Sport per Internet, Smartphone und Co.

Vereine im Kreis Osterholz mit kreativen Ideen für Sport in Corona-Zeiten

Sportler trifft die Schließung der Sportstätten. Immer mehr Vereine im Landkreis Osterholz schaffen Alternativen. Sie nutzen dazu moderne Kommunikationsmöglichkeiten.
16.01.2021, 05:50
Lesedauer: 5 Min
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Von Peter von Döllen
Vereine im Kreis Osterholz mit kreativen Ideen für Sport in Corona-Zeiten

Lucy Fleischer trainiert auf einem Rasenplatz vor ihrer Haustür. Ihr Trainer dreht Übungsvideos und verschickt sie per Smartphone.

Carmen Jaspersen

Es sind noch zehn Minuten bis zum Pilates-Kursus von Tanja Haase. Trotzdem sind schon einige Kursteilnehmer online. „Wir schnacken vorher noch ein wenig“, sagt die Übungsleiterin. Und auch nach dem schweißtreibenden Training bleiben die Sportler meist noch „auf Sendung“. Sportvereine geben nicht nur die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung, das Gesellige spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Vereinsalltag. Sie sind auch ein Treffpunkt. Beides bleibt in Corona-Zeiten aber auf der Strecke.

Derzeit ist mit den Vorgaben nur wenig machbar. Bei einem Tennis-Match können noch zwei Personen ihrem Hobby gemeinsam nachgehen - das bekommt man hin, wie Jörg Monsees, Vorsitzender des SVV Buschhausen bestätigt. Und Joggen geht auch. Die meisten Sportvereine in der Region haben ihren Sportbetrieb aktuell aber komplett eingefroren. Bewegungssüchtigen fehlen die Betätigungsmöglichkeiten.

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„Wir haben deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, wie wir den Mitgliedern trotzdem etwas bieten können“, erzählt Tanja Haase von der TuSG Ritterhude. „Online-Kurse sind die einzige Möglichkeit“, glaubt der Vorsitzende Hans-Hermann Magerkurth. Auch andere Vereine machen sich derzeit auf die Suche nach kreativen Lösungen, die allen Aktiven helfen.

Je nach Größe und Historie kommen die Sportvereine in der Corona-Krise sehr unterschiedlich zurecht. Abgesehen vom ruhenden Sportgeschehen sind es die Finanzen und die Angst vor Kündigungen, mit denen sich die Verantwortlichen beschäftigen müssen. Die Vereine sind darauf angewiesen, dass die Mitglieder treu bleiben und weiter ihren Beitrag bezahlen. Denn: Kosten laufen häufig weiter. „Wir hatten schon einige Austritte“, erläutert Magerkurth. Und einige hätten auch angefragt, warum der Verein denn Mitgliedsbeiträge einziehe, wo es doch keine Gegenleistung gebe. Carsten Brinkmann, Vorsitzender des VSK Osterholz-Scharmbeck, hat dafür Verständnis. Mancher müsse wegen Kurzarbeit oder anderer Corona-Einbußen sparen. Auch beim VSK habe es die eine oder andere Kündigung gegeben.

Digitale Alternativen

Schon länger leben etliche Vereine mit dem Phänomen, dass Mitglieder sich nicht zwangsläufig als Teil einer Gemeinschaft sehen, zu deren Bestand und Erfolg jeder nach seinen Möglichkeiten beitragen muss. Es geht aber auch anders. Der MTV Lübberstedt beispielsweise verzeichnet keine Kündigungen. „Unsere Mitglieder zeigen Verständnis für die Situation“, lobt der Vorsitzende Manfred Berner. Natürlich fehle den Sportlern die Bewegung. Alle zwölf Sparten stünden Gewehr bei Fuß, um bei Lockerungen der Vorgaben wieder loslegen zu können.

Umso wichtiger sind Alternativangebote für die Mitglieder. Nicht allen Vereinen sind die bisher gelungen. Während im Herbst Sport im Freien möglich war, ist das im Winter schwieriger. Und Online-Kurse sind auch kein Selbstläufer. „Wir überlegen noch. Es gibt auch Bedenken. Man braucht das Equipment“, berichtet beispielsweise Sandra Mahl, Pressesprecherin beim ATSV Scharmbeckstotel. Es hängt also auch von Mitgliedern ab, die Lust haben, sich einzutüfteln.

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„Ich musste mich mit dem Programm und anderen Dingen beschäftigen“, bestätigt Pilates-Trainerin Tanja Haase. Der Ritterhuder Verein verwendet die Konferenzsoftware Zoom. Vorgefertigte Filme wollte Haase aber nicht anbieten. „Da kann ich ja keine Übungen korrigieren“, sagt sie. Außerdem gibt es jetzt zumindest ein virtuelles Treffen. Die Kurse finden zu festgelegten Zeiten statt. Die Teilnehmer bekommen einen entsprechenden Login. Wer kann und mag, schaltet die Kamera dazu ein, teilnehmen kann man aber auch ohne. Für TuSG-Mitglieder ist das Angebot kostenlos. Nichtmitglieder können ebenfalls teilnehmen; sie müssen nach der einen oder anderen Probestunde eine Gebühr von fünf Euro je Training bezahlen. Inzwischen wächst das Angebot der Ritterhuder: Mit Kindertanz gibt es nun auch etwas für junge Mitglieder.

Auch beim VSK Osterholz-Scharmbeck trainieren die Rhönrad-Sportler gemeinsam online. Dabei stehen etwa Kraftübungen mit dem eigenen Körper sowie mit einem Theraband, aber auch Übungen mit einem Stuhl oder Handstand-Varianten auf dem Plan. Ein intensives Dehnprogramm schließt die Einheiten ab. Zweimal pro Woche „treffen“ sich die Sportler der Leistungsgruppe, ein Mal wöchentlich der Nachwuchs.

Positive Resonanz

In eine ähnliche Richtung geht eine Aktion von Jörn Flauder. Der Trainer der Fußballdamen beim VSK Osterholz-Scharmbeck dreht Trainingsfilme, etwa mit den Spielerinnen der C-Mannschaft. Da geht es um Koordination, Balltechnik und mehr. „Die schicken wir den Sportlern, die dann selber nach den Vorgaben trainieren“, erklärt Flauder. Aber nicht nur Fußballer könnten die Filme vereinsintern nutzen, auch andere Sportler profitierten davon. Es geht auch darum, die jungen Leute zu motivieren. „Bisher bleiben alle bei der Stange“, freut der Übungsleiter. Die Rückmeldungen seien sehr positiv.

Der Kneipp-Verein Osterholz-Scharmbeck will Ende Januar digital einsteigen. Der Kursus „Bewegung und Beweglichkeit“ soll über das Konferenz-Programm Zoom laufen. Sollte sich das Konzept bewähren, dürften weitere Kurse folgen, sagte Vorstandssprecherin Annette Grewe.

Auch die Fitnessstudios in der Region bieten inzwischen Online-Training an. Das gilt unter anderem für das Gym, das Ballance, „Fit mit Janina“ und das Mygym. Die Angebote sind recht unterschiedlich. Sie reichen von Filmen bei Youtube oder anderen Kanälen bis hin zum persönlichen Coaching per Computer.

Onlineangebote für mehr Fitness

Immer mehr Vereine kreieren Ideen, wie Mitglieder und manchmal auch Interessierte sich allein oder im kleinen Kreis zu Hause fit halten können. Die folgende Aufzählung listet Beispiele auf. Umfassend kann sie aber nicht sein. Es lohnt sich also, sich bei den Vereinen zu erkundigen, ob ein passendes Angebot dabei ist.

Eine Übersicht über Sportvereine gibt es auf der Internetseite des Landkreises Osterholz unter der Adresse www.landkreis-osterholz.de/fuer-buerger/dienstleistungen/freizeit-und-sport/sportvereine/?vs=1.

TuSg Ritterhude: Verschiedene Trainingskurse auch für Kinder per Konferenzprogramm. Informationen bei Tanja Haase unter Telefon 0 42 92 / 93 00 oder unter www.tusg-ritterhude.de.

VSK Osterholz-Scharmbeck: In den Abteilungen gibt es unterschiedliche Angebote, online oder per Video zu trainieren. Infos gibt es in der Geschäftsstelle unter Telefon 0 47 91 / 8 22 44 oder im Internet auf https://vsk-ohz.de.

Kneipp-Verein: Am 29. Januar startet der Onlinekursus „Bewegung und Beweglichkeit“. Infos dazu gibt es in der Geschäftsstelle (Telefon 0 47 91 / 8 07 96 30) oder im Internet unter www.kneippverein-ohz.de.

Norddeutscher Turnerbund (NTB): Der NTB hat viele Trainingsfilme, auch für Kinder, die frei verfügbar sind auf seiner Homepage https://www.ntbwelt.de/vereinsservice/wissensplattform/bewegungsangebote/iframe-ntb-zu-hause.html bereitgestellt.

Landessportbund (LSB): Beim LSB gibt es ebenfalls eine Sammlung von Onlinemöglichkeiten: https://www.lsb-niedersachsen.de/sportbleibtstark

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