürftig, aber „sie wollen auf eigenen Beinen stehen“.

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