Tag des offenen Denkmals Steinerne Engel stehen auf alten Gräbern

Lilienthal. Die Gründungsurkunde ist untergegangen, bei einer der vielen Fluten im Sankt Jürgensland. Die kleine Kirche, erbaut auf einer natürlichen Sanddüne, hat Hochwasser und Stürme überstanden. Am Sonntag, 12. September, öffnet die Pastorin Kirchtüren und Friedhofstore.
09.09.2010, 06:00
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Von Michael Wilke

Lilienthal. Die Gründungsurkunde ist untergegangen, bei einer der vielen Fluten im Sankt Jürgensland. Die kleine Kirche, erbaut auf einer natürlichen Sanddüne, hat Hochwasser und Stürme überstanden. Am Sonntag, 12. September, öffnet die Pastorin Kirchtüren und Friedhofstore.

800 bis 900 Jahre ist die Kirche alt, genau weiß die Pastorin Katharina Ziegler das nicht. Das weiß getünchte Gotteshaus mit dem roten Ziegeldach ist eines der ältesten im Kreis. Das gilt auch für den Friedhof, auf dem der plattdeutsche Dichter Heinrich Schmidt-Barrien begraben ist.

Der zweite Sonntag im September ist der Tag des offenen Denkmals. Dann stehen überall in Deutschland Kirchen und Bauernhäuser, Mühlen und Museen im Blickpunkt. Im Worpsweder Ortsteil Schlußdorf bildet das Torfschiffswerftmuseum einen Anziehungspunkt für Menschen, die sich für das Leben in vergangenen Jahrhunderten interessieren. Hier wurden mehr als 600 Boote gebaut; hier steht ein 100 Jahre altes Torfschiff. Schwarzweiß-Aufnahmen geben Einblicke in die Ära der Torfschiffer und Moorbauern, ebenso wie Torfwagen, und Geräte für den Torfabbau. Geöffnet ist das Torfschiffswerftmuseum am Sonntag von 10 bis 18 Uhr; Führungen werden angeboten. Nähere Informationen gibt es beim Heimatverein (Telefon: 04792/2750).

Eisenringe und steinerne Engel

Draußen im Sankt Jürgensland beginnt der Tag des offenen Denkmals am Sonntag um zehn Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche. 220 Menschen passen hinein, mehr geben die Kirchenbänke unten und oben auf der Empore nicht her. Doch ist die Sankt-Jürgen-Kirche immer noch größer als die Truper Kapelle, das älteste Kirchlein Lilienthals. An der Kirchenmauer springen Besuchern eiserne Ringe ins Auge. Hier machten die Bauern im Winter ihre Boote fest, denn von Anfang November bis Mitte April stand die Wümmeniederung unter Wasser. War sie zugefroren, glitt das Landvolk auf Schlittschuhen zur Kirche.

Am Sonntag wird es Führungen in der Kirche geben - und im Küsterschulhaus. Es steht jetzt leer; die Mieter sind ausgezogen, bald wird es neu vermietet. 'Jetzt besteht die einmalige Gelegenheit, das ganze Küsterschulhaus zu zeigen', sagt Katharina Ziegler. Auch den Dachboden. Die Treppe zum Boden steht in der Wohnung. Die Pastorin hofft, dass das Haus, in dem der Kirchenmusiker lebte und die Bauernkinder unterrichtete, in ein paar Jahren saniert und für Bürger geöffnet werden kann. Geplant ist eine Pilgerherberge mit 20 Betten.

'Wir wollen am Sonntag auch unseren Friedhof zeigen', sagt Katharina Ziegler. 'Wir haben einen der ältesten Friedhöfe.' Hier ist der Schulmeister Barnsdorf begraben. Auf dem Grabstein sieht man einen Reiter. 'Wir haben alte Grabsteine in einer Ecke separat aufbewahrt',erklärt die Pastorin. Viele sind mit Engelsfiguren und anderen Symbolen verziert.

Bewusst rücken die Gemeinden im Kirchenkreis beim Tag des offenen Denkmals ihre Kirchen in den Blick. 'Friedhöfe - Orte des Lebens' heißt das Motto. Damit reagiere die Kirche auf die Tabuisierung des Themas Tod und Sterben in der Gesellschaft, sagt Ziegler. Darum gibt es Führungen über die Friedhöfe, Mitarbeiter des Hospizdienstes sind ansprechbar für Bürger. In Höftdeich an der Sankt-Jürgens-Kirche gibt es zwischen 11 und 17 Friedhofsführungen; in der Kirche spielt das Ensemble Chalil ab 14.30 Uhr Klezmer-Musik: 'Melodien der Seele'. Es gibt Suppe und Eis vom Biohof Kaemena, Kaffee und Kuchen. Auf dem Grasberger Friedhof an der Speckmannstraße werden am Sonntag um 15 und 16 Uhr Führungen angeboten; Thema: 'Grab-Stein-Kultur im Wandel der Zeiten'. Auch Kirche und Orgel können besichtigt werden.

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