Benefiz-Veranstaltung

Spendenengel Störtebeker

Wer kommt in den Genuss von Störtebekers Vermächtnis? Verdener Organisationen, Einrichtungen und Vereine können sich für die Lätare-Spende 2019 bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 16. Januar.
09.01.2019, 15:48
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Spendenengel Störtebeker
Von Jörn Dirk Zweibrock
Spendenengel Störtebeker

Schlüpft am 1. April wieder in seine Paraderolle Störtebeker: Schauspieler Bernd Maas aus Kirchlinteln.

Focke Strangmann

Bei der Verdener Lätare-Spende bringen die politischen Ehrengäste aus Bund und Land drei Wochen vor Ostern traditionell Brote und Heringe unters Volk. Beim anschließenden Heringsessen erfüllen die geladenen Gäste dann Störtebekers Vermächtnis und unterstützen mit ihren finanziellen Beiträgen soziale Projekte. „Auch in diesem Jahr können sich wieder Verdener Organisationen, Einrichtungen oder Vereine um eine Spende bewerben“, sagt Verdens Stadtmarketing-Chefin Angelika Revermann. Interessenten sollten sich bis Mittwoch, 16. Januar, bei der Tourist-Information im historischen Verdener Rathaus melden. „Ein kurzes Bewerbungsschreiben, in dem der direkte Nutzen des Projekts dargestellt und die beantragte Summe genannt werden, kann ebenfalls eingereicht werden“, erläutert Revermann das Prozedere. Im vergangenen Jahr seien die Verdener Familienwerkstatt, die Multiple-Sklerose-Kontaktgruppe, der Förderverein der Handballspielgemeinschaft, die Familienforscher sowie die Pfadfinder in den Genuss gekommen. Weil Lätare in diesem Jahr auf den 31. März fällt, steigt das Benefiz-Essen in der Verdener Stadthalle eben am Montag, 1. April.

Einer, der sich schon Wochen vorher auf seinen großen Auftritt auf dem Verdener Rathausplatz vorbereitet, ist Schauspieler Bernd Maas aus Kirchlinteln. Ein Bart benötigt schließlich Zeit zum Wachsen. Was im Winter als stoppeliger Dreitagebart beginnt, muss sich schließlich binnen weniger Wochen in einen flauschigen Vollbart verwandeln. Weil Störtebeker, der berühmte Seeräuber, nun einmal kein Dunkelblondschopf, sondern vielmehr ein Rotbart gewesen sein soll, färbt sich der Mime seinen „Gesichtspullover“ eben für die Lätare-Spende in Rot ein. „Danach nehme ich den Bart sofort wieder ab“, freut sich Maas, dass er seine Frau dann endlich wieder küssen kann. Glatt wie ein Babypopo und nicht mehr rau und kratzig wie ein Seebär.

530 Brote und 1600 Salzheringe verteilen Störtebeker und seine mittelalterlichen Kumpanen Jahr für Jahr am Montag nach Lätare, dem vierten Sonntag in der Passionszeit. Bäckermeister Christoph Baalk und seine Mannschaft stellen die Störtebeker-Steven eigens für die Lätare-Spende in ihrer „Seeräuber-Backstube“ an der Max-Planck-Straße her. Doch was macht dieses rund 700 Gramm schwere Roggenmischbrot eigentlich aus? „Es ist eben ein Brot mit Ecken und Kanten“, findet Baalk. Raue Schale, weicher Kern – diese Charaktereigenschaften träfen sowohl auf Störtebeker als auch auf das Schrotbrot zu.

Der Hering wird meist aus der Seestadt Bremerhaven angeliefert. Seit vielen Jahren richtet der Verdener Gastronom Gördt Glander nun schon das Wohltätigkeits-Essen in der Stadthalle aus. „Selbst die Servietten werden wie ein Fisch gefaltet“, verrät er lachend. Glander weiß um den Stellenwert der Lätare-Spende, sieht in ihr das Pendant zur Bremer Eiswette.

Zahlreiche Bundes- und Landesminister haben dem gesellschaftlichen Ereignis bereits beigewohnt – auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. Im vergangenen Jahr konnte die Stadt Verden Niedersachsens Kultusminister Grant Henrik Tonne (SPD), Bremens Bürgermeisterin und Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) sowie Norbert Barthle (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, als Ehrengäste begrüßen.

Mit der Lätare-Spende pflegt die Stadt Verden seit Jahrzehnten Störtebekers Vermächtnis. 1401 soll der trinkfeste Seeräuber auf dem Hamburger Grasbrook hingerichtet worden sein. „Kurz vor seinem Tod hat er der Legende nach noch bestimmt, dass jährlich Brot und Heringe an bedürftige Menschen aus Verden verteilt werden“, erzählt Angelika Revermann. Zur Verbüßung der sieben Todsünden – Hochmut, Geiz, Wollust, Völlerei, Neid, Zorn und Trägheit des Herzens – soll der Rotbart dem Verdener Dom darüber hinaus sieben Kirchenfenster gestiftet haben.

„Bei der Auswahl der Spendenempfänger werden nur Verdener Projekte berücksichtigt, die soziale und gemeinnützige Zwecke verfolgen“, betont Angelika Revermann. Wie immer entscheide dann der Verwaltungsausschuss (VA) der Stadt Verden über die Verteilung.

Das Bewerbungsformular steht auf www.verden.de zum Herunterladen bereit.

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