Stadtwerke Achim

Ladehemmung im Landkreis

Sechs E-Ladesäulen haben die Stadtwerke Achim in Oyten, Langwedel und Achim mittlerweile in Betrieb genommen. Die Zugriffszahlen sind allerdings nach wie vor überschaubar – mit einer Ausnahme
05.08.2020, 16:45
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Von Elina Hoepken und Andreas Becker
Ladehemmung im Landkreis

Die Ladesäule am Achimer Rathaus ist eine große Ausnahme. Hier sind die Zugriffszahlen nämlich deutlich höher als an den anderen fünf Stationen.

Björn Hake

Vor genau eineinhalb Jahren nahmen die Stadtwerke Achim ihre erste öffentliche E-Ladesäule in Betrieb. Am 6. Februar 2019 wurde feierlich die erste Anlage an der Aller-Weser-Klinik in Bierden eingeweiht. Zwei weitere wurden fast zeitgleich auf dem Baumplatz am Achimer Rathaus und bei „Sam Urban Food“ in Oyten installiert. Als „Testballon“ bezeichnete Sven Feht, Vorstandssprecher der Stadtwerke Achim AG, damals die drei Ladesäulen. Denn niemand konnte zu diesem Zeitpunkt absehen, wie sich die E-Mobilität im Landkreis Verden entwickeln würde. „Bisher ist es im Landkreis Verden noch kein großes Thema, aber es wird es werden“, prognostizierte Feht damals.

Mittlerweile betreiben die Stadtwerke Achim sechs Ladesäulen. Mitte März dieses Jahres sind noch eine am Rathaus in Langwedel, eine am Parkhaus beim Kasch und eine dritte am Edeka-Markt an der Bierdener Kämpe hinzugekommen. Jetzt, eineinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme der ersten Ladestation, zeigt sich allerdings, dass der große Run auf die Ladesäulen noch immer ausbleibt. Und das obwohl Feht damals die Hoffnung äußerte, dass nach einem Jahr die Nutzungszahlen erfreulicher aussehen würden. Doch diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.

Denn wie aktuelle Zahlen der Stadtwerke belegen, wurde die Ladesäule am Krankenhaus in Bierden in den vergangenen 18 Monaten gerade einmal 17 Mal (mit einem Gesamtladevolumen von 217 Kilowattstunden) genutzt – neun Ladungen gab es demnach im Jahr 2019 und weitere acht seit Januar dieses Jahres. Ein bisschen besser sieht es da schon bei Sam in Oyten aus, wo die Ladesäule bisher immerhin 53 Ladungen (mit 592 Kilowattstunden) verzeichnen konnte.

Drei weitere Ladesäulen seit März

Die drei neuen Ladesäulen wurden seit ihrer Inbetriebnahme im März dieses Jahres recht unterschiedlich genutzt. Während es bei Edeka an der Bierdener Kämpe bisher 22 Ladungen (mit 60 Kilowattstunden) und am Rathaus in Langwedel 15 Ladungen (mit 53 Kilowattstunden) gab, wurde die Ladesäule am Kasch-Parkhaus bisher lediglich dreimal mit einem Ladevolumen von insgesamt 21 Kilowattstunden genutzt. Einen positiven Ausreißer stellt indes die Ladesäule am Achimer Rathaus dar. „Die wird mittlerweile wirklich gut angenommen“, bestätigt Stefan Miebach von den Stadtwerken Achim.

Diese positive Einschätzung spiegelt sich auch in den Zahlen wieder. An der Ladesäule am Rathaus gab es seit der Inbetriebnahme am 6. Februar 2019 bisher insgesamt 506 Ladungen mit einem Volumen von 4088 Kilowattstunden. „Das liegt aber vor alle auch daran, dass es dort eine Car-Sharing-Station mit einem E-Auto gibt und auch den Mitarbeitern des Rathauses das E-Auto als Dienstwagen zur Verfügung steht“, sagt Miebach.

Bis auf diese eine positive Ausnahme würden die Ladesäulen der Achimer Stadtwerke bisher noch viel zu wenig genutzt. „Allerdings merken wir langsam einen leichten Anstieg.“ Seitdem die Förderung für E-Autos im Zuge der Coronahilfen noch einmal verbessert wurden, spielen seiner Erfahrung nach mehr Leute mit dem Gedanken, sich ein E-Auto zu kaufen. „Das Interesse ist auf jeden Fall größer geworden. Zuvor waren in der Region einfach noch nicht genügend E-Autos vorhanden, die die Ladesäulen nutzen könnten“, ist Miebach überzeugt.

Stadtwerke Verden begannen schon 2011

In Verden lässt sich indes mittlerweile bereits ein deutlicherer Effekt erkennen. Im Jahr 2011 stellten die dortigen Stadtwerke auf dem eigenen Betriebsgelände die erste Ladesäule auf. „Wir waren damals Pioniere im Landkreis und haben seitdem auf den Bedarf reagiert“, beschreibt Joachim Weiland, Geschäftsführer der Stadtwerke Verden die Strategie. Anfangs sei die Nachfrage allerdings „nicht so hoch“ gewesen. Trotzdem stellten die Stadtwerke 2012 eine zweite Ladesäule auf dem Parkplatz der Aller-Weser-Klinik Verden auf. Mittlerweile betreibt das Unternehmen mit Stationen am Verwell und an der Reeperbahn vier Ladesäulen.

Und die Verbrauchszahlen belegen eine allmählich steigende Nachfrage im Laufe der Jahre. Wurden 2014 an den beiden Säulen zusammen etwa 500 Kilowattstunden geladen, stieg der Verbrauch 2015 an, allerdings auch durch den firmeneigenen E-Golf, der seither als Dienstwagen genutzt wird. 2016 luden die Autofahrer bereits etwa 3200 Kilowattstunden. 2019 registrierten die Stadtwerke den bislang höchsten Verbrauch von rund 7500 Kilowattstunden – ein Wert, mit dem Jörn Zahnd, Leiter Marketing und Energieberatung, auch für das laufende Jahr rechnet.

Trotz der steigenden Nachfrage an den Ladesäulen sind Elektroautos immer noch Raritäten auf den Straßen des Landkreises. Nach Angaben der Zulassungsstelle der Kreisverwaltung sind aktuell 237 reine Elektroautos, 632 Hybridfahrzeuge (Elektro und Benzin) sowie 132 Hybridfahrzeuge (Elektro und Diesel) zugelassen.

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