Mordfall Nicole Stindt bei Groß Ippener

Suche rund um Leichenfundstelle bleibt ergebnislos

Groß Ippener. Im Mordfall Nicole Stindt gibt es weiterhin keine heiße Spur. Daran hat auch eine groß angelegte Suchaktion rund um die Leichenfundstelle im Waldstück bei Groß Ippener nichts geändert, an der am Dienstag rund 40 Polizisten beteiligt waren.
09.06.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ute Winsemann

Groß Ippener. In das Vogelgezwitscher mischen sich immer wieder Schüsse. Das allerdings ist normal hier, ganz in der Nähe des Schießplatzes der Bundeswehr, und nicht der Grund, warum das Buchholz bei Groß Ippener an diesem Vormittag von Polizisten wimmelt. Sie suchen vielmehr nach Hinweisen im Zusammenhang mit der Leiche, die Spaziergänger am Pfingstmontag entdeckt hatten und die mittlerweile als die 1971 geborene Nicole Stindt aus Stuhr identifiziert worden ist.

Das Waldstück liegt zwar nicht gerade am Ende der Welt, aber besonders viele Menschen kommen üblicherweise nicht vorbei. Spaziergänger meistens, oder auch Reiter, wie die von blauschillernden Fliegen übersäten Pferdeäpfel auf dem mulligen Weg verraten.

Der bildet für die Bereitschaftspolizisten aus Hannover, die die örtliche Mordkommission für die Aufgabe angefordert hat, eine Orientierungslinie. Denn rund sieben Meter abseits war die Leiche vergraben. Das unmittelbare Umfeld hat die Polizei gleich nach dem Fund abgesucht. Unter anderem weil sich inzwischen aber herausgestellt hat, dass persönliche Gegenstände der Toten fehlen - ihre Brille, ihr Schlüsselbund und vor allem ihr Mobiltelefon, das womöglich Hinweise auf letzte Kontakte liefern könnte -, soll noch einmal ein größerer Bereich durchkämmt werden.

Erst auf der einen Seite des Wegs etwa 25 Meter in den Wald hinein, zurück auf der anderen Seite geht es Schritt für Schritt voran. Die Blicke auf dem Boden, die metallenen 'Stöberstäbe' in der Hand kämpfen sich die Polizisten durchs streckenweise ziemlich dichte Unterholz.

Plötzlich schwingen in der gespannten Konzentration auch ein wenig Unruhe und Verwirrung mit. Stimmen werden laut und pflanzen sich von irgendwo in der Mitte der Reihe fort. 'Tot?' weht ein Wortfetzen herüber. Nein, es stellt sich nur tot, klärt ein biologisch bewanderte Uniformierte ihre Kollegen auf. Die haben gerade ein Rehkitz entdeckt, das bewegungslos auf dem Boden liegt. 'Stadtkinder', kommentiert der Chef, der vom Rand aus den Überblick behält, und weist seine Leute an, das Kitz einfach in Frieden zu lassen und weiterzumachen. Schließlich haben sie vielleicht gerade mal hundert Meter geschafft, fünf- bis sechshundert liegen noch vor ihnen, und dann noch die ganze Strecke wieder zurück.

Nur vier Kollegen sind schon vorausgeeilt, dahin, wo einige Bäume mit gelben Streifen markiert sind und der Boden zwischen ihnen sichtbar durchwühlt ist. In unmittelbarer Nähe der Leichenfundstelle soll noch gründlicher gesucht werden. Hauptakteur dabei ist ein Polizist, der mit wenigen Zentimetern Abstand ein Gerät über den Boden führt, das wie eine Kreuzung aus Wünschelrute und Staubsauger aussieht und von dem ein Draht zu einem Knopf in seinem rechten Ohr führt. Der Metalldetektor kann bis zu einer Tiefe von etwa 30 Zentimetern Gegenstände in der Erde aufspüren. Und tatsächlich piept er immer mal wieder verheißungsvoll. Dann muss einer der Kollegen mit einem Spaten anrücken und buddeln.

Aber er zeigt nur Dosendeckel und anderen längst vergessenen Schrott an, weder Handy noch Schlüsselbund und schon gar keine vergrabene Mordwaffe. Auch die Kollegen mit den 'Stöberstäben' haben nach vier Stunden lediglich 'ein paar wenige Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs', darunter ein Feuerzeug und eine kaputte Sonnenbrille, gefunden. Deren eventuelle Zusammenhänge mit dem Verbrechen sollen zwar noch geprüft werden, aber allzu viel Hoffnung scheinen Mordkommissions-Leiter Heiner Richmann und seine Leute nicht darauf zu setzen.

Also müssen sie mit dem weitermachen, was sie bislang in der Hand haben. Dazu gehören neben dem Leichenfund selbst die Tatsache, dass einen Tag nach dem 18. August 2009, als Nicole Stindt beim 'Bassumer Hundetreff' zuletzt lebend gesehen worden ist, ihre Schäferhündin Lana am Traher Weg zwischen Dötlingen und Neerstedt entdeckt wurde, während etwa zeitgleich ihr dunkelgrauer Toyota Corolla Kombi am Breitenweg in Bremen aus dem Parkverbot abgeschleppt wurde.

Und dazu gehört auch der Computer, auf dem sich laut Richmann Hinweise gefunden haben, dass die zurückgezogen lebende Frau 'im Netz auf Partnersuche' war. Die weitere Auswertung werde wahrscheinlich noch Wochen dauern. Kein Grund, derweil Däumchen zu drehen - auch ohne spektakulären Fund im Wald sei die Hinweislage 'zurzeit noch ergiebig', sagt Richmann. Nur eine heiße Spur, die sei eben leider bislang nicht darunter.

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