Mobilfunk

Syker Gymnasiasten wehren sich gegen Handyverbot

Syke. Ein Großteil der 1601 Schüler des Gymnasiums Syke hat sich versammelt - es ist eng, richtig eng. Sie wollen ein Zeichen setzen, ein Zeichen gegen das Handyverbot an ihrer Schule.
16.03.2010, 05:40
Lesedauer: 2 Min
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Syker Gymnasiasten wehren sich gegen Handyverbot
Von Malte Bürger

Syke. Ein Großteil der 1601 Schüler des Gymnasiums Syke hat sich versammelt - es ist eng, richtig eng. Mit ihren Mobiltelefonen in der Hand quetschen sie sich gemeinsam in den Eingangsbereich zur Pausenhalle und lassen ihre Handys klingeln, vibrieren oder lautstark Musikstücke abspielen. Sie wollen damit ein Zeichen setzen, ein Zeichen gegen das Handyverbot an ihrer Schule.

'Wir sind uns im Klaren, dass die Telefone im Unterricht nichts zu suchen haben. Das war bisher aber auch nie ein Problem', erklärt Alexander Pille von der Schülervertretung. Und der Zehntklässler ergänzt: 'Unser Hauptkritikpunkt ist, dass die gesamte Kleinelektronik verboten ist, die aber letztlich auch zur Entspannung zwischen den Stunden dient.' Innerhalb der Leitung des Gymnasiums ist man da anderer Meinung, auf einer Gesamtkonferenz im vergangenen September wurde beschlossen, die Mobiltelefone und ihre Musik und Filme abspielenden Artgenossen zu verbieten. Dadurch erhoffen sich die Verantwortlichen beispielsweise die Verhinderung des Missbrauchs dieser Geräte zur Statusbestimmung untereinander oder zum sogenannten Happy Slapping, also dem Filmen und ins Internetstellen von Gewaltdelikten.

Das Telefonieren selbst ist im Prinzip zweitrangig. 'Es ist nicht so, dass die Schüler hier nicht telefonieren können', erklärt Rektor Claus Dieter Lösche. 'Im Sekretariat steht jederzeit ein Telefon für wichtige Anrufe zur Verfügung.' Darüber hinaus gibt es eine sogenannte Handyzone, in der im Ausnahmefall Anrufe getätigt werden können. In eben diese Zone haben sich gestern die Schüler für ihre Protestaktion gedrängt. 'Und somit sind wir auch völlig im rechtlichen Rahmen bei unserer Aktion geblieben', meint Alexander Pille.

Schlimmer als das Verbot der Handys ist für die Schüler aber die Sanktionierung im Falle eines Verstoßes. 'Wir kassieren dann das Telefon ein und geben es nach einer Woche an die Schüler zurück', schildert Claus Dieter Lösche. Die Eltern werden jedoch nicht - wie an einigen anderen Schulen in Niedersachsen praktiziert - umgehend informiert oder müssen das Handy gemeinsam mit ihren Kindern abholen. 'So weit gehen wir dann bei uns nicht', meint Lösche.

Das Gymnasium ist in Syke aber nicht die einzige Bildungseinrichtung mit einem Verbot dieser Art, auch die Realschule oder die Ganztagsschule (GTS) haben Regeln auferlegt. 'Bei uns gibt es das Verbot bereits seit Bestehen der Schule, also seit 2001', erzählt GTS-Konrektor Ulrich Prigge. Auch dort wird das Telefon einkassiert, vor allem wenn es im Unterricht geklingelt hat.

An der Realschule existiert sogar ein Strafenkatalog. 'Beim ersten Verstoß müssen die Schüler das Handy einen Tag abgeben, beim zweiten Mal eine Woche und beim dritten Mal dann ein halbes Jahr', erläutert Rektor Klaus Wendler. 'Die Schüler haben allerdings die Möglichkeit, sich ihre Karten auf Wunsch herausgeben zu lassen.' Rechtliche Probleme gebe es zwischen beiden Seiten nicht, nach Wendlers Angaben hätten die Eltern der Schüler beim Schuleintritt eine entsprechende Erklärung unterschrieben.

Am Gymnasium hoffen die Schüler dennoch, mit Aktionen dieser Art Veränderungen zu bewirken. 'Wir wissen, dass wir das Verbot nicht abschaffen können, aber wir wollen es zumindest auf die Tagesordnung der nächsten Gesamtkonferenz setzen lassen', sagt Schülervertreter Niklas Stricker, der zudem weitere Proteste ankündigt. 'Wir werden auf jeden Fall nicht müde.'

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