Aufnahme in die IGS Lilienthal-Grasberg

Start für 161 Jungen und Mädchen

Grasberg. Die IGS (Integrierte Gesamtschule) Lilienthal hat im Forum der Findorffschule die Einschulung ihres ersten Jahrgangs gefeiert.
05.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Start für 161 Jungen und Mädchen
Von Undine Zeidler
Start für 161 Jungen und Mädchen

Verschieden sein und doch miteinander lernen – diese Mädchen und Jungen sind die ersten Schüler der neu gegründeten IGS. "Heinrich" heißt der erste Jahrgang. Er vereint 155 IGS-Schüler und sechs Schüler der Kooperationsklasse aus der Schule am Klosterplatz.

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Grasberg. 16 Lehrer singen. Kinder mit Schulrucksäcken auf dem Schoß oder neben den Füßen klatschen im Takt. Eine Mutter singt mit und spätestens beim ersten Refrain, wenn es heißt, "An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit", ist der Funke auf einige Hundert Menschen übergesprungen.

Das Lied trägt Pioniergeist in den Saal. Eine neue Schule beginnt, eine neue Schule für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Die IGS (Integrierte Gesamtschule) Lilienthal feiert im Forum der Findorffschule die Einschulung ihres ersten Jahrgangs.

"Heinrich" heißt der erste fünfte Jahrgang, benannt nach dem Worpsweder Maler Heinrich Vogeler. In sechs Klassen werden darin 155 IGS-Schüler gemeinsam mit sechs Schülern der Kooperationsklasse von der Schule am Klosterplatz Osterholz-Scharmbeck lernen.

Aufgeregt sitzen vor der Feier die drei Freundinnen Leonie, Nele und Jana nebeneinander. Die Lilienthalerinnen wissen schon, dass sie in eine Klasse kommen werden. Das macht ihnen den Start in die weiterführende Schule leichter. Und dass sie in Grasberg lernen werden, "das ist eigentlich egal", meint Jana.

Sie und ihre Mitschüler erwarten pro Klasse ein Klassenleiterteam aus je zwei Lehrern und eine Schule, deren Grundgedanken auf Plakaten an den Wänden zu lesen sind: "Schule als Lebensraum", "Verschieden sein", "Zeit nehmen" und "Miteinander gemeinsam lernen".

Schulleiterin Carina Kögel-Renken ergänzt dazu, "dass jeder Schüler da anfangen kann, wo er gerade steht". Nicht immer müssen darum die 26 bis 28 Kinder einer Klasse zur gleichen Zeit das Gleiche tun. "Individualisiert und gemeinsam" nennt Kögel-Renken das und betont den Zusammenhalt in der neuen Schule.

Die sechs Schüler der Kooperationsklasse "werden bei uns gleich mitgedacht", sagt sie, und in zwei IGS-Klassen eingeschult. Mehr als Lernen unter einem Dach soll diese Kooperation werden. Carina Kögel-Renken zählt zu ihrem 18-köpfigen Kollegium neben den zehn IGS-Lehrern darum das Team der Schule am Klosterplatz hinzu.

Über die Lehrer schwärmt die Schulleiterin: "Wir sind gut zusammengewachsen" – nach einem halben Jahr Planungsgruppe mit Kompakttagen, gemeinsamen Wochenenden und wöchentlichen Treffen, bei denen gelegentlich der Hausmeister der Findorffschule spät am Abend daran erinnerte, dass er nun die Schule abschließen wolle. Kögel-Renken versichert, das Kollegium starte bestens vorbereitet und hoch motiviert.

Lehrer singen für Schüler

Die Lehrer sangen für ihre Schüler. Carina Kögel-Renkens sprach vom Zauber des Neuanfangs für Schüler und Lehrer. Elisabeth Fischmann begrüßte im Namen der Findorffschule, und deren Sechstklässler spielten einen Schnellkursus in ägyptischer Geschichte als Theaterstück. Dazu ein kurzes Grußwort von Landrat Jörg Mielke – die großen Reden soll es Ende September zu offiziellen IGS-Einweihung geben –, und endlich war es endlich so weit: Die Klassenleiterteams riefen ihre jeweiligen Schüler auf. Nach jeder Namensliste brandete eine summende Unruhe durch das Forum. Kaum fasste dies alle Mütter und Väter, die der Einschulung ihrer Kinder beiwohnen.

Vier Jahre ist es her, dass die Verantwortlichen im Landkreis zum ersten Mal eine IGS für den Ostkreis gedacht hatten. Nun sitzen die Bürgermeister aus Lilienthal, Willy Hollatz, und Grasberg, Marion Schorfmann, sowie der stellvertretende Bürgermeister Gerhart Witte aus Worpswede und Landrat Jörg Mielke in der ersten Reihe der Eröffnungsfeier und freuen sich daran, dass eine Vision wahr wird. Wenn auch weitaus später und mit den Schulen in Lilienthal/Außenstelle Grasberg anders als von den Gemeinden Lilienthal, Grasberg und Worpswede anfangs geplant.

Der Landrat nennt diese erste IGS-Einschulung einen "Tag zum Feiern". Zu Ende ist das Projekt für ihn indes nicht. "Es muss anlaufen", sagt Mielke. Mit den Gemeinden wolle der Landkreis beobachten, ob Räume, Ausstattung, Ganztagsbetrieb und Mensa sowie die Schülerbeförderung wie geplant funktionieren.

"Es ist gut, dass hier Leben ist", freut sich die Grasberger Bürgermeisterin Marion Schorfmann und, dass weiterhin Schule in Grasberg stattfindet. Was die Busfahrten betrifft, da schmunzelt Schorfmann: "Schülerbeförderung haben wir früher geübt in 30 Jahren Orientierungsstufe." Für Schüler und Eltern anstrengend empfand sie hingegen die zurückliegenden Jahre der Ungewissheit. Dass im ersten Jahrgang 155 Schüler lernen, entspreche dem Ergebnis der vor einigen Jahren durchgeführten Elternbefragung zur IGS. Schorfmann freut sich, dass keine Schüler abgewandert seien. "Das Konzept ist aufgegangen."

In diesem Schuljahrgang konnten nun Kinder und Eltern erstmals wählen zwischen IGS und Gymnasium. "Ich habe mich echt schwer getan", erzählt Anja Bödeker aus Lilienthal. Letztlich habe sie sich für die IGS entschieden. Die passe besser zu ihrem Sohn und erlaube ihm "vielleicht einfach noch ein bisschen Kind zu sein".

Dass er künftig mit dem Bus zur Schule fährt, ist für sie in Ordnung. Besser zu ihrem Kind passt die IGS auch aus Sicht von Astrid Vanselow. Gerade aus Hessen nach Hüttenbusch gezogen, hatte sie sich im Internet über die Schulen informiert und sich für die Laufbahn entschieden, über die sie sagt: "Ich muss mich nicht auf eine Richtung festlegen." Erst einmal bleiben der Tochter alle Wege offen.

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