Zum August fehlen vier Betreuungsplätze in Osterholz-Scharmbeck

Suche nach Integrationsplätzen geht weiter

Osterholz-Scharmbeck. Die Lebenshilfe Osterholz wird den Kindergarten Malletstraße nicht übernehmen. Für die Eltern, die ihre Jüngsten in diese kommunale Einrichtung schicken, ist das Thema damit nicht vom Tisch.
17.05.2014, 09:00
Lesedauer: 3 Min
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Suche nach Integrationsplätzen geht weiter
Von Brigitte Lange

Die Lebenshilfe Osterholz wird den Kindergarten Malletstraße nicht übernehmen. Die Eltern, die ihre Jüngsten in diese kommunale Einrichtung schicken, nahmen trotz der unerwarteten Wendung an der Sitzung des städtischen Ausschusses für Bildung und Erziehung teil. Sie gehen davon aus, dass das Thema damit nicht vom Tisch ist, wollten Stellung beziehen. Auch die Opposition griff das Thema „Integrationsplätze in kommunalen Kindergärten“ trotz Absage auf.

„Alle Eltern im Kindergarten Malletstraße sind für die Einrichtung einer Integrationsgruppe“, ergriff Antje Kappel für die Mütter und Väter des Kindergartens das Wort. „Aber mit unserem Team von Erzieherinnen.“ Mit einer Fortbildung seien die Mitarbeiterinnen der Aufgabe gewachsen. Sie kritisierte nicht nur, dass im Fall eines Trägerwechsels die Erzieherinnen das Haus verlassen würden, sondern auch die Art und Weise, wie Eltern und Erzieher über die Pläne informiert wurden. Das habe alle verärgert. Auch die Opposition im Stadtrat: „Die Information ist ganz, ganz schlecht gelaufen; das hätte grundsätzlich mit dem Rat diskutiert werden müssen“, befand Wilfried Pallasch (Bürgerfraktion). Bürgermeister Martin Wagener (SPD) räumte ein, dass man unterschiedlicher Meinung seien könne, ob sich die Verwaltung diesbezüglich geschickt verhalten hat: „Das stecke ich mir an den Hut.“ Aber, und das betonte er, sie hätten erst eine Untersuchung anstrengen wollen. Eine Untersuchung, ob es Sinn mache, dass die Lebenshilfe mit ihrer langjährigen Erfahrung in Integration den Kindergarten übernimmt. Eine solche Diskussion würde man nicht auf dem Marktplatz starten.

Auf Nachfrage der CDU erklärte Wagener, dass die Verwaltung davon ausgehe, dass zum nächsten Kindergartenjahr bis zu vier Integrationsplätze in den kommunalen Kindertagesstätten fehlen werden. Dieses Problem falle eigentlich in die Zuständigkeit des Landkreises, erklärte der Verwaltungschef. Aber da es sich um „ihre“ Kinder (wie die Opposition zuvor gegenüber Wagener betont hatte) handele, habe sich die Stadt verantwortlich gefühlt und sich nicht das Heft vom Landkreis aus der Hand nehmen lassen wollen. Die angestrengten internen Überlegungen hätten ergeben, dass nur der Kindergarten Malletstraße infrage käme. Für ihn spreche unter anderem, dass er zum August acht frei Plätze habe. Die Möglichkeit, an einen anderen Kindergarten anzubauen hat die Verwaltung nicht gesehen.

Die Aufgabe, die Integration in die eigenen Hände zu nehmen, wie Wilfried Pallasch forderte, hielt Wagener kurzfristig nicht für realisierbar. Sie hätten zwar qualifizierte Kräfte, aber selbst deren Schulung liege Jahre zurück, müsse mindestens aufgefrischt werden. Aber vor allem in den Reihen der Verwaltung fehle es an der nötigen Kompetenz für diese Aufgabe – im Unterschied zur Lebenshilfe, die sie sich über Jahrzehnte erarbeitet habe. Wagener bedauerte, dass durch den Ausstieg dieses freien Trägers – eine Entscheidung, die er absolut respektiere – der Ball nun im Feld des Landkreises liege. Das hätten sie verhindern wollen. In Richtung Opposition bemerkte er: „Wir sind in keiner Zwangslage; der Landkreis und die Eltern sind es.“

Unterm Strich waren sich alle einig, dass an der Lösung des Problems weiter gearbeitet werden müsse und stimmten einem entsprechenden Antrag der SPD zu. Wie sie über die Ergebnisse informiert würden, bleibe aber allein Entscheidung der Verwaltung, forderte die SPD-Fraktion.

Dass diese Suche nicht einfach werde, gab Olaf Bargemann, Geschäftsführer der Lebenshilfe, dem Gremium mit auf den Weg. Integration betreffe nicht nur eine Gruppe: „Das ganze Haus muss so denken.“ Es müsse ein langfristiges Konzept fürs Haus entwickelt werden. Angesichts dieses Aufwands war Bargemann nie davon ausgegangen, diese Aufgabe bis zum 1. August 2014 zu bewältigen: „Für uns wäre der 1. August 2015 der früheste Termin gewesen.“

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