Ladesäulen sind nicht wirtschaftlich

„Eine Investition in die Zukunft“

28 Ladesäulen haben die Osterholzer Stadtwerke mit Partnern im Landkreis installiert. Wirtschaftlich ist ihr Betrieb noch nicht, aber ein Beitrag, dass der Verkehr bis 2050 klimaneutral wird.
24.03.2021, 10:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg
„Eine Investition in die Zukunft“

Jürgen Möller ist Sprecher der Stadtwerke Osterholz.

Silke Looden

Herr Möller, einige Jahre haben die Stadtwerke Osterholz den Strom fürs Laden verschenkt, derzeit gibt es eine Flatrate-Karte und zukünftig erfolgt die verbrauchergerechte Abrechnung nach Kilowattstunde. Können Sie das erklären?

Jürgen Möller: Dies spiegelt die technische und eichrechtliche Entwicklung bei der Ladesäulentechnologie wider und auch die rechtlichen Anforderungen. Die neue Mess- und Eichverordnung macht den Einbau neuer Messtechnik erforderlich. Die Hersteller der Ladesäulen mussten umfassende Umrüstungen an jeder einzelnen Anlage vornehmen und abschließend deren Abnahme durch die Eichbehörde durchführen lassen. Bei Anlagen der ersten Generationen erfolgte häufig ein vollständiger Austausch der Ladesäule.

Verdienen die Stadtwerke Geld an den Ladesäulen?

Nein. Es ist eine Investition in die Zukunft, damit in dieser Region die Verkehrswende gelingt. Für die wirtschaftliche Auslastung der bundesweit 33.000 Ladepunkte wären rund 550.000 vollelektrische Fahrzeuge notwendig, im Dezember 2020 war es aber erst knapp die Hälfte. Die Investitionen für die Infrastruktur und der Betrieb der Ladesäulen sind bisher keineswegs wirtschaftlich. Aber auch wir wollen, dass der Verkehr bis 2050 klimaneutral ist, ohne dass die Mobilität der Menschen eingeschränkt ist.

Wann ging Ihre erste Ladesäule in Betrieb?

Im Dezember 2011 haben wir die erste öffentliche Stromtankstelle im Landkreis Osterholz vor unserem Ritterhuder Kundenzentrum eingeweiht. Auch mitten in Osterholz-Scharmbeck und Lilienthal haben wir Stromtankstellen aufgebaut. Danach haben wir zusammen mit weiteren engagierten Unternehmen die Ladeinfrastruktur im Landkreis erweitert. Als erstes Unternehmen und am umfassendsten hat sich die Volksbank eG Osterholz Bremervörde engagiert und an sieben Standorten Stromladesäulen installiert. Mittlerweile haben wir zusammen mit unseren Partnern 28 Stromladesäulen im Landkreis installiert, Tendenz weiter steigend.

Wo werden die E-Autos bevorzugt aufgeladen?

Das Tanken zuhause hat mit 85 Prozent den höchsten Anteil der Ladevorgänge. Eine Wallbox für das Tanken daheim ist von einem Elektro-Fachbetrieb leicht installiert, und wir fördern den „Installations-Check“. Außerdem gibt es 900 Euro vom Bund. Laden an der eigenen Steckdose ist hier am Rand von Bremen interessant, denn viele Menschen aus dem Landkreis arbeiten in Bremen und haben tägliche Fahrtstrecken von 40 bis 60 Kilometern. Dafür ist die Reichweite der Elektrofahrzeuge bereits voll ausreichend. Wir registrieren ein zunehmendes Interesse der Hausbesitzer, den Strom für das Auto auf dem eigenen Dach zu produzieren. Mit einer Fotovoltaikanlage und einem passenden Speichersystem ist der Kunde dann bei der Mobilität vollkommen autark.

Die Fragen stellte Johannes Heeg.

Info

Zur Person

Jürgen Möller (60)

ist seit 22 Jahren Sprecher der Osterholzer Stadtwerke.

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