Neue Chronik zum Geburstag

Syker Christuskirche ist 125 Jahre alt

Syke. An ihr kommt einfach niemand vorbei. Wer nach Syke reinfährt, oder das Hachestädtchen wieder verlässt, wird von ihrem einnehmenden Wesen in den Bann gezogen. Nun hat das Syker Wahrzeichen Geburtstag: Vor 125 Jahren, nämlich am 1. März 1885, wurde der Sakralbau eingeweiht.
28.02.2010, 19:11
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Von Jörn Dirk Zweibrock
Syker Christuskirche ist 125 Jahre alt

Pastorin Albertje van der Meer mit der Christusfigur. Die soll früher einmal ganz aus Gold gewesen sein.

Udo Meissner

Syke. An ihr kommt einfach niemand vorbei. Wer nach Syke reinfährt, oder das Hachestädtchen wieder verlässt, wird von ihrem einnehmenden Wesen in den Bann gezogen. Stolze 12,9 Meter hoch, 30 Meter lang und 16,5 Meter breit ist das Syker Gotteshaus, die Christuskirche. Heimat für rund 6000 Schäfchen evangelisch-lutherischen Glaubens. 450 Mitglieder der Kirchengemeinde finden sonntags in ihr ein warmes Plätzchen. Heute hat das Syker Wahrzeichen Geburtstag: Vor 125 Jahren, nämlich am 1. März 1885, wurde der Sakralbau vom damaligen Superintendenten Crome eingeweiht.

Ihr hoch aufragender Turm solle 'wie ein starker Finger sein, der die Gemeinde gen Himmel weist', forderte der Theologe bei der Einweihung vor 125 Jahren. Viele Kirchenmänner und -frauen hat die Syker Christuskirche in ihrer vergleichsweise 'jungen' Geschichte - die Barrier Sankt-Bartholomäus-Kirche zählt über 900 Jahre - schon kommen und gehen sehen.

Seit 13 Jahren ist Albertje van der Meer Pastorin in der Hachestadt. Als sie zum ersten Mal die schwere Tür geöffnet und ihre künftige Wirkungsstätte betrachtet hat, dachte sie sich: 'Endlich mal eine herkömmliche Kirche mit aufstrebenden Säulen und einer hohen Decke.' Die aufstrebenden Säulen haben es der Pastorin angetan. Wenn sie mit ihren Augen deren Verlauf folgt, sieht sie die 'Palmen aus dem Paradies', mit 'einem breiten Stamm, der oben auseinandergeht.' Die rötlichen Säulen verleihen der Kirche eine warme Atmosphäre, kein Vergleich zu der Tristesse, die früher im Inneren der Kirche geherrscht hat, als noch alles in Grau gehalten war.

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Die Christuskirche wurde am 1. März 1885 an ihrem heutigen Standort eingeweiht, weil eine 1704/1705 errichtete Fachwerkkirche am Steinkamp zu klein für die stark anwachsende Kirchengemeinde geworden war. Außerdem soll sich besagte Fachwerkkirche 'in schlechtem Stande' befunden haben, wie auf der Infotafel am Eingang zur Christuskirche nachzulesen ist.

1882 wurde diese Kapelle dann abgerissen. Der barocke, aus dem Jahre 1677 stammende Taufstein sowie der Opferstock stehen als Relikte dieser Zeit noch heute in der Christuskirche.

Wenn Pastorin Albertje van der Meer durch die Reihen zum Altar schreitet, wünscht sie sich manchmal, sie könnte die Bänke verrücken. Doch die sind natürlich fest im Boden verankert und weisen eine Besonderheit auf: Die Abtrennung in der Mitte. Fleißige Kirchgänger wissen dies durchaus zu schätzen. Szenen wie im Syker Theater, wenn extra alle aufstehen müssen, damit die Nachzügler zu ihrem Plätzchen in der Mitte der Reihe hindurchrutschen können, werden sich in der Christuskirche nie abspielen.

'Da', sagt Albertje van der Meer und zeigt auf das ehemalige Altarbild, die Todesstunde Jesu, welches nun als gerahmtes Ölbild an der Wand hängt. Auf dem Weg zur Taufkapelle bleibt sie rechts an der Kanzel stehen und zeigt auf die kleinen Mandalas am Kanzelboden. Am Altar blickt die Pastorin dann durch die drei neuen schutzverglasten Kirchenfenster. 'Sie stehen symbolisch für die Dreieinigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist', erklärt die Pastorin.

Als sie den Christus vom Altar hebt, sagt sie: 'Der war früher einmal ganz aus Gold.' Einen goldenen Christus habe sie bisher nur im Dom zu Meißen gesehen.

Nicht nur Musik, auch Kunstausstellungen finden immer wieder in der Syker Christuskirche statt: Das Bild des Künstlers Lutz Felsmann in der Taufkapelle zeigt die Auferstehung Jesu. Ein Fräulein Marie muss 1957 die Taufschale gespendet haben. Das ist zumindest in der Inschrift vermerkt.

Beim Verlassen der Kirche bleibt Albertje van der Meers Blick an der Führer-Orgel hängen. 'Wie ein Engel, der seine Flügel ausstreckt', komme sie ihr beim genauen Betrachten immer vor. Als Symbol für die Auferstehung deutet Albertje van der Meer das Mandala im Fenster über der schweren Kirchentür: ein Schmetterling.

Gerade als sie das Gotteshaus verlassen möchte, erklingen im Turm die vier Glocken. 'Die vierte ist 1953 hinzugekommen', weiß Albertje van der Meer.

Die Syker Pastorin freut sich schon, wenn im Herbst die Fortsetzung der Kirchenchronik, also die Jahre ab 1986, erscheint. Eine Arbeitsgruppe um Kurt Wolff arbeitet gerade daran. Natürlich werden sie bei ihren Recherchen durch Stadtarchivar Hermann Greve unterstützt. 'Wir wollten keine Festwoche zum 125. Geburtstag unserer Kirche, sondern einen Spaziergang durch das ganze Jahr', erzählt Kurt Wolff und weist auf die festliche Andacht am Sonnabend, 20. März, um 18 Uhr in der Kirche hin. Weitere Termine anlässlich des Kirchenjubiläums sind dann der 5. Juni, 5. September sowie der 12. September.

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