Aaron vertreibt Artgenossen

Storch erkämpft sich seinen Horst zurück

Landkreis Osterholz. Seit Anfang März warten die Storchenfreunde im Landkreis Osterholz auf ihn. Aaron, der Weißstorch kam Anfang März nicht aus Afrika zurück. Alle hielten ihn für tot. Nun hat die Geschichte eine positive Wendung genommen.
16.05.2014, 17:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Storch erkämpft sich seinen Horst zurück
Von Brigitte Lange
Storch erkämpft sich seinen Horst zurück

Storch Aaron ist doch noch in Osterholz-Scharmbeck eingetroffen. Nachdem er bereits für verschollen erklärt worden war, tauchte er Anfang Mai bei seinem Nest auf. Ein Wunde am Flügel verrät möglicherweise, warum er so spät gekommen ist.

Ilsabein Höper

Seit Anfang März warten die Storchenfreunde im Landkreis Osterholz auf ihn. Aaron, der Weißstorch mit der Ringnummer 1X459 kam Anfang März nicht aus Afrika zurück. Alle hielten ihn für tot. Nun hat die Geschichte eine positive Wendung genommen.

Die schlechte Nachricht vorweg: Die Brut von Storchen-Mann Orion und seiner Partnerin ist zerstört. Die gute Nachricht: Der bereits tot geglaubte Storch Aaron ist vor wenigen Tagen doch noch aus seinem Winterquartier zurückgekehrt. Allerdings forderte er seinen Horst beim Möbelhaus in Buschhausen, den er seit etwa 2008 bewohnt, zurück. Und eben den hatte sich Orion für seine Familie ausgesucht. „Das war ein ganz heftiger Kampf“, berichtet Ilsabein Höper. Ein Kampf, in dem Orion am Ende unterlegen war und mit Partnerin das Weite suchte.

Die Storchenfreundin Ilsabein Höper kennt ihren Aaron. Seit Jahren schaut sie regelmäßig bei seinem Horst vorbei, beobachtet das Treiben dort, fotografiert ihn, seine Partnerin, den Nachwuchs. Im vorigen Jahr sei da einiges schief gelaufen, erinnert sie sich. Die Partnerin, die Aaron letztlich 2013 an seiner Seite hatte, war zu jung für Nachwuchs gewesen. In den Jahren davor habe der Storch aber immer Junge großgezogen. „Ganz toll hat er das gemacht; ich habe sogar Bilder, auf denen er den Jungen Wasser im Schnabel brachte“, berichtet Ilsabein Höper.

Aber dieses Jahr blieb der Horst leer. Anfang März hatten Höper und der Nabu-Kreisstorchenbeauftragte Ortwin Vogel Aaron zurückerwartet. Im vorigen Jahr war der Weißstorch sogar schon im Februar aus seinem Winterquartier heimgekehrt. Fast zu früh. Schließlich sollte der Frost das Land noch bis in den April hinein fest in der Hand haben. Dieses Jahr verstrich der März, genau wie der April und kein Aaron tauchte auf. Ortwin Vogel ging daher davon aus, dass dem stattlichen Storchenmännchen etwas zugestoßen sein musste, er getötet worden, umgekommen sei. Er war völlig erstaunt, ja überrascht, als ihm Ilsabein Höper nun von der Heimkehr des Vermissten berichtete.

Um 100-prozentig sicher sein zu können, dass es Aaron ist, zog er direkt los und las die Nummer auf dem Ring des Vogels ab. „Ortwin Vogel hat mit Hilfe des Spektivs festgestellt, dass es sich tatsächlich um Aaron mit der Ringnummer 1X459 handelt“, berichtet Höper. Irrtum also ausgeschlossen. Sie selbst hatte an der Identität auch nicht gezweifelt. Aaron sei ein „riesen großer Kerl“; nicht leicht zu verwechseln.

Eine Idee, warum er erst Anfang Mai seinen Horst in Buschhausen in Besitz nahm, hat Höper inzwischen. Sie hat eine große, kreisrunde Wunde an einem Flügel des Weißstorches ausgemacht. Vielleicht, so meint sie, sei er in Afrika angeschossen worden. Der Kreisstorchenbeauftragte ist indes skeptisch. Die Wunde könne ebensogut beim Kampf mit Orion entstanden sein, sagt er. Solche Rivalitäten könnten durchaus tödlich enden. Er bedauerte, dass Aaron keinen Sender trägt. Dann könne sein „umtriebiges“ Leben besser dokumentiert werden.

„In den ersten Tagen hat er sich kaum vom Horst fortbewegt“, erzählt Ilsabein Höper. Aaron habe das Nest gegen alles und jeden verteidigt. Wie er dort so allein auf dem Horst stand, „da tat er mir immer so leid“, sagt Höper. Aber als sie Donnerstagnachmittag wieder bei seinem Nest vorbeiguckte, hörte sie ihn bereits aus der Ferne mit dem Schnabel klappern. „Und auf einmal kam ein zweiter Storch dazu“, berichtet sie. „Aaron hat eine Braut; ich bin ganz von den Socken“, freut sie sich. Für eine erfolgreiche Brut ist es allerdings schon recht spät im Jahr. Ortwin Vogel hatte der Redaktion vor wenigen Tagen noch gesagt, dass als Stichtag für eine Brut der 15. Mai gelte. Er räumte allerdings ein, auch schon spätere Bruterfolge erlebt zu haben. Und auch Ilsabein Höper hat Storchenpaare beobachtet, die noch nach dem 15. Mai mit dem Brüten begonnen und ihren Nachwuchs groß bekommen haben.

Wohin es nun Weißstorch Orion und seine Gefährtin verschlagen hat, konnte Ilsabein Höper nicht sagen. Auch Ortwin Vogel muss erst nach den beiden Ausschau halten. Vielleicht sei das Paar im Tierpark Ludwigslust gelandet. Dort habe sie zumindest Orion bereits als Jung-Storch, der noch keine Familie gründen konnte, auf einem Nest gesehen, berichtet Höper. Das Gelege beim Möbelhaus sei tatsächlich das erste gewesen, das Orion gebaut hat.

In Buschhausen hatte sich Orion nicht nur Freunde gemacht, räumt Ilsabein Höper ein. Der junge Storchen-Mann sei nämlich vom Horst runter auf den Parkplatz des SB-Möbelmarktes geflogen, sei auf den Dächern der dort geparkten Autos gelandet, habe den Lack zerkratzt. Selbst als ihm das abgewöhnt worden war, stolzierte er noch zwischen den Autos herum. „Ein komischer Storch“, urteilt Ilsabein Höper. Trotzdem bedauert sie es, dass seine erste Brut zerstört wurde.

Eine letzte durchaus gute Nachricht hat die Storchenfreundin noch: „Bei Familie Seedorf im Tierpark sind die ersten drei Jungstörchlein gesichtet worden.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+