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Schule muss Lehrer an Ganztagsschule abordnen
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Am Gymnasium Syke fällt der Sport aus

Annika Lütje 26.01.2015 0 Kommentare

CDU-MdL Gymnasium Syke
Claus Dieter Lösche (von links), Schulleiter des Gymnasiums Syke diskutiert mit den CDU-Landtagsabgeordneten Volker Meyer und Karl-Heinz Klare über die Abordnung von Lehrern an die Ganztagsschule. (Udo Meissner)

Weil an der Syker Ganztagsschule 2001 Lehrermangel herrscht, muss das Gymnasium Syke nun drei Lehrer dorthin abordnen. Laut Schulleiter Claus Dieter Lösche birgt das für beide Schulen erhebliche Schwierigkeiten. Zudem führe das dazu, dass am Gymnasium wiederum Unterricht ausfallen muss. Nun erhofft sich Lösche Unterstützung von der Politik.

Die Stimmung am Gymnasium Syke ist schlecht. So fasst es der Schulleiter Claus Dieter Lösche kurz und knapp zusammen. Erst mussten die Gymnasiallehrer auf ihre Altersermäßigung verzichten und mehr arbeiten, und nun sollen auch noch drei Vollzeitstellen an die Syker Ganztagsschule (GTS) 2001 abgeordnet werden, sagt er. So sei es Lösche vor Kurzem per E-Mail von der Landesschulbehörde mitgeteilt worden. Mit einer Unterrichtsversorgung von 108 Prozent sei das Gymnasium durchaus in der Lage, Lehrer an die GTS 2001 – die über eine deutlich niedrigere Unterrichtsversorgung verfüge – abzutreten, so die Schulbehörde.

Das an sich sei auch gar keine Frage, lässt Lösche wissen. „Es ist doch klar, dass wir helfen, wenn Not besteht“, sagt der Schulleiter. Doch so einfach, wie man sich das bei der Schulbehörde vorstelle, sei die Umsetzung nicht. „Abgesehen davon, dass wir sehr kurzfristig informiert worden sind, sind diese Abordnungen für beide Schulen ein einziger Krampf“, sagt Lösche.

Denn an der GTS 2001 würden vor allem Lehrer mit bestimmten Fächern benötigt. Doch da Lehrer mindestens zwei Fächer unterrichten, sei es kompliziert, sie aus dem eigenen Stundenplan auszusortieren. Hinzu komme, dass die GTS 2001 ein völlig anderes Stundenraster als das Gymnasium nutze. Die Schulstunden seien dort kürzer, und einige Fächer könnten nur in ganz bestimmten Stunden unterrichtet werden. „Zudem ist die GTS eine besondere Modellschule. Für unsere Kollegen ist das eine riesige Herausforderung“, sagt Lösche.

Allen Widrigkeiten zum Trotz hätten es aber beide Schulen in einem gemeinsamen Kraftakt geschafft, die Abordnungen mit dem kleinstmöglichen Schaden zu organisieren. Die eigentlich abgeordneten 73 Stunden seien auf 32 reduziert worden, denn „alles andere wäre nur möglich gewesen, wenn man alle pädagogischen und personellen Erwägungen beiseite geschoben hätte“, so Lösche. Doch so klein sei der Schaden dann auch wieder nicht: Der Vorgang habe zur Folge, dass am Gymnasium Syke nun wegen Lehrermangels für die achten bis zehnten Jahrgänge für ein Halbjahr der Sportunterricht ausfallen muss.

Dementsprechend schlecht ist die Stimmung am Gymnasium nicht nur unter den Lehrern, sondern auch bei den Schülern und Eltern. Dies veranlasste Lösche dazu, sich an die CDU-Landtagsabgeordneten Volker Meyer und Karl-Heinz Klare zu wenden – in der Hoffnung auf Unterstützung.

Die Wahl fiel bewusst auf Vertreter der Christdemokraten, denn man vermutet politische Beweggründe hinter den Abordnungen. „Wir empfinden das Vorgehen ganz klar als politische Willkür und Angriff auf die Gymnasien seitens der rot-grünen Landesregierung – vor allem nach der Mehrarbeit und dem Wegfall der Altersermäßigung“, sagt Tadeus Pache vom Schulelternrat und fügt hinzu: „Die Landesregierung will die Gymnasien abschaffen.“

So denkt auch Karl-Heinz Klare: „Es ist ja nichts Neues, dass die Landesregierung auf Gesamtschulen und ersetzende Schulformen setzt“, sagt er. Durch Unterrichtsausfall wolle man die Gymnasien indirekt schwächen – die sowieso schon in Konkurrenz zu anderen Schulformen stünden. „Wenn man die Attraktivität einer Schulform senkt, führt das dazu, dass die Schüler woanders angemeldet werden“, so Klare.

Mit der Abordnung von Lehrern an eine andere Schulform erreiche das Vorgehen allerdings eine neue Dimension, ergänzt Volker Meyer. „Davon höre ich zum ersten Mal“, sagt er. Laut Susanne Schrammar, Sprecherin der Landesschulbehörde, sei diese Regelung hingegen keine Neuigkeit: „Der Austausch zwischen den Schulformen ist grundsätzlich vorgesehen, um die Unterrichtsversorgung ausgewogen und gerecht zu gestalten“, sagt sie.

„Aber so oder so: Es bringt ja nichts, wenn aus einer Überversorgung eine Unterversorgung entsteht beziehungsweise man hier ein Loch stopft und dort eines entsteht“, so Meyer. Der Unterricht müsse an allen Schulen in allen Fächern gewährleistet sein – auch im Sport.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Marco Genthe pflichtet auf Nachfrage des WESER-KURIER bei. „Wir sehen auch die Tendenz, dass die Gymnasien geschwächt werden sollen“, sagt er. „Sie lassen sich ja nicht mit einem Federstrich im Schulgesetz abschaffen. Deshalb lässt man sie sich schlecht entwickeln. Und ich fürchte, dass die Gymnasien noch mehr unter Druck geraten werden. Da kommen noch mehr Grausamkeiten“, fügt er hinzu.

Derlei Vorwürfe weist die SPD-Landtagsabgeordnete Luzia Moldenhauer ebenfalls auf Nachfrage „entschieden zurück“, wie sie sagt. Die Gymnasien würden unter allen Schulformen über die beste Unterrichtsversorgung verfügen. „Das Gymnasium Syke liegt nach den Abordnungen immer noch über dem Durchschnitt. Und bei einer so hohen Unterrichtsversorgung müssen Abordnungen erfolgen, wenn woanders ein Mangel entstanden ist“, sagt sie.

Die Unterrichtsversorgung sei jedoch lediglich ein rechnerischer Wert, der darstellt, wie viele Lehrer mit wie vielen Stunden an einer Schule beschäftigt sind. „Nach Abzug von zum Beispiel Krankheitsfällen oder Schwangerschaften sieht der Wert schon ganz anders aus“, sagt Tadeus Pache vom Schulelternrat.

Volker Meyer und Karl-Heinz Klare wollen sich den Abordnungen entgegensetzen. „Wir werden mit der Landesschulbehörde Kontakt aufnehmen und einen Vorschlag unterbreiten: Am besten kommt mal jemand zum Gymnasium Syke und schaut sich mit Herrn Lösche die personelle Situation und den Stundenplan an – und erklärt dann, wie er ohne Unterrichtsausfall drei Lehrer abgeben soll“, sagt Klare.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...