Oldenburger Damen-Trio sorgt für Stimmung

Swing mit plattdeutscher Note

Swing und Boogie-Woogie mit einer frecher Note. Das erlebten am Sonntag die Gäste in der Begegnungsstätte. Im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals waren Sweet Sugar Swing vor Ort. Das Damentrio reanimierte dabei nicht nur den musikalischen Geist der Vierzigerjahre, sondern vollzog im Begu-Garten auch schnellen Garderoben-Wechsel.
05.08.2014, 00:00
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Von Christian Pfeiff
Swing mit plattdeutscher Note

Mit ihrem Charme und allseits bekannten Swingklassikern – teilweise sogar in plattdeutscher Sprache dargebracht – zogen die Damen des Trios „Swing Sugar Swing“ am Sonntag zahlreiche Gäste in den Begu-Garten nach Lemwerder. CP·

Christian Pfeiff

Swing und Boogie-Woogie mit einer frecher Note. Das erlebten am Sonntag die Gäste in der Begegnungsstätte. Im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals waren Sweet Sugar Swing vor Ort. Das Damentrio reanimierte dabei nicht nur den musikalischen Geist der Vierzigerjahre, sondern vollzog im Begu-Garten auch schnellen Garderoben-Wechsel.

Auf den ersten Blick mutet es schon als ein kleines Wagnis an, ein Parallelkonzert zum Festival Maritim zu veranstalten. Der Mut der Initiatoren wurde jedoch belohnt: Weit über hundert Zuhörern stand am Sonntag augenscheinlich eher der Sinn nach kompetent vorgetragenen Höhepunkten der Swing-Ära als nach maritimem Liedgut.

Entsprechend gut zeigte sich der Begu-Garten gefüllt, als das Team um Hausleiter Dieter Seidel anlässlich der elften Teilnahme des Hauses am „Gartenkultur Musikfestival“ klassische Swingtöne vom Oldenburger Damentrio „Sweet Sugar Swing“ präsentieren ließ. „Das ist ja schließlich auch etwas völlig anderes“, zeigte sich Seidel angesichts der Terminparallele entspannt.

Mit entsprechenden Kostümierungen und Choreografien zauberten die drei Damen einen Hauch der Atmosphäre der amerikanischen Swing-Ära der Vierzigerjahre auf die Open-Air-Bühne des Hauses. Dabei ließen sie kaum einen Hit vermissen. Sehr zur Freude des Publikums, denn mit der notwendigen Stimmbegabung sind die drei Damen durchaus ausgestattet, zwei von ihnen gehören im Übrigen zum festen Ensemble des Oldenburger Staatstheaters.

Ob „Chattanooga Choo Choo“, „As time goes by“, „Night and Day“, „Mr. Sandman“ – die Sängerinnen förderten unzählige Hits zutage, die sich auch heute noch eines hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrades erfreuen.

Den obligaten Bigband-Klang ließen sie zwar aus der Konserve ertönen. Dieses verzeihliche Manko machten sie jedoch nicht nur mit gekonnten Gesangssätzen im genretypischen „Close Harmony“-Stil, sondern vor allem auch mit ihrer ebenso nostalgischen wie frech-frischen Bühnenpräsentation wett.

Neben den eng geführten Gesangssätzen erweckten auch die mehrfach gewechselten Bühnenoutfits und die Art und Weise der Choreografien unweigerlich Assoziationen zu Formationen wie den „Andrew Sisters“. Die gelten bis heute quasi als Synonym für weibliche Gesangstrios der Swing- und Boogie Woogie-Ära.

Diese Art der Nostalgie peppten die Oldenburger Swing-Frauen jedoch mit frech-fidelen Bühnengebahren und musikalischem Humor auf. Standards wie das im Original jiddische „Bei mir Bistuy sheyn“ oder aber „Diamonds are a girl‘s best friend“ erschallten beispielsweise unvermittelt in plattdeutschem Zungenschlag („Klunkers sind doch dat watt blift“).

Das Auftreten als freche Mädchen, deren Lebensinhalt neben der Musik offenbar vor allem aus Sekt, Diamanten und gelegentlichen Naschereien („Ich will keine Schokolade“) besteht, haben Annie Heger, Mary Kehl und Christina Silvia Meyer seit der Triogründung im Jahr 2010 ebenso perfektioniert wie ihre Gesangs- und Tanzeinlagen. So passt es darüber hinaus ins Bild, dass das Trio unlängst auf bundesweiten Veranstaltungen zum „Christopher Street Day“ zu den großen, musikalischen Abräumern zählte.

Doch auch in der heimeligen Atmosphäre des Begu-Gartens funktionierte die Melange á la „Sweet Sugar Swing“ prächtig. Mit quirligem Witz entstaubten die frechen Damen, die ihre Stimmen außerhalb ihres Trios oftmals im Rahmen von Musical- und Opernproduktionen erklingen lassen, die zumeist über siebzig Jahre alten Originalstücke von historischer Patina und präsentierten die Standards aus Swing und Boogie Woogie ebenso kurzweilig und unterhaltsam wie auch zeitlos.

Entsprechend verziehen die Zuhörer den Akteurinnen auch den Umstand, dass die Damen das selbst gewählte Image der frechen Girlies mit Hang zu gelegentlicher Albernheit vor allem in der zweiten Konzerthälfte bisweilen etwas auf die Spitze trieben. Zwar ließen sich die Besucher in Lemwerder trotz des emsigen Bemühens der auf der Bühne und zwischen den Zuschauerreihen agierenden Sängerinnen nicht dazu motivieren, den Geist der wilden Vierzigerjahre auch tänzerisch zu reanimieren. Doch auch ohne das kollektive Tanzfieber riss der Auftritt der Oldenburger Swing-Sisters die Zuhörer spürbar mit.

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