Lehrer prüfen Fremdsprachenwissen Sprachendorf für Hamberger Schüler

Hambergen. Aus dem Nichts ist am Freitag in der Gesamtschule Hambergen ein kleines Dorf aufgetaucht. Komplett mit Apotheke, Bahnhof, Café und vielen anderen Läden. Mit deutsch kam man dort nicht weit. Die 'Amtssprachen' im Sprachendorf waren Französisch und Englisch.
20.08.2010, 16:50
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Sprachendorf für Hamberger Schüler
Von Brigitte Lange

Hambergen. Aus dem Nichts ist am Freitag in der Gesamtschule Hambergen ein kleines Dorf aufgetaucht. Komplett mit Apotheke, Bahnhof, Café und vielen anderen Läden. Mit deutsch kam man dort nicht weit. Die 'Amtssprachen' im Sprachendorf waren Französisch und Englisch.

'Für uns ist das eine Premiere', berichtete Yvonne Stahl, Fachleitung Fremdsprachen an der KGS. Bisher wurden die Sprachkenntnisse der Schüler auf dem klassischen Weg mit Hilfe von Klassenarbeiten abgefragt. Tests, die nur wenig über die Sprachfähigkeit der Schüler aussagen. Genau die mussten die Zehntklässler gestern in dem Dorf unter Beweis stellen. Nach kurzer Vorbereitung schlüpften sie an den Stationen in die Rollen von Kunden und Verkäufern, tauschten Höflichkeiten aus, gaben Bestellungen auf, beglichen Rechnungen. Situationen, wie sie sie im Urlaub erleben könnten.

Das Grundgerüst für die jeweiligen Dialoge gaben die Lehrer vor. Im Café des Dorfes sollte ein Schüler nach der Speisekarte fragen während sein Team-Partner in die Rolle des Kellners schlüpfte und die Bestellung aufnahm. Den genauen Dialog mussten die Jugendlichen selbst ausarbeiten - mit Hilfsmitteln wie dem Wörterbuch. In diesen Rollenspielen bekämen sie mitunter einen ganz neuen Eindruck von ihren Schülern als im Unterricht, meinte Stahl. Damit der unverfälscht blieb und nicht von möglichen Erwartungen der Kursleiter getrübt würde, wurden die Teams immer von Lehrern bewertet, die die Schüler nicht aus dem eigenen Unterricht kannten.

Lehrer prüfen Kenntnisse

'Rund 130 Schüler haben heute am Sprachendorf teilgenommen', überschlug Stahl. Je nach Schulzweig (Haupt- und Realschule, Gymnasium) mussten sie bis zu zehn Dialoge führen. Mit 20 Kollegen hat die Fachleiterin die Kenntnisse geprüft. Die Pädagogen achteten nicht nur auf den Sprachgebrauch. Sie schauten sich an, wie gut die Schüler in ihre Rollen schlüpften, wie sie miteinander ins Gespräch kamen und wie gut oder schlecht die Aussprache war. Die Gymnasiasten mussten zusätzlich völlig frei - ohne Vorbereitung - über ein Thema sprechen. Dazu wurden ihnen Fotos vorgelegt, zu denen sie sich Geschichten ausdenken sollten. 'Einer der Schüler meinte, das sei zehn mal schwieriger gewesen, als die Dialoge', erzählte Stahl.

'Am Anfang habe ich nicht viel vom Sprachendorf gehalten', räumte der Zehntklässler Niklas Seibt ein. Zehn Dialoge auswendiglernen und dafür Noten bekommen - das hörte sich nicht vielversprechend an. 'Aber es macht richtig Spaß', gab Seibt nach einigen Stationen zu. Auch Team-Partner Patrick Menge sagte, dass es ihm bei dem Rollenspiel leichter falle, eine andere Sprache zu sprechen als im regulären Unterricht.

Ähnlich positiv fielen die ersten Reaktionen der Lehrer aus, berichtete Stahl: 'Selbst die Kollegen, die anfangs skeptisch gewesen waren, finden, dass es gut läuft.' Bedenken, dass Schüler nicht mitmachen würden und die Aktion in Lärm und Chaos ausarten würde, bestätigten sich nicht.

Trotz des enormen Aufwands - Stahl weist auf die Materialschlacht und die Organisation der Vertretungsstunden für die 20 Lehrer, die im Dorf halfen, hin - wollen die Pädagogen das Sprachendorf im kommenden Juni erneut aufbauen. Ein Ergebnis, über das sich nicht zuletzt Susanne Quandt freute. Die an der KGS unterrichtende Fachmoderatorin für Englisch an Gesamtschulen in Niedersachsen hatte die Idee in ihrer Funktion als Moderatorin aus Aurich nach Hambergen importiert.

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